Der Werber-Rat
Werbung für die Krone

Der Hype um den neuen britischen Thronfolger geht auf Prinzessin Diana zurück. Seitdem müssen sich alle Königshäuser in Europa daran messen lassen, wie nahbar und menschlich sie in der Öffentlichkeit erscheinen.
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Die Geburt des neuen britischen Thronfolgers sorgt für enorme mediale Aufmerksamkeit. Zwar sind auch kleine Prinzen und Prinzessinnen anderer Königshäuser oft Objekte der Berichterstattung. Aber das Royal Baby aus Großbritannien schlägt sie wohl alle.

Wie lässt sich der Hype um Kates und Williams Baby erklären? Er begründet sich aus der Tradition Dianas. Sie war zu Lebzeiten die meistfotografierte Frau. Ihre Beisetzung wurde zum größten jemals da gewesenen Medienereignis. Diana ‚rebellierte‘ gegen die Traditionen der Monarchie, war die erste nahbare und menschliche Prinzessin. Sie machte ihre Verletzlichkeit öffentlich. Dazu gehörten Bulimie, Cellulitis, aber auch die Affäre mit ihrem Reitlehrer.

Die Queen war ‚not amused‘. Als Diana das Königshaus verließ, war sie zwar nicht mehr Prinzess of Wales, aber sie avancierte zur Königin der Herzen. Seit Diana müssen sich alle Königshäuser daran messen lassen, wie nahbar sie erscheinen. Sie müssen beweisen, dass sie ähnliche Sorgen haben wie Normalsterbliche.

Jede neue Prinzessin wird auch heute noch mit Diana verglichen. „Ist das die neue Diana?“, ist eine Medienstandardfrage. Sie ist der Maßstab für eine perfekte Prinzessin wegen ihrer Unperfektheit.

Kate kommt vielleicht am nächsten an sie heran. Sie scheut sich nicht, die Medien ähnlich geschickt für sich einzusetzen. Bei der ersten Präsentation des Babys in der Öffentlichkeit wählt Kate ein Kleid ähnlich dem Dianas bei der Geburt von William. Möglicherweise fehlt ihr nur noch eine Art ‚Schicksalsschlag‘, um sie endgültig zur Nachfolgerin aufsteigen zu lassen. Den wünscht ihr natürlich niemand. Aber immerhin gibt es nun etwas Unperfektes in ihrem Leben: Das Baby ist nur ein Junge und keine kleine Diana!

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

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