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Der Werber-Rat
Vollgas ab 50

Seit der Erfindung der „werberelevanten Zielgruppe zwischen 29 und 49“ kursiert in der Branche eine „Kukident-Allergie“. Dabei haben die Menschen jenseits der 50 Zeit – und viel Geld.
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Facebook bekommt Falten. Während die Teens Richtung Twitter abschwirren, zieht die soziale Plattform über 55-Jährige an wie das Licht die Motten. Mit 28 Millionen tummeln sich mehr „Alte“ auf Facebook als in ganz Florida. Die Experten erkennen: Die Tage der Seite sind gezählt. Facebook wird uncool.

Falsch. Die Börse hätte diesen Alterssprung mit einem Feuerwerk feiern sollen. Diese neu gewonnenen Freunde sind die zahlungskräftigste Spezies, die Facebook-Chef Mark Zuckerberg je auf seine Seite gezogen hat.

Die gesamte Werbeindustrie leidet seit drei Jahrzehnten an der „Kukident-Allergie“. Helmut Thoma hat uns diesen Virus eingepflanzt. Um von der Diskussion über Schmuddelfernsehen abzulenken, entwickelte der damalige RTL-Chef die Nebelbombe „Werberelevante Zielgruppe zwischen 29 und 49 Jahre“. Damit stempelte er das ZDF zum Sender für Zahnersatzträger — und verbuchte jährlich über zwei Milliarden an Werbeeinnahmen.

Thoma nagelte der Werbewelt ein Schreckensbild ins Stammhirn. Salvador Dalis Satz: „Das größte Übel der heutigen Jugend besteht darin, dass man nicht mehr dazugehört“ wurde für Marken zum Horrorszenario. Seither ist ein Leben jenseits der 50 zielgruppentechnisch unvorstellbar.

Obwohl uns der gesunde Menschenverstand und alle Rechenmodelle eines Besseren belehren, sind wir in unserer „alten“ Vorstellung gefangen. Wir sehen Leute, deren Freizeitbeschäftigung „Spazierengehen“ und „Kreuzworträtsel lösen“ ist. In Wirklichkeit bringt heute der 50-Jährige sein Kind in die Kita, lässt sich ein Tattoo stechen oder beginnt mit dem Boxen. Brad Pitt und die dreifache Oma Nena sind im Klub.

Mit 50 haben wir die Hälfte unseres Erwachsenenlebens noch vor uns, die Taschen voller Geld und sind beruflich auf dem Zenit angekommen. Gleichzeitig ist die Erkenntnis gereift, dass unsere Zeit begrenzt ist und sich die Geschichte unseres Lebens bisher eher wie eine tägliche To-do-Liste liest. Kein Wunder, dass diese Zielgruppe beherzter in die Tasche greift als jede andere.

Deshalb: Schließen Sie die „Ü50“ ins Zentrum Ihrer Aufmerksamkeit. Es lohnt sich. Und wenn Sie am Wochenende Zeit haben, fragen Sie Ihre Kinder, wie man sich bei Facebook anmeldet.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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