Der Werber-Rat
Sommermärchen in Chefetagen

Jogi Rippel, Mitbegründer der Marke Tignum, hat einen höchst erfolgversprechenden Ansatz: Er überträgt die Prinzipien des Hochleistungssports auf Führungspositionen in Unternehmen – mit erstaunlichen Ergebnissen.
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Vor Jahren lief mir ein erstaunlicher junger Mann über den Weg, der mir bei jeder sich bietenden Gelegenheit nahelegte, auf den von mir favorisierten Energydrink „sofort und überhaupt“ zu verzichten. Und, da war er sich ebenfalls ganz sicher.

Werber würden beim Fokussieren ehrgeiziger Ziele ihren eigenen Energiehaushalt auf das Sträflichste vernachlässigen - und irgendwann in einer gefährlichen Falle sitzen. Der fürsorgliche Mahner, Jogi Rippel, gründete nach seinem Studium in der Schweiz mit einem New Yorker Feuerwehrmann, einem adeligen Marathonläufer und Mark Verstegen die Firma Tignum.

Tignum steckte die deutsche Nationalmannschaft, damals noch angeleitet von Jürgen Klinsmann, in Fässer voller Eiswürfel und präsentierte zunächst vielbelächelte Trainingsmethoden. Doch am Ende gelang es, aus einer „Rumpeltruppe“ jenes Sommermärchen zu machen, das große Begeisterungsstürme über unsere zuweilen manisch depressive Nation wehte.

Rippels Ansatz ist ganz einfach: Er überträgt die Prinzipien des Hochleistungssports auf Führungspositionen in Unternehmen - weltweit. Zu seinen Auftraggebern gehören heute viele der strahlenden Siegermarken und solche, die es unbedingt schaffen wollen.

Der strategische Ansatz: Es ist alles Peoples Business, jeder tickt anders, hat andere Voraussetzungen, den täglichen Wahnsinn zu meistern. „Sustainable High Performance“ nennt Jogi das, was freilich etwas sehr schablonenhaft daherkommt, auf gut Deutsch aber nur bedeutet, länger und konstanter Höchstleistungen abrufen zu können. Wenn also ihr Kollege im Meeting ständig wegdöst, hat er sicher nicht Jogi Rippels Ratschläge beherzigt.

Jogi und sein Team haben, direktemang nach dem Sommermärchen, Fachabteilungen in Konzernen gecoacht, trainiert, und zu Matadoren der Konferenzsäle gemacht. Das Buch, das er mir damals schickte, heißt „sink, float or swim“ und ist ein durchgängiger Appell an den inneren Schweinehund.

Wenn mir heute nach fliegen zumute ist, denke ich zuallererst an die deutsche Fluglinie mit dem Kranich und nicht mehr an eine synthetische Brause. In Fässer mit Eiswürfeln steige ich grundsätzlich nicht.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Sommermärchen in Chefetagen"

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  • Da kann ich Herrn Hass nur beipflichten (Erklärung des Transfers Hochleistungssport/Fußball auf Führungspositionen), dabei ist es doch relativ einfach.

    Auf Basis meiner Erfahrungen spielen in beiden Lebenswelten die berühmten "8 K´s" die entscheidende Rolle: Kompetenz (oder "Köpfe"), ein schlüssiges Konzept entwickeln, Konsequenz und Konstanz in der Umsetzung, Kämpfen, Kooperation und Kommunikatio im und Koordination des Teams und ganz am Schluss (aber wirklich am Schluss) auch die "Kohle".

    Und aus meiner Sicht ganz wichtig (deswegen "Kohle" am Schluss und Kompetenz/Köpfe am Anfang): Den Unterschied zwischen Gewinnern oder Verlierern (egal ob auf dem Platz oder im Büro) machen die Menschen. Egomanen (siehe "CR7") an der Spitze, die nur auf ihren persönlichen Erfolg aus sind (und als "Söldner" von Unternehmen zu Unternehmen, oder als Spieler von Stadt zu Stadt ziehen) werden nie einen nachhaltigen Erfolg erzeugen (höchstens auf ihrem persönlichen Bankkonto) und werden vom Team auch nicht akzeptiert.

    Motivierende und gemeinsame Ziele ("Wir wollen Weltmeister oder Marktführer werden") Zusammenhalt und Zusammenspiel zwischen den "Spielern" (wie bei der Deutschen MANNSCHAFT), Beteiligung aller Beteiligten am Geschäftserfolg und Führen als VORBILD (wie Jogi Löw, aber auch z.B. Ottmar Hitzfeld oder Jupp Heynckes) und mit Respekt, das sind die Prinzipien für Höchstleistungen, egal ob in Sport- oder Lederschuhen....

  • Wirklich Schade.
    Die Übertragung aus dem Hochleistungssport auf die Potentiale des Autors, hat bei diesem Artikel nicht funktioniert.

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