Der Werber-Rat
TV ist tot. Es lebe TV.

Vor 55 Jahren wurde in Deutschland der erste Werbespot im Fernsehen geschaltet. Der Beginn einer großen Karriere. Noch immer gilt: Kaum ein Markenaufbau gelingt ohne das Massenmedium TV.
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Ein Blick zurück ins Jahr 1959: Das junge Medium Fernsehen fasziniert immer mehr Menschen. Wer es sich leisten kann, stellt sich ein Röhrengerät ins Wohnzimmer und richtet Plüschsofa und Ohrensessel danach aus. Fernsehen ist modern, aufregend und unterhaltsam, ein neues Massenmedium. Was die Werbebranche sogleich nutzt: Das Westdeutsche Werbefernsehen strahlt Anfang April 1959 erstmals Reklame-Spots aus.

Das war vor 55 Jahren. Und heute? TV ist doch tot, mindestens aber in der Krise, heißt es. So zeitgemäß wie ein Ohrensessel. Abgehängt durch das Internet?

Kaum eine Diskussion in der Kommunikationsbranche ohne absolute Urteile. Jetzt wird eben mal das Fernsehen beerdigt. Und damit jener Kanal und Werbeträger, der seit mehr als einem halben Jahrhundert wie kein anderes Medium unseren Alltag bestimmt - und weiter bestimmen wird.

Zweifel? Ein Blick auf Marktdaten hilft bisweilen: Der TV-Konsum bleibt seit Jahren stabil hoch, die Programmangebote wachsen beständig. Die Fernsehwerbung legt weiter zu. TV ist das Medium mit der höchsten Effektivität, wirkt besonders lang und trägt maßgeblich zum Erfolg von Produkteinführungen bei. Kurz: Das Medium ist so lebendig und vielfältig wie nie. Und die Bewegtbildwerbung bleibt die Königsdisziplin der Branche. Unverzichtbar für Unternehmen beim Markenaufbau.

Richtig ist: Wer viele der heimischen TV-Programme anschaut, kann all dies schon mal übersehen. Aber das Medium trocknet nicht aus, im Gegenteil. Es erlebt eine Renaissance durch Serien wie "Breaking Bad", "Homeland" oder "House of Cards". Und viele neue Kanäle kommen hinzu - digital, über das Internet und vor allem: mobil. Weil der Zuschauer nicht mehr nur entscheiden will, was er sieht, sondern auch wie, wann, mit wem und wo. Das Massenmedium wird individueller.

Darin liegt die Herausforderung. Gerade weil sich das Medium zunehmend auffächert, müssen die Inhalte relevant sein, unterhaltsam, von hoher Qualität. Das gilt gleichermaßen für die Programmmacher wie für die Kreativen aus der Werbebranche.

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany. Die Autorin ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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