Der Werber-Rat
Wie viel Persönlichkeit braucht ein Manager?

In vielen Unternehmen gilt Individualität als Sand im Getriebe. Dabei gehört zum Können unbedingt auch der Charakter. Er zeigt sich zum Beispiel bei der Auswahl des Dienstwagens.
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Man kann nicht nicht kommunizieren, denkt der große Paul Watzlawik. Die Führungselite deutscher Konzerne ist jedoch fest vom Gegenteil überzeugt und predigt asketische Zurückhaltung. Das Middelhoff' sche Drängen ins Licht ist ihnen wesensfremd. Die Bühne ist was für Zauberkünstler und Schlagersänger. Ein Spitzenmanager agiert im Hintergrund. Der "hidden champion" als Wappentier der wirtschaftlichen Elite. Mangelnde Bekanntheit wird als Charakterstärke interpretiert. Die wachsende Austauschbarkeit des Spitzenpersonals als Dienst am Unternehmen.

Die Persönlichkeit des Managers bekommt am Arbeitsplatz keinen Meter Entfaltungsraum. Ein kostspieliger Denkfehler. Der Mitarbeiter will wissen, mit wem er es zu tun hat. Menschen vertrauen Menschen, keinen Visitenkarten. Die nackte Macht des Amtes arbeitet nicht mehr. Der kleine, aber menschliche Unterschied zwischen Funktionsträger und Führungspersönlichkeit ist heute Gold wert. Dass zum Können der Charakter kommt, ist in Zeiten globaler Vertrauenskrisen eine Grundvoraussetzung, um Menschen und Unternehmen wirkungsvoll zu führen.

Doch die Unternehmensrealität macht es Managern schwer. Da gilt Individualität als Sand im Getriebe der Unternehmensmaschinerie. Corporate Rules zementieren dieses Glaubensmodell. Zur Sicherheit schreibt man alles fest und vor. Das hält die Egos im Zaum und das Fuhrparkmanagement effizient.

Durch Individualität wird der Firmenwagen zum rollenden Statement. Karl Lagerfeld bevorzugt den Rolls Royce, Trigema-Chef Grupp leistet sich nicht nur einen Hummer, sondern auch noch einen Hubschrauber, René Obermann den BMW 530d und Claus Hipp das T-Modell von Mercedes. Allein die Vorstellung treibt den Hütern des Corporate Spirit den Schweiß auf die Stirn. Probieren Sie es mal aus.

Was passiert, wenn ein designierter Vorstand beschließt, die Ingolstädter Limousine gegen einen VW Caravelle zu wechseln? Aus familiären und sportlichen Gründen. Sekunden später gehen im Konzern die Alarmglocken an. Man wird Ihnen erklären, dass die Corporate Policy diese Möglichkeit nicht vorsieht. Der Aufsichtsrat wird sich einschalten und für Einheitlichkeit im Führungsgremium plädieren. Nur um Sie nicht schon vor Vertragsbeginn wieder zu verlieren, wird man Wochen später zähneknirschend zustimmen.

Am ersten Arbeitstag sind Sie und Ihr Firmenwagen bereits im ganzen Unternehmen bekannt. Die Mitarbeiter werden Sie mit anderen Augen sehen. In diesem Fall – den Vorstand. Er ist eine Frau.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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