Der Werber-Rat
Und ab morgen gibt es „Borgen“

Nerdtum schlägt Nationalität: Herauszufinden welcher Zielgruppe welche Filme und Serien gefallen, zählt zu den Kernkompetenzen von Streaminganbietern wie Netflix. Zum Glück gibt es ja „Big Data“.

Haben Sie schon mal „Lilyhammer“ oder „Homeland“ geguckt und Spaß dabei gehabt? Dann könnte Ihnen vielleicht auch die dänische Serie „Borgen“ gefallen, selbst wenn Sie eine Frau sind, viel jünger und nicht wie ich aus Dänemark stammen.

Wie ich darauf komme? Weil ich alle drei Sendungen gut finde und weil jemand, der über mehr Know-how als ich und über Daten von Millionen Nutzern verfügt, zu dem Schluss gekommen ist, dass der Vorhersagewert der meisten demografischen Daten für das Interesse an Filmen und Serien gegen null tendiert.

Der Streamingdienst Netflix ist seit Januar in 190 Ländern verfügbar und um nachhaltig erfolgreich zu sein, muss er dafür sorgen, dass seine Abonnenten einen möglichst hohen gefühlten Gegenwert für ihr Geld bekommen, sonst wandern sie zu anderen Angeboten ab.

Je mehr Inhalte die Kunden gerne gucken, desto größer der wahrgenommene Gegenwert, desto stärker die Treue. Man muss also nur für viel guten Inhalt sorgen. Problem: Was gut ist, ist eine individuelle Einschätzung. Und bei der Fülle an Sendeminuten ist der Nutzer überfordert, wenn er selbst raussuchen muss, was ihm vielleicht gefallen könnte.

Deshalb ist die Homepage als Schaufenster so wichtig. Und hier orientiert sich Netflix weltweit am gleichen Algorithmus, der viel mehr mit geteiltem Geschmack zu tun hat als mit Demografie. So werden zum Beispiel 90 Prozent aller japanischen Zeichentrick-Streamings außerhalb Japans geguckt – der stärkere gemeinsame Nenner ist hier nicht Nationalität, sondern Nerdtum.

Zielgruppendefinitionen und Targeting haben in Zeiten von Big Data nur noch wenig mit klassischer Segmentation zu tun. Je eher Sie aussagekräftigere Daten zu Ihrem Markt finden als Alter und Einkommen, desto entspannter können Sie ein bisschen streamen, zum Beispiel „Borgen“. Und dazu brauchen Sie nicht mal Netflix.

Der Autor: Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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