Der Werber-Rat
Winterspiele 2030 in Nordkorea?

Von Barack Obama bis Joachim Gauck - bei den olympischen Winterspielen in Sotschi fehlen Politiker aus vielen Ländern. Die Sponsoren hingegen sind alle da. Das könnte zu Imageproblemen führen.
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Olympische Spiele in Sotschi, Fußballturniere in der Ukraine, in Russland und Katar - immer wieder finden Sportgroßereignisse in Ländern statt, in denen man es mit den Menschenrechten nicht so genau nimmt. Mit viel gutem Willen könnte man behaupten, dass die Vergabe in diese Länder die Probleme erst richtig sichtbar mache und deshalb einen Sinn habe. Wäre ohne die Spiele in Sotschi so breit über Menschenrechte in Russland diskutiert worden? Wüssten die Menschen ohne den Bau der WM-Stadien von den miserablen Arbeitsbedingungen für Wanderarbeiter in Katar?

Doch das ist wohl zu kurz gesprungen. Solche Events bieten den Ländern vielmehr eine Bühne, sich im besten Licht zu zeigen. Aserbaidschan? Gar nicht so schlimm, war doch richtig nett beim Eurovision Songcontest. Mit der Vergabe der Spiele nach Sotschi scheint nun eine Grenze überschritten worden zu sein.

Eine Welle der Kritik und des Protests breitet sich aus. Hochrangige Politiker wenden sich ab, Stars wie Madonna kündigen Gay-Rights-Aktionen während der Spiele an, Sportler wie Felix Neureuther fordern, dass die Vergabe sich nicht danach richten solle, "wo am meisten gezahlt wird. Der Sport soll im Vordergrund stehen, nicht der Kommerz".

Nun ist es aber gerade der Kommerz, die Aussicht, neue Märkte zu erschließen, die Coca-Cola, McDonald’s Co. zu Sponsoren werden lässt. Doch erstmals scheint es, als könne sich so ein Engagement kontraproduktiv auswirken. Coca-Cola sah sich genötigt, sein Engagement in einer Pressemitteilung zu verteidigen und zu betonen, dass das Unternehmen für Gleichheit, Freiheit und Toleranz einstehe. Ob das noch jemand glaubt, wenn unter der VIP-Loge von Wladimir Putin ein "Enjoy the games with Coke"-Banner hängt, wird sich zeigen.

Die mit 50 Milliarden Dollar teuersten Olympischen Spiele aller Zeiten könnten also auch die Sponsoren teuer zu stehen kommen: Sie erleben erstmals Proteste und müssen gewisse Imageschäden fürchten. Werden sie daraus ihre Konsequenzen ziehen? Wenn die Werbemilliarden ausbleiben, werden IOC und Fifa ihre Vergabepraktiken eventuell ändern. Ansonsten sind die Olympischen Spiele in Nordkorea vielleicht nur eine Frage der Zeit.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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