Der Werber-Rat
Weibliches trojanisches Pferd

Frauen in der Wirtschaft können eine Menge von ihren politischen Schwestern lernen. Nutzen Sie Ihre ganze Persönlichkeit, um wirkungsvoll im Sinne des Unternehmens zu agieren!
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Der jährliche Weltfrauentag war ein Tag großer Ernüchterung. Nur im Vatikan ist die Frauenquote geringer als im Dax. Wen haben die Förderprogramme der letzten Jahre eigentlich befördert - und wohin? Deutschlands Vorstandsetagen haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem der „Mehdorn’schen“ Art.

Während Frauen in der Wirtschaft meist zum Bodenpersonal zählen, sitzen sie in der Politik längst im Cockpit. Die Einstellung macht den Unterschied. Managerinnen wollen durch Können glänzen, Politikerinnen wollen gewählt werden. In der Wirtschaft sind geschlechtsspezifische Vorzüge ewiger Vorwurf, in der Politik dreifacher Wettbewerbsvorteil.

Erstens, der Memory-Effekt. In der Männerwelt der dunklen Anzüge garantiert ein bonbonfarbener Blazer auf jedem Gipfelfoto höchste Sichtbarkeit und unübersehbare Präsenz. Schon visuell stellt der erste weibliche CEO der Deutschland AG männliche Arbeitskollegen Tag für Tag in den Schatten. Während Anzugträger in der dunklen Masse verschwinden, garantiert die weibliche Farbnote Erkennbarkeit auf den ersten Blick. Wo wir auch hinsehen, Angela Merkel ist überall.

Zweitens, der Goliath-Reflex. Wer einen Kopf kleiner und ein paar Gewichtsklassen leichter ist, wird gern unterschätzt. Ein dankbarer Reflex. Während sich Goliath noch in Sicherheit wiegt, wird er bereits von unerwarteter Durchsetzungskraft getroffen und auf die Bretter geschickt. Konfektionsgröße 36 als weibliche Version des trojanischen Pferdes.

Drittens, der Attraktivitätsbonus. Der englische Premier David Cameron scherzte einst, „politics is showbusiness for ugly people“. Man ist versucht, ihm zu glauben. Wenn wir im Herbst den CEO-Posten für Europa neu besetzen, wird es für Martin Schulz von Natur aus schwer, gegen die weltgewandte Christine Lagarde eine gute Figur zu machen. Denn die Person an der Spitze "verkörpert" immer auch die Organisation. Mit ihrer Ausstrahlung steigt die Attraktivität des Unternehmens.

Die Wirtschaftlerinnen können eine Menge von ihren politischen Schwestern lernen. Nutzen Sie ihre ganze Persönlichkeit, um wirkungsvoll im Sinne des Unternehmens zu agieren. Der Weg an die Unternehmensspitze beginnt im Kopf und mit einer Haltung. Ginger Rogers beschrieb sie so: „Ich kann alles, was Fred Astaire kann - nur rückwärts und auf Stöckelschuhen.“

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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