Der Werber-Rat
Van Damme schlägt Valmano

Das „New York Festival“ gehört zu den bedeutendsten Kreativwettbewerben der Welt. Die Teilnahme an einer der Jurysitzungen zeigt ungefiltert, wie deutsche Werbung im Ausland wirklich ankommt.
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Die gefühlt 3.000 Quadratmeter des sehr hochflorigen Teppichbodens sind kuschelweich. Der Mann, der den Raum betritt, ist es sichtbar nicht.

Jim Smyth hat Großes vor. Er will, nein, er wird die New York Festivals zu einem der drei bedeutendsten Kreativwettbewerbe der Welt machen. So viel ist mir und den 29 anderen Jurymitgliedern aus 19 Ländern spätestens jetzt klar.

Viele Tausend Arbeiten aus 67 Ländern wurden in den vergangenen Wochen von 400 Topkreativen aus aller Welt online juriert. Nur zehn Prozent schafften es ins Finale. Unsere Aufgabe ist nun, die Gewinner zu finden. In fensterlosen, stark klimatisierten Räumen schauen wir alle Arbeiten nacheinander an. Und das fünf Tage am Stück.

Wenn man die Leute zur Lage deutscher Kreation befragt, hört man meist, dass wir langweilig wären. Die Engländer einen viel besseren Humor hätten. Und die Amerikaner erst! „Pfeifendeckel“, sagt der Schwabe in mir bereits nach Sichtung der ersten Runde. Großartiges entsteht heute überall. In kleinen philippinischen Dörfern, in Gotham City, im Schwarzwald.

Und Deutschland glänzt: mit klugen, meist technologiegetriebenen Ideen und PR-Maßnahmen, die es in die Abendnachrichten schaffen. Auf der Zielgeraden eine Arbeit aus Schweden. Jean-Claude van Damme macht einen Spagat zwischen zwei Lkw-Spiegeln. Sein Lohn: 72 Millionen Klicks auf Youtube. Und der Grand Prix.

Ausgerechnet ein deutscher Beitrag tänzelt ganz lässig an der internationalen Konkurrenz vorbei und schiebt sich in die erste Reihe: Signor Valmano verkauft eigentlich nur Schmuck im Internet. Meine beiden persönlichen deutschen Hoffnungsträger tun sich etwas schwer: Der Hornbach-Hammer kommt noch ganz gut an. Der supergeile Edeka-Film irgendwie nicht. „Ha! Ihr Deutschen! Das findet ihr gut? Come on!“ Raus. In der ersten Runde.

Die Kollegen haben die memorable Kraft dieses deutschen Beitrags allerdings deutlich unterschätzt. Am letzten Tag haben alle Juroren beklagt, ihn nicht gewählt zu haben. Es gab sogar einen Antrag, diese Arbeit nachträglich aufs Treppchen zu heben. Da machte die Festivalleitung allerdings nicht mit. Sehr deutsch, wie wir alle fanden.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Van Damme schlägt Valmano"

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  • Valmano vorne? Diese Werber werde ich nie verstehen, diese Valmano-Spots sind mit das Gruseligte, was z.Z. in den Werbepausen läuft.

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