Der Werber-Rat
Was der US-Sport besser kann

Im Mutterland des Kapitalismus sorgen planwirtschaftliche Strukturen für Spannung im Sport. Talente werden verteilt, damit Chancengleichheit entsteht. Die langweilige Bundesliga kann sich davon eine Scheibe abschneiden.

In den USA finden gerade Vorwahlen statt. Wer dort antreten will, braucht nicht nur gute Themen, sondern auch das nötige Kleingeld. Eine Kandidatur für das Präsidentenamt ist ohne horrendes Vermögen oder solvente Spender praktisch unmöglich. Solche Praxen passen zum Image der USA, einem Land, das als die Wiege des Kapitalismus gilt.

Kurioserweise gibt es aber eine Branche, die von diesen typischen Marktmechanismen ausgeschlossen ist: der amerikanische Sport. Natürlich benötigt man auch hier Geld, um einen Verein aufzubauen oder zu kaufen. Ein ausgeklügeltes Franchise-System schützt aber den Wettbewerb und gewährleistet neue Impulse durch sein Rotationsprinzip. Es gibt auch keinen Abstieg, was wiederum die Gefahr einer Negativspirale reduziert und gleichzeitig für maximale Planungs- und Einnahmesicherheit sorgt.

Für besondere Chancengleichheit sorgt aber vor allem das amerikanische „Draft-System“. Hier erhalten schwache Teams aus der Vorsaison ein Vorzugsrecht auf die allerbesten College-Talente. Das freie Spiel der Kräfte oder die „unsichtbare Hand“ wird damit außer Kraft gesetzt.

Das Resultat? In der Basketball-Liga NBA gab es seit 2000 sieben unterschiedliche Liga-Champions, in der Baseball-Liga MLB zehn und in der Football-Liga NFL sogar elf.

Die deutsche Fußball- und Handball-Bundesliga kommt im Vergleich jeweils auf fünf. Davon zehnmal der FC Bayern und zwölfmal der THW Kiel. Man muss nicht Adam Smith gelesen haben, um zu sehen, dass Spannung anders aussieht. Jedes Jahr die gleichen Meisterschaftskandidaten und eine immer größer werdende Schere zwischen Klein und Groß? Nicht in den USA. Kein Wunder, dass dort jede Liga auf ihre Weise stark ist. Unglaublich, aber wahr: Im US-Sport herrscht Planwirtschaft! Wenn das Donald Trump wüsste.

Der Autor: Christoph Metzelder ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports.

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