Der Werber-Rat
Vertrauen verspielt

Das jüngste Korruptionsbarometer zeigt einen dramatischen Vertrauensverlust in demokratische Institutionen und in die Medien. Die öffentliche Kommunikation braucht einen Neustart.
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Korruption ist ein Begriff, den wir bislang in Deutschland eher mit Bestechungsvorgängen in anderen Regionen der Welt in Verbindung brachten. Doch jetzt enthüllt die jüngste Umfrage der Antikorruptionsorganisation Transparency International eine dramatische Wende. Das Vertrauen in die Seriosität von wichtigen Institutionen der Demokratie in unserem Land scheint tief erschüttert. Auf einer Skala von eins (nicht korrupt) bis fünf (höchst korrupt) schneiden die Parteien in Deutschland mit einem Wert von 3,8 am schlechtesten ab. Das ist nicht weiter überraschend.

Dramatisch ist jedoch das schlechte Ansehen der Medien. Sie landen mit einem Wert von 3,6 auf dem dritten Platz der Institutionen, denen Deutsche am wenigsten vertrauen.

Schuld daran sind die Medien selbst. Undurchsichtige Gegengeschäfte, unverhohlene Schleichwerbung sowie Korruptionsfälle bei den öffentlich-rechtlichen Sendern wecken zu Recht Misstrauen. Hinzu kommt die zunehmende Boulevardisierung von Inhalten. Die privaten Sender kämpfen mit immer extremeren Trash-Formaten um die Zuschauergunst. Auch die Öffentlich-Rechtlichen bedienen sich zunehmend der „Geissens“ und „Cindys aus Marzahn“.

Einzig die Wochenzeitung „Die Zeit“ setzte sich vor einigen Monaten selbstkritisch mit ihrem eigenen Blick auf Wahrheit und die mitunter zwiespältige Position von Autoren auseinander. „Journalisten sprechen von der nötigen Zuspitzung. Sie meinen Dramatisierung. Jede Beschreibung ist nur ein Splitter der Realität, vielleicht sähe ein Zweiter im selben Moment etwas ganz anderes“, so Jörg Burer im „Zeit-Magazin“. Eine erfrischend ehrliche Sicht.

Nicht nur in den Medien, sondern in allen öffentlichen Organisationen braucht es offensichtlich einen Neuanfang in der Kommunikation und in der Auseinandersetzung mit der Welt.

Vertrauen basiert auf Transparenz und Ehrlichkeit. Die Ergebnisse des Korruptionsbarometers zeigen, dass Menschen ernst genommen werden wollen. Wir müssen der Krise den Geschmack der Katastrophe nehmen und Oberflächlichkeit und Banalisierung keinen Raum geben, damit Erkenntnis zu Veränderung führen kann.

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Uli Mayer-Johanssen
Uli Mayer-Johanssen
/ Kolumnistin

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Vertrauen verspielt"

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  • Wir müssen der Krise den Geschmack der Katastrophe nehmen und Oberflächlichkeit und Banalisierung keinen Raum geben, damit Erkenntnis zu Veränderung führen kann.

    Aber leider wird diese Krise in einer Katastrophe münden. Das könnte nur ein starker AfD ändern.
    Ich gehe von einer großen Koalition aus und Erkenntnisse werden verschwiegen und unterdrückt. Somit kann Erkenntnis auch nicht zur positiven Veränderungen führen.
    Schlechte Aussichten.
    Die ÖR haben sich durch Mutierung zum lienientreuen Staatsfunk und internem Klüngel schon seit langem geoutet.

    Schönen Abend noch.

  • Glaubwürdigkeit, das genau ist das Thema.

  • Vielleicht sollten Sie diesen Artikel den Redakteuren von HB-online vorlegen. Mit ihrer Berichterstattung oder besser Hetze gegen die AfD haben sich diese Damen und Herren selbst disqualifiziert

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