Der Werber-Rat
Zurück zur freien Rede

Ob Powerpoint oder Prezi: Oft überlagert heute die Technik den Inhalt der Präsentation. Dem Ergebnis hilft das nicht. Im Gegenteil – es ist erstaunlich, wie oft selbst Kommunikationsprofis an Präsentationen scheitern.
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DüsseldorfDie Charts sind so vollgeschrieben, dass selbst die Brillenträger unter den Zuhörern Mühe haben, irgendwas zu erkennen. Die Textwüste an der Wand führt nach wenigen Minuten zu massivem Aufmerksamkeitsverlust, was aber nichts macht, weil sich der Präsentierende gerade selbst schwitzend in seinen Folien verheddert. Gut, dass das Auditorium mittlerweile heimlich Mails checkt und SMS schreibt - und nicht mehr mitbekommt, wie er mit dem Rücken zum Publikum gegen die Wand anredet, in der Hoffnung, den Faden wiederzufinden.

Es ist erstaunlich, wie oft es selbst Kommunikationsprofis nicht gelingt, Ideen, an denen Heerscharen von Menschen wochenlang gearbeitet haben, packend zu präsentieren. Nun ist nicht jeder die geborene Rampensau. Sich deshalb auf Powerpoint zu verlassen, um sicher durch die Präsentation zu kommen, ist aber ein tödlicher Einfall. Blindes Vertrauen in die Charts - ganz gleich, wie gut sie aufbereitet sind - hält einen davon ab, Inhalte zu verinnerlichen.

Wer jeden Gedanken vom Chart abliest, kann weder überzeugen noch begeistern. Manche behaupten, Programme wie Keynote und Prezi würden Powerpoint um Längen schlagen. Das stimmt zum Teil. Man kann zoomen, alles ist herrlich bunt und animiert. Doch auch ein derartiger Budenzauber macht aus einem uninspirierten Präsentator keinen Steve Ballmer.

Das Problem beginnt schon in der Schule. Statt Referate frei vorzutragen, lernen Schüler, ihre Referate per Powerpoint am Whiteboard zu halten. Es wäre an der Zeit für eine Renaissance der freien Rede. Wer frei redet, weiß genau, wovon er spricht. Wer frei redet, muss sein Thema verinnerlicht haben. Wer frei redet, folgt einem inneren Plan, auf dem er sich auch bei thematischen Ausflügen, Nebenbemerkungen, Nachfragen und Unterbrechungen zurechtfindet.

Ganz gleich, ob Präsentatoren in Debattierklubs geschult werden oder in Präsentationsseminaren - je weniger sie das Gefühl haben, sich hinter Präsentationstechnik verstecken zu müssen, desto besser für die Präsentation, die Stimmung und schließlich auch für das Ergebnis. Als vor ein paar Wochen iranische Diplomaten vor Uno-Delegierten eine Präsentation zur Lösung des Atomkonflikts hielten, titelte ein Magazin: „Iran überrascht mit Powerpoint-Lösung.” Das ist in sich falsch: Powerpoint ist nie eine Lösung.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Zurück zur freien Rede"

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  • Lieber Herr Kolle, Sie haben ja so recht! Folgt man dem Rhetorikbegriff nach Aristoteles, überzeugt der gute Redner mit einem einwandfreien Charakter und lauteren Absichten (Ethos), berührt das Auditorium emotional (Pathos) und argumentiert schlüssig (Logos). Die Grundfrage aber lautet "WARUM?" Warum soll dieser Vortrag überhaupt gehalten werden? Und warum bin ICH der richtige für diesen Vortrag? Die wenigsten setzen sich bei der Vorbereitung eines Vortrages oder einer Präsentation mit diesen Fragen auseinander. Simon Sinek beschreibt in einem wunderbaren Vortrag über das Prinzip des "Goldenen Kreises" gehalten (http://www.ted.com/talks/simon_sinek_how_great_leaders_inspire_action.html) das Geheimnis der Erfolges erfolgreicher Führungskräfte. Es ist einfach auf die Rhetorik und die Vortragstechnik zu übertragen. Und wer schließlich auch für spontane freie Reden seine Agenda/Gliederung immer dabei haben und quasi aus dem Handgelenk schütteln können möchte, verlässt sich auf die 2-5-1-Finger Technik. Mehr dazu gibt es hier: http://www.akademie.business-navigatoren.de/blog/. Beste Grüße Raimund Milz

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