Der Werber-Rat
Warum der VfL Wolfsburg so ruhig blieb

Das Tauziehen um Kevin De Bruyne neigt sich dem Ende zu – der Wechsel des Belgiers wird immer konkreter. Den VfL Wolfsburg würde sein Abgang hart treffen. Doch der Vizemeister und Pokalsieger agiert besonnener denn je.
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Ein Thema, das die Fußballwelt seit Wochen beschäftigt hat, war Kevin De Bruyne. Der Mittelfeld-Star des VfL Wolfsburg ist begehrt. Jüngst kamen als Interessenten neben Manchester City noch Manchester United, der FC Bayern und Paris St. Germain dazu. In dem ganzen Tohuwabohu blieb eine Partei erstaunlich ruhig: der VfL selbst.

Dass es sich bei der Ablöse um eine Rekordsumme handelt, spielt sicher eine Rolle – vor allem in Hinsicht auf das Reglement Financial Fairplay, das neue Chancen eröffnet.

Spannender ist aber der Zeitpunkt, zu dem der VfL um den besten Spieler der Bundesliga-Saison 14/15 bangt. Im Pokal startet man als Titelverteidiger, in der Liga ist man als Bayern-Verfolger gesetzt und dann wartet auch noch die Champions League. Aus sportlicher Sicht scheint es keinen schlechteren Zeitpunkt zu geben.

Die Ruhe des VfL ist wohl in einer Sache begründet: das Vertrauen in ein System. Es gibt wenige Institutionen, die so abhängig von Individuen sind wie der Vereinssport. Auch in der Wirtschaft hängt die Leistung einer Firma oft von Einzelpersonen ab. Man denke an Steve Jobs, Elon Musk oder Bill Gates.

Dies birgt Chancen, aber auch Risiken. Mittelständer haben bis heute große Probleme, die Nachfolge zu regeln. Der VfL will aber größer sein als der Spieler. Dass dies in weiten Teilen möglich ist, hat Borussia Mönchengladbach gezeigt: Das Fohlen-System bleibt stets besonnen, trotz Abgängen wie Reus, Dante oder Kramer.

Wenn Ihr Unternehmen wirklich stark ist, dann muss es auf Sie verzichten können.

Gute Vereins- und Unternehmensführung zeichnen sich nicht nur durch ihre Leuchtfiguren aus, sondern durch eine klare Identität, Kultur und ein kollektives Bewusstsein für Ziel und Richtung. Es ist fast paradox: Große Marken leben von großen Persönlichkeiten. Großartige aber nicht.

Der Autor: Christoph Metzelder ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

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