Der Werber-Rat
Viva l'Italia

An Italien lieben die Deutschen fast alles – außer den Fußball. Weil die Italiener bei großen Turnieren unser Angstgegner sind? Das wäre die halbe Wahrheit, denn die Deutschen reiben sich an ganz bestimmten Strategien.
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Italien, das Land deutscher Sehnsucht. Die Deutschen lieben die italienische Oper, das Essen und die Weine. Der wichtigste Handelspartner Italiens ist Deutschland. Und die großen internationalen Luxusmarken in der Mode- und Möbelindustrie kommen, na klar, aus Italien. „Made in Italy“ – das ist viel mehr als eine starke Marke. Dahinter steckt ein Lebensgefühl, das vor allem die Deutschen schätzen und lieben. Eines jedoch mögen wir überhaupt nicht an Italien: den Fußball!

Aber woran liegt das? Es wäre zu einfach, wenn man es allein daran festmacht, dass Deutschland zuletzt zweimal sang- und klanglos gegen die Squadra Azzurra ausgeschieden ist: Bei der Sommermärchen-WM 2006 mit 2:0 im Halbfinale und dann bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren, als Mario Balotelli erst zwei Tore schoss und dann auf dem Spielfeld seinen muskelbepackten Mister-Universum-Oberkörper entblößte. Das hat sicher nicht dazu beigetragen, Sympathiepunkte zu sammeln. Bescheidenheit ist nicht unbedingt ein Wesenszug der italienischen Fußballspieler.

Die Deutschen, jedenfalls die Fußballfans, reiben sich am Markenkern des italienischen Fußballs. Daran, wie die Squadra Azzurra aus den kleinsten Chancen das Maximale herausholt. Selten sieht man von der italienischen Nationalmannschaft eine Glanzleistung auf dem Platz. In den entscheidenden Momenten jedoch schlagen sie meist den Gegner, die Niederlage gegen Costa Rica am vergangenen Freitag ist da eine der wenigen Ausnahmen.

Wird der italienische Fußball nicht gemocht, weil er defensiv ist und sich auf Spielzerstörung fokussiert? Meine deutschen Kollegen sind sich einig: Dem Fußball aus Italien fehlen oft die offensiven, spielerischen Elemente, das Begeisternde und Überraschende, der leichtfüßige Angriff.

Der italienische Fußball ist zuallererst effizient. Warum fünf Tore schießen, wenn man mit einem Tor Vorsprung gewinnen kann? Das ist es wohl, was die Deutschen besonders stört - weil das Spiel ihrer Nationalmannschaft doch auch viele Jahrzehnte genauso angelegt war und deshalb so gefürchtet wurde. Es ist, als schauten die Deutschen bei ihrer Kritik am italienischen Fußball in den Spiegel der eigenen Vergangenheit.

Die Autorin ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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