Der Werber-Rat
Wo bleibt das Bedauern?

Krise als Chance? Nein, denn der arrogante Verein ADAC nutzt das Kundenmagazin „Motorwelt“, um das eigene Ego erneut in den Mittelpunkt zu stellen. Das allein ist fast schon ein Skandal.
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Den ADAC-Mitgliedern flatterte in den vergangenen Tagen das neue Kundenmagazin ins Haus. Der Titel: „Krise als Chance“. Auch für treue Mitglieder dürfte diese Headline einigermaßen irritierend sein. Denn die Selbstdarstellung des ADAC im hauseigenen Blatt versprüht immer noch viel zu viel Arroganz.

Eine Haltung, die dem ehemals beliebtesten Klub Deutschlands nicht gut zu Gesicht steht. Viele Menschen erwarten, dass der ADAC Stellung nimmt. Und zwar nicht nur gegenüber der Presse, sondern vor allem gegenüber seinen Mitgliedern. Die Kommunikation des ADAC ist jedoch extrem problematisch.

Als Kundenmagazin sollte die „ADAC Motorwelt“ ohnehin immer einen Mehrwert für den Leser haben, einen informativen und einen emotionalen. Reine Selbstdarstellungen sind schon ohne Skandale kritisch. Gerade jetzt jedoch ein zentrales Kundenkommunikationsmittel zu nutzen, um das eigene Ego erneut in den Mittelpunkt zu stellen, ist beinahe schon wieder selbst ein Skandal.

Nicht nur, dass Mitglieder keinerlei Nutzen aus dem aktuellen Titel ziehen können, es fehlt auch ein entscheidender kommunikativer Zwischenschritt. Vor der Darstellung einer „Krise als Chance“, steht das Eingestehen und Bedauern der Fehler. Und eine Entschuldigung! Diese gehört zu den einfachsten und schon von Kindern zu erlernenden Regeln, wenn man jemanden verletzt hat.

Es wäre ein Leichtes gewesen, das Magazin oder besser noch ein separates Schreiben für eine solche Entschuldigung zu nutzen. Ein wirkliches Bedauern aber lässt sich aus den derzeitigen Auftritten des ADAC nicht ableiten. Auch bei fehlender Einsichtigkeit wäre es jedoch die bessere Kommunikationsstrategie gewesen, sich demütig und reuig zu zeigen.

Statt weiterhin arrogant zu agieren, ist dem ADAC zu einer weiteren, diesmal sinnvollen „Manipulation“ zu raten: Ein „Entschuldigungs-Fake“. Einige Psychologen behaupten nämlich, dass schon durch das Spielen von Gefühlen wie Demut und Reue ein echtes Empfinden ausgelöst werden kann. Auch Kinder sehen anfangs nicht ein, dass es richtig ist, sich zu entschuldigen. Sie tun es widerwillig. Für den ADAC wäre es ein kluger Haltungswechsel, sich selbst in den Staub seiner sonst so geliebten Straßen zu werfen.

Die Autorin ist eine von fünf Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

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