Werber-Rat
Facebook beeinflusst die Kultur

Der Wert der Facebook- Aktie hat sich seit Juli verdoppelt. Auch wer die Aktie nicht im Depot hat, die Plattform nicht benutzt, kann nicht verhindern, dass Facebook unsere Kultur und Werte verändert.
  • 0

DüsseldorfFacebook beeinflusst die Werte, auch die derjenigen, die sich nicht auf der Plattform bewegen. Vergleichbar ist das mit dem Wandel in den 80er-Jahren, als sogar in Studentenkreisen noch ernsthaft diskutiert wurde, ob der PC sich wirklich gegen die Schreibmaschine durchsetzt.

Facebook spiegelt unsere Kultur. Facebook bedient zum einen den Profilierungs- und Individualisierungstrend. Die Profile sind Bühnen für witzige oder anrührende Postings, mit denen sich gegenseitig übertrumpft werden soll. Anzahl von Freunden und "Likes" sind Maßstab für Akzeptanz und Bedeutung.

Wäre Facebook aber eine reine Egonummer, würde dies am Zeitgeist vorbeigehen. Facebook ist auch Projektionsfläche für die Sehnsucht nach Gemeinschaft und wahren Werten. Die Community schafft ebenso Kontakte. Durch "Teilen" wird man Teil der Gemeinschaft, durch "Liken" beeinflusst man das Wertesystem. Facebook schafft Raum für Solidarisierungen und freiheitliches Gemeinschaftsgefühl manchmal mit anarchistischen Zügen.

Eng damit verbunden ist aber auch der zunehmende Moralisierungs- und Kontrolltrend mit vielfältigen Ausprägungen in unserer Kultur. Rauch- und Werbeverbote sind salonfähig. Niemand wehrt sich gegen Scanner am Flughafen.

Die Sehnsucht nach Gemeinschaft und Kontrolle ist so stark, dass Plattformen wie Facebook widerspruchlos undurchsichtige Regelwerke setzen können. Facebook ist ein heimlicher Diktator, der Nutzungsbedingungen einfach ändert, offen zum Denunziantentum aufruft und selbst harmlose Formulierungen wie zum Beispiel "Blümchensex" zensiert.

Facebook etabliert ein Werte- und Kommunikationssystem zwischen Anarchie und Diktatur: maximale Freiheit innerhalb eines willkürlichen Kontrollsystems. An diesem kulturellen Wandel können Marken und Unternehmen nicht vorbei. Es gibt kein Zurück ins Zeitalter der Schreibmaschine - und keines in das Zeitalter vor Facebook.

Die Autorin: Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

Kommentare zu " Werber-Rat: Facebook beeinflusst die Kultur"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%