Der Werber-Rat
Sommerschlussverkauf

Die Modebranche zwingt uns, im Schneetreiben nach den schönen Bikinis zu suchen - und bei 25 Grad nach Winterstiefeln. Das ist verrückt und macht auch betriebswirtschaftlich keinen Sinn.
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Nun, da wir endlich sommerliche Temperaturen haben, beginnen die Schlussverkäufe. So richtig bemerken die Menschen das freilich nicht, da es im Gegensatz zu früher auch schon vorher reichlich Rabattaktionen gab. Besonders in diesem Jahr. Denn der Einzelhandel im Mode- und Textilbereich hat früh versucht, mit Preissenkungen die Einbußen durch kühle Temperaturen wettzumachen. Dabei ist das Problem hausgemacht.

Seit Jahrzehnten zwingen Modebranche und Handel die Menschen, sich im März Sommermode und Bikinis anzuschauen. Wenn es draußen noch friert, sollen wir unsere Mäntel und warmen Strümpfe ablegen und uns fröstelnd in Sommerkleidchen verlieben. Frisch gekauft, müssen diese dann monatelang im Schrank lagern, ehe wir sie tragen. Für den neuen Wintermantel sollen wir uns dann bei 30 Grad begeistern.

Lange Zeit gab es zu diesem Irrsinn keine Alternative. Eltern mussten für ihre Kinder spätestens im September Winterschuhe kaufen. Heute sieht die Modewelt anders aus.

Zum einen trägt der Online-Handel ganzjährig dazu bei, dass wir einen Bikini dann kaufen können, wenn uns danach ist. Nämlich im August, kurz vor dem Urlaub. Aber auch der stationäre Handel bietet inzwischen vier bis sechs Kollektionen im Jahr an. Einen echten Sommer- oder Winterschlussverkauf gibt es dadurch nicht mehr. Ständig findet sich irgendwo etwas Reduziertes. Warten lohnt sich. Wir Kunden wissen: Es wird noch billiger.

Aus Sicht der Branche würde es sich lohnen, radikal anders zu denken und die Preisspirale mit einem völlig neuen Ansatz zu unterbrechen. Psychologisch wäre es richtig, den Bikini im März günstig anzubieten, weil ihn da noch keiner haben will. Ein Frühkäuferrabatt könnte der Unlust, sich bereits im März zu entkleiden, entgegenwirken. Im Sommer müssten die Preise hingegen kräftig steigen.

Kurzum: Die Modebranche müsste sich eine alte Marktweisheit aneignen: Die Nachfrage bestimmt den Preis. Das wäre eine mutige und kluge Entscheidung. Waren müssten so zu keinem Zeitpunkt verramscht werden. Statt dessen gäbe es den besten Preis nicht am Ende einer Saison, sondern am Anfang.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

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