Kolumne Werber-Rat
Meisners Botschaften

Kardinal Meisner avancierte im Laufe seiner Amtszeit zur katholischen Werbeikone. Seine provokanten Sätze sorgen für Aufmerksamkeit und das ist in Zeiten des sinkenden Interesses an Kirche generell ein Wert für sich.
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Bevor Kardinal Meisner sich aus seinem Amt verabschiedet, hat er noch mal einen seiner berühmt-berüchtigten Kommentare rausgelassen. Eine Familie der konservativen Glaubensgemeinschaft „Neokatechumenaler Weg“ sei ihm lieber als fünf muslimische Familien.

Freilich rudert der Kölner Erzbischof nach empörten Aufschreien der Politik und der muslimischen Verbände zurück und beschreibt seine Wortwahl – wohlgemerkt nur diese! – als unglücklich. Aber die Botschaft bleibt: Auch wenn man als christlicher Kardinal letztlich nichts gegen muslimische Familien haben darf (unchristlich), gilt es doch, christliche Werte durch möglichst viele und möglichste große christliche Familien zu „retten“. Weil sie eben „besser“ sind. Das muss ein christlicher Kardinal eigentlich so sehen, will er glaubhaft eine Führungsposition in dem Unternehmen Kirche bekleiden. Von anderen Führungskräften in der Wirtschaft wird ebenfalls erwartet, dass sie an einen klaren Mehrwert des eigenen Produktes glauben.

Bedenklich ist aber, wie die vermittelten Werte auf die derzeit auch anderweitig geschürten Befürchtungen der Deutschen treffen. Kardinal Meisner greift die neu erstarkte Grundangst vor Überfremdung auf und spielt sehr konservativen Haltungen rund um Familien- und Zuwanderungspolitik zu.

Oftmals wirken die „Slogans“" in Meisners „Werbeauftritten“ naiv oder gar unüberlegt. Gerade darin liegt das Geheimnis. Weil niemand an die Ernsthaftigkeit der Aussagen glaubt, wird die Ernsthaftigkeit der Wirkung unterschätzt. Denn aus werbepsychologischer Sicht sind die Botschaften optimal vermittelt. Den gewünschten „Gehorsam“ in der Kirche begründet er beispielsweise damit, dass Menschen schließlich zwei Ohren und nur einen Mund hätten. Das vermittelt klare hierarchische Werte und liefert den Gott-gegebenen „Reason to believe“ (Marketingfachbegriff für glaubwürdige Begründung einer Botschaft) gleich mit.

Werbetexter könnten durchaus blass werden, ob der pointierten, zuweilen komischen Kommentare. Bleibt zu hoffen, dass Papst Franziskus bald ähnlich begabte Werbeikonen für seine moderate Image-Umpositionierung der Kirche findet und somit einmal Botschaften ohne verdächtige Nähe zu fremdenfeindlichen Ressentiments verbreitet werden.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

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