Werber-Rat
Werbung für den Mann im Peer

Der Mittelfinger von Peer Steinbrück hat Leben in den müden Wahlkampf gebracht. Keine andere Botschaft von ihm hat in so kurzer Zeit, so große Aufmerksamkeit erregt und so gegensätzliche Beurteilungen erfahren.
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Völlig unabhängig davon, ob strategisch geplant oder eines der ‚ungewollten‘ Fettnäpfchen, ist das Foto von Herrn Steinbrück ein Werbemittel. Und die Wirkung eines Werbemittels entfaltet sich nicht durch die mitgelieferte Intention. Das heißt, dass Herr Steinbrück hier ohne Worte darstellen sollte, was er von seinen Spitznamen Problempeer und Peerlusconi hält, ist irrelevant für die wahrgenommene Wirkung. Denn ein Bild berührt viel unmittelbarer als die rationale Erklärung. Auch die implizite Aufforderung Steinbrücks, die Menschen sollten das Bild mit Humor nehmen, ändert an der eigentlichen Bildbotschaft nichts.

In tiefenpsychologischen Werbemittelanalysen lassen sich zwei Wirkungsebenen unterscheiden: Zum einen gibt es eine Cover-Story, also die unmittelbare, nacherzählbare Botschaft. Zum anderen die Impact-Story, nämlich das, was eher unbewusst transportiert wird und tiefer wirkt.

Die Cover-Story wird sofort verstanden: „Du oder ihr könnt mich mal.“ In kürzester Zeit wird das Bild digital ‚gecovert‘ und in alle möglichen anderen Werbeplakate montiert. Diese intensive Form der Auseinandersetzung mit einem Werbemittel ist immer ein Zeichen für starke Wirkung. Und in der Tat geht es nicht nur darum, ob ein Kanzlerkandidat auf diese Weise zum Ausdruck bringen darf, dass ein Teil der Menschen und Meinungen ihn schlicht ‚mal können‘.

Das Foto ist das vielleicht männlichste, das es von Herrn Steinbrück gibt. Denn historisch betrachtet ist der Stinkefinger vor allem ein Phallussymbol. Kombiniert mit dem aggressiven Gesichtsausdruck und der kämpferischen Körpersprache positioniert Steinbrück sich damit erstmals klar als Mann. Und nicht als tollpatschiger Intellektueller, der eher komplexe, oftmals nur mühevoll nachvollziehbare Botschaften vermittelt.

Ob sympathisch oder nicht, das ist der Peer, den man mitwählt, das andere ist Fassade. Es ist seine vielleicht stärkste Werbung für ein neues Männerbild. Ob es auch eine für einen neuen Kanzler ist, ist eine andere Frage.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

Kommentare zu " Werber-Rat: Werbung für den Mann im Peer"

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  • Ines Imdahl-Foto: zumindest trägt sie ein asymmetrisches Kleid (rechter Arm kürzer). Was bedeutet das für die Person bzw. als cover-story oder non-story oder nonsens?

  • und dafür hat der Steuerzahler dieser jungen frau ein Psychologie Studium finanziert.

  • Es ist schon erschreckend, dass die Presse solche Fotos ausschlachtet und nicht in erster Linie erklärt, warum es entstanden ist.
    Hauptsache man hat die Aufmerksamkeit der Leser.

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