Der Werber-Rat
Vorbilder statt Quoten

Wir brauchen mehr denn je Managerinnen, die langfristig Verantwortung übernehmen. Doch tatsächlich ziehen sich immer mehrqualifizierte Frauen auf traditionelle Rollenbilder zurück.
  • 0

Mehr Frauen in Aufsichtsräten und Führungspositionen! Diese Forderungen sind nicht neu. Unternehmen setzen sich ambitionierte Ziele, und die Bundesregierung hat sich zu einer gesetzlichen Quote ab 2016 durchgerungen.

Und was hat uns das alles gebracht? Die Männer sind genervt, während sich qualifizierte Frauen mehr denn je auf traditionelle Rollenbilder zurückziehen. Betreuungsgeld und Ehegattensplitting lassen es bereits vermuten, neue Studien belegen es: Traditionelle Rollenbilder finden heute mehr Zuspruch als in den 90er-Jahren.

Dass Frauen in Führungspositionen ein Garant für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg sind, ist längst durch Studien bewiesen. Und trotzdem ist der Anteil weiblicher Führungskräfte in Dax-Konzernen rückläufig. Viele Frauen, die es nach oben geschafft haben, ziehen sich wieder zurück. Marion Schick etwa verlässt ihren Vorstandsposten bei der Deutschen Telekom. Wie zuvor Regine Stachelhaus, die ihr Vorstandsmandat bei Eon im Juli 2013 nach nur drei Jahren abgegeben hat. Auch Barbara Kux hat sich bereits bei Siemens verabschiedet. Und Ende April hat der Continental-Aufsichtsrat entschieden, das Vorstandsmandat von Elke Strathmann nicht zu verlängern.

Sind es die Rahmenbedingungen in den Unternehmen, die Frauen ausbremsen? Steht die Härte einer Managementposition im Widerspruch zum sozialen Frauenbild unserer Gesellschaft?

Bisher sind es nur wenige Frauen, die das stereotype Frauenbild hinter sich lassen und traditionelle Denkmuster überwinden. Management aber braucht Diversifikation! Und für Unternehmen steht viel auf dem Spiel, wenn es ihnen nicht gelingt, dauerhaft Frauen im Management an sich zu binden.

Sicher: Soziale und gesellschaftliche Strukturen, die sich über Jahrhunderte gebildet haben, sind nicht von heute auf morgen veränderbar. Doch Frauen dürfen sich nicht aus der Verantwortung nehmen, sich langfristig in Spitzenpositionen durchzusetzen. Die Quote allein wird das Ungleichgewicht nicht nachhaltig verändern. Wir brauchen noch mehr Frauen wie Simone Menne, Claudia Nemat, Kathrin Menges oder Julia Jäkel. Denn wo Vorbilder existieren, wird es Nachahmerinnen geben.

Die Autorin:
Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Vorbilder statt Quoten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%