Der Werber-Rat: Und ewig grüßt das Dschungelcamp

Der Werber-Rat
Und ewig grüßt das Dschungelcamp

Das einstige Schmuddel-Format hat intellektuelle Schichten erobert – weil es den Betrachter über seine Natur nachdenken lässt. Es ist eine der raren Optionen, diese eigene Natur ganz erträglich erscheinen zu lassen.
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Auch in diesem Jahr wird mit fulminanter Medienunterstützung und Plakatkampagne der Beginn des Dschungelcamps inszeniert. Seit nunmehr zehn Jahren on Air, ist das Format zu den erfolgreichsten deutschen Sendungen überhaupt avanciert – und findet Fans mittlerweile nicht mehr nur in bildungsfernen Schichten. Wie konnte es so weit kommen? Was macht die Faszination der Sendung aus?

Psychologisch relevant ist die Urwaldkulisse als Formatplattform: Unbehandeltes und Ursprüngliches, aber auch das bedrohlich Unheimliche der Natur werden mit dem Urwald verbunden. Ein Ort, in dem eben leicht auch die wahre unkultivierte Natur der darin campenden Menschen zutage treten kann.

Das Dschungelcamp ist für Kandidaten wie Zuschauer eine Selbsterfahrung. Sie werden auf Herz, Nieren und immer wiederkehrende Känguruhoden geprüft. Und die Zuschauer fragen sich, wie weit die vermeintlichen Stars gehen und wie sie sich selbst wohl verhalten würden. Dabei verspüren sie mehr oder weniger bewusst, dass ihr Alltag nicht selten einem Durchkämpfen im Dschungel gleicht und nicht so kalkulierbar ist, wie man es sich und anderen gern glauben macht.

Das Format verbindet dabei geschickt Unkalkulierbares mit Altbekanntem: alternde Stars, unbekannte Schönheiten, Überraschungseffekte durch Liebeleien und Mobbing. Die Prüfungen sind zuverlässig eklig und peinlich. Aber nicht lebensgefährlich. Bedrohungen der eigenen Lebensart gehen eher von den Reaktionen der anderen Kandidaten als von den Urwaldgefahren aus. Wie im richtigen Leben auch.

Dennoch keimt nicht selten das Gefühl auf, sich in unmoralischer Weise an den leidgeprüften Kandidaten zu weiden. Die beiden Moderatoren jedoch steigern Hetzerei, Sadismus und Schadenfreude in einem Umfang, dass man sich demgegenüber selbst fast wie ein guter Mensch fühlt. Und auch im Vergleich zu den Kandidaten scheinen eigene Schwächen plötzlich relativiert. So hässlich ist man im Vergleich zu Kunstbusen und Kraterlandschaften gar nicht. Überdies weniger langweilig und zickig. Das Dschungelcamp zeigt also auch dem Zuschauer seine wahre Natur und die ist dann für einen kurzen Moment viel freundlicher als gedacht.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Und ewig grüßt das Dschungelcamp"

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  • Es ist schon bezeichnend das "diejenigen" die den Dschungelkönig wählen können, auch den Kanzler wählen können.

    Sodann Prost ! ;)

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