Der Werber-Rat
„Versöhnen statt Spalten“

Soziale Anerkennung für gemeinnütziges Engagement ist in unserer Gesellschaft rar geworden. Auf freundliches Kopfnicken ist kein Verlass mehr. Was läuft schief bei der Imagepflege des Gemeinwesens durch seine Bürger?
  • 1

Wer sich als Unternehmen, Politiker, Partei oder Gruppe in der Gesellschaft platzieren will und Gutes fürs Gemeinwohl im Schilde führt, dürfte erwarten, dass man ihm eine Grundversorgung an Sympathie entgegenbringt.

Stattdessen stehen ehrliche Makler, Ideengeber und geduldige Parteisoldaten immer häufiger vor einer frustrierenden Erfahrung: Sie können sich nicht auf ein freundliches Kopfnicken des Publikums verlassen. Wer sich fürs Gemeinwohl auch in der Politik engagiert, macht das nicht für schnöden Mammon. Soziale Anerkennung ist seine Währung. Doch die ist rar geworden.

Wir verwerfen ein ganzes Parteiprogramm oder ein Vertragswerk, weil auf Seite x unter Ziffer y eine Formulierung steht, die uns nicht passt. Offenbar sind wir von der Fülle guter Ideen und visionärer Entwürfe so reformmüde, dass wir es uns leisten, sie mit Grandezza vom Tisch zu fegen. Mehr noch: Wir kippen sie dem Anbieter wütend vor die Füße.

Allerdings haben Regelungswütige zu oft unnötig und störend in unseren Alltag eingegriffen. Illiberaler Aktionismus anstelle echter Problemlösungen. Ein Nährboden für Abwehr und Blockadehaltung. Wir müssen nun aufpassen, als Folge keine "blockierte Gesellschaft" herauszubilden. Nichts ginge mehr. Schon ein konstruktives "Schau'n wir mal!" wird als Schwäche empfunden. Wen wundert's, dass sich immer mehr Leute auf der Tribüne und immer weniger auf dem Spielfeld tummeln.

Irgendwas läuft schief bei der Imagepflege des Gemeinwesens durch seine Bürger. Wenn gute Konzepte schon in Gänze scheitern, bevor sie ihre Kinderkrankheiten ablegen konnten, traut sich niemand mehr, sie überhaupt anzubieten. Statt Diskurs und Ausgleich trennt man sich nur noch gegenseitig vom Ball.

Der Nachteil: Jahrhundertprojekte zerbröseln an Detailproblemen. Man geht nicht mehr "Seit' an Seit'", sondern trottet mit seiner Peergroup hintereinander in der einen Rille, die man gut und richtig findet. Man fühlt sich bedeutend, aber es wird schwierig, das Ziel nicht zu verfehlen - auch das eigene. Es ist Zeit, einen neuen Grundkonsens herauszuarbeiten. Kooperation statt Blockade. Im Kleinen wie im Großen. Johannes Rau nannte das mal: "Versöhnen statt spalten".

Der Autor:

Bodo Hombach ist Hochschullehrer und ehemaliger WAZ-Chef. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: „Versöhnen statt Spalten“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ausgerechnet Hombach konstatiert diesen Zustand und verweist auf zu einseitig liberalisierende Politik.
    Es hätte ihm gut angestanden mal die eigenen Positionen zu hinterfragen, statt immer auf die anderen zu verweisen. Denn damit macht er ja genau das, was er hier kritisiert. er erwartet das Entgegenkommen von den Anderen und ist damit Teil des Problems ohne dies zu akzeptieren.
    Spätestens seit der Ära Schmidt wissen wir, dass Umverteilung über den Staatshaushalt auf Dauer zum Staatsbankrott führt, trotzdem halten seine Parteifreunde daran fest.
    Man musste nicht allem folgen was bei der damaligen "Wende" an Liberalisierungen gefordert wurde, aber das erst vollständig zu blockieren un es dann in der Ära Schröder noch erheblich zu übertreffen und gleichzeitig zu dem politischen Gegner anzulasten ist kaum überzeugend.
    Und wieder blockiert vor allem die SPD alle Erleichterungen im Bundesrat und zwar jene, die nicht die Reichen betreffen sondern die Mitte der Gesellschaft.
    Der Hintergrund ist der, das die linken Parteien immer noch an der Umverteilung über den Staatshaushalt glauben, die längst gescheitert ist. Vielleicht wären die Wähler weniger frustriert, wenn diese Lebenslüge endlich aufgegeben würde, statt Feindbilder von den Reichen zu schüren.
    Der Traum von der Vollkaskogesellschaft ist ausgeträumt, ob wir das nun wahrhaben wollen oder nicht. Wenn wir nicht wie Griechenland enden wollen, müssen wir uns dem endlich stellen, dann würde auch die Opposition in ihrer Kritik an der Regierung glaubwürdiger.
    Man kann die Einkommensstruktur auch dadurch verbessern, das man Strukturen so vereinfacht, das Qualifikationen an Bedeutung verlieren, und somit eine größere Gleichverteilung der einkommen erzielen. Durch die Verkomplizierung der Gesellschaft und Arbeitswelt wird diese automatisch elitärer, das ist gar nicht zu verhindern. Das diese Komplexität nur eine Scheinwelt ist, die nicht wirklich Mehrwert schafft hat die junge Bundesrepublik bewiesen.

    H.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%