Werber-Rat

Ungehobelte Vielflieger

Wer auf Geschäftsreisen genau hinhört, erfährt mehr Betriebsinterna, als die NSA je digital ausspionieren kann. Dabei gehören Verschwiegenheit und gutes Benehmen auf Platz eins einer guten Firmen-CI.
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In der Bahn und im Flugzeug werden auf engem Raum gerne Betriebsinterna laut ausgeplaudert. Quelle: dpa

In der Bahn und im Flugzeug werden auf engem Raum gerne Betriebsinterna laut ausgeplaudert.

(Foto: dpa)

„Na ja, dann müssen wir uns halt von der Wenzlawski trennen, das nützt ja nichts.“ Eine harte Ansage, die der Klinikleiter da macht. Und der ganze Großraumwagen hört mit. Wer fast täglich mit Bahn und Flugzeug unterwegs ist, kennt das. Viele Geschäftsleute sind nicht nur mit dem ICE von A nach B unterwegs, sondern auch mit selbigem durch die Kinderstube gebrettert. In Meetings ist ihr Benehmen noch akkurat. Doch außerhalb der Geschäftsbeziehung verwandeln sie sich in verzogene Autisten. Vordrängeln, die Unkenntnis des Wortes „Entschuldigung“ und Streit um zurückgeklappte Rückenlehnen sind da noch die kleineren Probleme.

Viel gravierender ist, wie oft unterwegs Betriebsgeheimnisse gedankenlos öffentlich gemacht werden. Vertriebsleute, die sich von 9C zu 9D lautstark über Projekte unterhalten. Banker, die sich am Gate über Kunden lustig machen - ungeachtet der Tatsache, dass immer jemand da ist, der jemanden kennt, den es betrifft. Und etliche Businessleute, die von Start bis Landung in ihren Laptop schauen und mindestens einen Nebenmann in alle Betriebsgeheimnisse einweihen.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Stefan Kolle ist Geschäftsführer der Agentur Kolle Rebbe.

Woher kommt dieser Mangel an Distanz, Takt und Verschwiegenheit? Liegt es daran, dass Vielreisende das Gefühl haben, das Flugzeug und der Großraumwagen seien mittlerweile ihr Wohnzimmer? Da zieht sich das Benehmen schon mal die Jogginghose an und legt die Füße auf den Tisch.

Doch Hilfe naht. Und zwar aus dem Land der neuen Reiseweltmeister, aus China. Dort arbeitet man derzeit am „Kompass für das zivilisierte Reisen“. Die chinesische Regierung ist besorgt über das Bild, das ihre reisenden Landsleute im Ausland abgeben. „Keine Kinderstube“, „unterhalten sich lärmend“, „können nicht Schlange stehen“ - das kennt man auch vom Frühflieger nach Frankfurt. Chinas Regierung fürchtet, dass ungehobelte Chinesen im Ausland den Ruf des Landes unterminieren. Eine Erkenntnis, die in jedem Corporate-Identity-Guide auf Seite eins stehen muss: Mitarbeiter sind die Visitenkarte ihres Unternehmens. Behalten wir also nicht nur die Geheimhaltungspflicht im Kopf, wenn wir in den Flieger steigen, sondern auch die chinesischen Benimmregeln. Am besten schon gleich morgen früh. Wir sehen uns.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Mitinhaber und Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe, Hamburg.

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7 Kommentare zu "Werber-Rat: Ungehobelte Vielflieger"

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  • Hach, Provinzlein. Der ist gut. Nja vor 25 Jahren kannte der Westen China so gut wie gar. Neckermann und Co. flog noch nicht massenhaft Touristen nach China. Nun stellen Sie das einmal vor, wenn sie können. Es gab so gut wie keine deutschen Firmen in China. Nur ein bisschen VW.
    Davon abgesehen, ch arbeite nur sehr, sehr ungern in islamischen Staaten, am besten überhaupt nicht, und bei den Saudis sowie so nicht. Das können Sie ja als moderner Weltenversteher ja machen.

  • Alle die sich über ungehobelte Vielflieger aufregen möchten, es geht schlimmer.

    Chinese tourists warned not to pick noses or urinate in public

    "..... advising Chinese nationals not to pick their noses in public, urinate in pools or steal airplane life jackets...."

    "...In May, a mainland Chinese woman who let her son relieve himself in a bottle in a crowded Hong Kong restaurant sparked an outpour of anger. Plus, there was outrage when a 15 year-old tourist from Nanjing recently carved his name into an ancient temple in Luxor, Egypt...."

    http://www.cnbc.com/id/101079864

  • Sie schreiben ja fast wie ein ganz und gar polyglott veranlagt wirken wollendes Provinzlein.
    Was man nur mit Ihnen anfangen sollte, würden Sie in arabischen Ländern eingesetzt werden?
    Man sollte als Gast schon die landesüblichen Sitten kennen, bevor man duetscher kleiner Mann ganz gernegroß geben will.

  • Doch eher Randerscheinungen: ab und zu mal ein Wichtigtuer tut doch ganz gut: dann kann man sich umso feiner empfinden.
    Und wieviele öffentlich sich Wohlerzogen gebende sich in Meetings als Pottschweine der Xtraklasse mit übelsten Proletenmanieren geben, dagegen fällt das doch eher weniger ins Gewicht.
    Und wer da Manieren zeigt, wird mit Augenzwinkern anderer Meetingteilnehmer gerne als Schwuchtel bezeichnet.

    Umgangsformen meint: sich öffentlich unauffällig bewegen zu können.

    Und wer neben mir im Flieger seine Sekretärin zusammenscheißt mit dem werde ich, und sei es noch so entscheidungsrelevant, nicht reden - was hätte man von so einer Quacktasche auch zu erwarten?.
    So war es bislang und so sei es fürderhin.

  • Da hätten sie China mal vor 20 -25 Jahren erleben sollen. Ein fetter, befreiender Rülpser während es Essen war gar nix. Tiefe Bewunderung rief auch jedes Mal die Treffsicherheit beim Weitspucken hervor.
    Da sind die doch heute richtig umgänglich.

  • @tabuNAIV...

    Herr Kolle hat völlig Recht. Ich erlebe das auch ständig.
    Und weghören geht leider nicht immer bei der Lautstärke mit der sich einige unterhalten bzw. meist telefonieren.

  • mensch herr kolle,gute kinderstube ist .....weghören...

    aber dazu hats bei ihnen nicht gereicht .

    sie machen daraus ein geschäft und verkaufen es an die zeitung.

    drei finger zeigen auf sie zurück

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