Der Werber-Rat
United Nations am Rhein

Verschiedenheit ist ein Impulsgeber für Unternehmen. Auch die Werbe- und Kommunikationsbranche braucht Nachwuchskräfte aus vielen Ländern, denn Marketing kennt keine Landesgrenzen.
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Vergangene Woche, während einer Taxi-Tour durch London. Der Fahrer erzählt mir, dass sein Sohn wieder zurück ins Elternhaus gezogen ist. Mit 29 Jahren. Weil er seinen Job verloren hat und sich die Wohnung nicht mehr leisten könne. Dabei sei sein Sohn gut ausgebildet und habe direkt nach dem Studium Karriere gemacht. In Deutschland, sagt der Taxifahrer, laufe es doch viel besser. Da solle der Junior sich jetzt mal Arbeit suchen.

Immer mehr junge Leute kommen nach Deutschland, weil sie hier ihre beruflichen Chancen sehen. Davon profitiert auch die Werbe- und Kommunikationsbranche. Weil wir von den vielfältigen Ideen, von der Originalität und dem Einfallsreichtum unserer Mitarbeiter leben. Ein wichtiger Impulsgeber ist die Verschiedenheit. Diversität meint eben mehr als nur den starren Blick auf den Frauenanteil in Unternehmen. Das kommt in der öffentlichen Diskussion leider oft zu kurz.

Wir brauchen Nachwuchskräfte und Kreative aus vielen Ländern, denn Marketing kennt keine Landesgrenzen. Unsere Kunden verkaufen ihre Produkte und Dienstleistungen weltweit. So haben wir in Düsseldorf in kurzer Zeit für einen global tätigen Kunden ein hundertköpfiges Team zusammengestellt. Dort arbeiten jetzt 30 Nationalitäten: United Nations am Rhein. Was übrigens nicht ganz einfach war und unsere HR-Abteilung richtig gefordert hat, weil es kaum eine kompliziertere Sache gibt als das Ausländer- und Aufenthaltsrecht.

Alle Akteure, auch die Unternehmen, stehen in der Verantwortung. Schon weil uns klar sein sollte, dass der ausländische Nachwuchs nicht unbedingt nach Deutschland kommt, weil hier die Sommer so lang sind. Wir profitieren davon, dass in den europäischen Krisenländern sogar bestens ausgebildete Menschen kaum Chancen haben – die Jugendarbeitslosigkeit etwa in Spanien und Griechenland liegt bei mehr als 50 Prozent, in Italien und Portugal bei fast 40 Prozent. Viele Talente kommen nach Deutschland, weil sie dieser bedrückenden Situation entfliehen wollen. Und helfen so, dass der Nachwuchsmangel nicht noch größer wird. Was wiederum unserem Wohlstand zugutekommt.

Und wer weiß, vielleicht arbeitet der Sohn des Londoner Taxifahrers schon bald in Düsseldorf.

Die Autorin:
Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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