Der Werber-Rat
Verbote gehören verboten

Der Kampf gegen Terrorismus nimmt immer seltsamere Formen an: Großbritannien will unter anderem den beliebten Massenger WhatsApp verbieten. Doch das Vorhaben stößt bei den Briten verständlicherweise auf massive Kritik.
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Die Briten schwebten vergangene Woche zwischen Entsetzen und Erleichterung. Wäre es nach Premierminister Cameron gegangen, hätte man spätestens ab nächstes Jahr auf der Insel kein Ding Dong! oder Pling! allüberall mehr hören dürfen: WhatsApp, aber auch andere Messenger wie der von Facebook, FaceTime und Snapchat sollten verboten werden. Zur Terrorabwehr.

Für alle, die den WhatsApp-Ton für akustische Umweltverschmutzung halten, ein Grund zur Freude. Die Mehrheit der Briten, die derzeit das als „snooper’s charter“ bezeichnete geplante Gesetz heftig diskutieren, ist gewiss „not amused“.

Mittlerweile hat die britische Regierung zwar die Pläne für ein Verschlüsselungsverbot dementiert, das Thema ist aber noch nicht vom Tisch. Für WhatsApp Co. würde es den Tod bedeuten. Was absurd ist. Denn stehen nicht gerade Messenger-Dienste wegen einer vermeintlich geringen Vertraulichkeit immer wieder in der Kritik?

Regeln sind die Basis unserer Gesellschaft. Die Kunst aber ist es, wenn schon etwas verboten werden muss, es mit Weitblick zu tun. Es liegt nun mal in der Natur der Sache, dass disruptive Geschäftsmodelle bekannte Modelle über den Haufen werfen und so oft nicht in Normen passen, bisweilen sogar gegen bestehende Gesetze verstoßen.

Es sind Geschäftsmodelle, die alles auf den Kopf stellen: Etwa wenn Taxifahren ohne Taxis und Taxifahrer möglich ist. Oder an jedem Ort Musik gehört werden kann und kein Tonträger mehr benötigt wird. Die „Verbieter“ in der Politik – auch hier in Deutschland – sollten sich mal vor Augen führen, wie es mittlerweile im wirklichen Netz-Leben mit disruptiven Geschäftsmodellen funktioniert. Nämlich bestens, wie das Beispiel MyTaxi beweist: Unter Einhaltung von Regeln und Gesetzen haben die Anbieter der Mobilitäts-App in einem bestehenden System ein ganzes Segment verändern können.

Die Autorin: Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Franziska von Lewinski
/ Kolumnistin

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