Der Werber-Rat
Seltsamer Streit um Print

In der Werbebranche zählt nicht die Unterscheidung zwischen Print und Digital, erklärt Torben Bo Hansen. Sondern nur die zwischen guter und schlechter Werbung. Die Branche sollte sich anpassen.

Ich schreibe diese Zeilen direkt am Morgen nach der Verleihung des ADC-Awards in meine digitale „schreIBMaschine“ um gleich eine legendäre Zeitungsanzeige des Kreativen Michael Schirner zu zitieren. Der Eindruck ist noch ganz frisch und will schnellstens analog auf Papier gebannt werden, damit er Sie am Mittwoch möglichst in der Printausgabe des Handelsblatts beglücken kann, das Digitale ist ja so flüchtig: Offensichtlich herrscht in Teilen der Kommunikationsbranche noch immer ein Denken in Werbekanälen, nicht in Werbewirkungen vor. Anders ist der Ausspruch eines ADC-Jurors kaum zu verstehen (für Nichtwerber: der Art Directors Club kürt jährlich die besten Anzeigen, die besten Filme, die besten Illustrationen – überhaupt das Beste aus der Kommunikation).

Nach all dem „digitalen Wahnsinn“ habe dieses Jahr eine Sehnsucht nach einer Auszeit geherrscht, so der Chef der Nachwuchs-Jury. Folgerichtig ging der Grand Prix nicht etwa an eine Virtual-Reality-Anwendung oder eine digitale Inszenierung. Sondern an ein großartiges, aber ganz konventionelles Printprodukt: die Flüchtlingsausgabe des „Zeit Magazins“ in Arabisch und Deutsch. Prompt titelte ein Fachblatt „Print feiert Comeback: Digitale Katerstimmung beim ADC“.

Dabei war Print nie weg, und für die „Digitalen“ gibt es keinen Grund, zu „Grumpy Cats“ zu mutieren. Jene, für die wir Kommunikation gestalten, unterscheiden nicht zwischen digital oder klassisch. Sie kennen lustig oder blöd, beeindruckend oder langweilig und relevant oder „war da was?“.

Die Mauer in den Köpfen vieler Macher muss aber weg. Kann nicht auch der ADC dazu beitragen? Mit Prämierungskategorien, die nach Wirkung statt nach Kanälen geordnet sind? Ich kündige sonst vorsorglich schon mal an, die nächste Kolumne in meine 60er-Jahre-Torpedo - und nicht in den Mac - zu tippen.

Der Autor: Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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