Der Werber-Rat
Werbemärkte kann man sich kaufen

Was kostet die Welt? Martin Sorrell, Chef des größten Werbekonzerns WPP, kauft die Digitalagentur AKQA. Ein begehrtes Beutestück.
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Das globale Wettrüsten der drei großen Werbekonzerne WPP, Omnicom und Publicis ist in vollem Gange. Es geht um neue Kunden, neue Märkte und die richtige Aufstellung für die Zukunft - auch wenn niemand weiß, wie diese aussieht.

Sir Martin Sorrell, der WPP-Chef, ist dabei der Kauffreudigste. Seine neueste Errungenschaft ist AKQA, eine 1100 Mann starke Firma, die auf Onlinewerbung spezialisiert ist - mit hoher kreativer Reputation. Die Digitalagentur dürfte nicht gerade ein Schnäppchen gewesen sein, sie wurde mehrfach zur Agentur des Jahres gekürt - und das kostet.

In der Welt der Kommunikation sind die Märkte Europa und Amerika verteilt, China ist das Pilgerzentrum der Zukunft. Digital klingt sexy und gilt als „must have“ der kommenden Jahre. Folglich sind Digitalagenturen mit internationaler Strahlkraft, wie AKQA, besonders begehrt.

Sorrell geht es um Märkte und Kunden. Beides kann man sich kaufen. Als WPP 2005 Grey für eine Milliarde Dollar erwarb, flog Sorrell auf Wunsch der Agentur ein und begrüßte die neuen Mitarbeiter mit folgenden Worten: „My name is Martin Sorrell and you probably want to know why we bought you. Two reasons: Procter and Nokia.“ Er redet nicht drum herum, dass es ihm nur um die beiden Hauptkunden ging.

Der Finanzmann liebt Zahlen, und die Liste seiner 2500 Agenturen in 108 Ländern spricht eine klare Sprache: Mit der Kreativität steigt die Profitabilität. Mitarbeiter müssen nicht durch dicke Gehälter gebunden werden, die Bewerbungskiste ist prall gefüllt und die Neugeschäftswelle schwappt von selbst ins Haus. Deshalb macht die Akquisition Sinn. Die Gefahr, dass die massige WPP-Organisation AKQAs Kreativität erstickt, ist gering - wer schneidet sich schon ins eigene Profitfleisch?

Größe ist gefragt. Wer den Umsatz sicher hat, kann für Profit sorgen. Mit dieser Denke hat der Finanzmann in 25 Jahren den größten Kommunikationskonzern der Welt geschmiedet. WPP dominiert mit 158.000 Mitarbeitern und zehn Milliarden Pfund Umsatz auch die Werbewelt in Deutschland - mit Firmen wie Scholz & Friends, Grey, Ogilvy, Mediacom oder TNS Infratest.

Einst fragte ihn Michael Conrad, kreativer Kopf der gleichnamigen Agentur: „Was ist falsch gelaufen, dass jemand wie Sie an uns vorbeizieht?“ Sorrell antwortete: „You care too much about the work. I care more about the numbers“. Think different in seiner schnörkellosesten Form.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Werbemärkte kann man sich kaufen"

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  • Ach, der Sir Martin. Er ist halt mit Einkaufswagen reich geworden und kann nicht mehr mit dem Einkaufen aufhören. Eine Figur wie aus einem Flaubert-Roman, die klassische hohle Nuss, die eine Riesenkarriere macht, weil sie leer ist.

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