Werber-Star Martin Sorrell
Attacke auf den bestbezahlten Chef der Insel

Der Chef des weltgrößten Werbekonzerns WPP muss auf der Hauptversammlung sein üppiges Gehalt verteidigen – er kassiert fast 60 Millionen Euro. Investoren gehen ihn hart an. Doch Martin Sorrell ist Beschimpfungen gewöhnt.
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LondonSo hat sich Martin Sorrell die Sache sicher nicht ausgemalt. In den letzten fünf Jahren ist die Aktie des weltgrößten Werbekonzerns WPP um 171,5 Prozent gestiegen, auch 2014 hat der 1,74 Meter große Vorstandschef mit der randlosen Brille und den graumelierten Haaren den Börsenindex wieder geschlagen.

Doch was bekommt der smarte 70-jährige Brite auf der Hauptversammlung am Dienstag in London in einem ehemaligen Grandhotel nahe des Trafalgar Squares von den Investoren zu hören? Teilweise harsche Kritik – und das hat einen triftigen Grund. Denn nicht nur die WPP-Aktie ist gestiegen, sondern auch das Gehalt Sorrells – und zwar um 40 Prozent. Als „komplett überzogen“ kritisierten die Aktionärsberater von Glass Lewis die Vergütung von Sorrell und rieten Anlegern, dagegen zu stimmen. „Außerordentlich hoch“ nennen auch die einflussreichen ISS-Berater die Summe.

Sir Raufbold. Der gescholtene Gutverdiener, den die Queen 2000 zum Ritter adelte, setzt sich indes zur Wehr. „Rund 99 Prozent des Salärs basieren auf der Performance des Unternehmens und der damalige Vergütungsplan wurde von rund 80 Prozent der Aktionäre vor wenigen Jahren akzeptiert“, schickt Sorrell den scheidenden Verwaltungsratschef Philip Laader zu seiner Verteidigung vor.

Doch einige Investoren sehen das anders. Roger Geary von der Aktionärsgemeinschaft „Share Action“ nennt das Gehalt „exzessiv“ und sieht das Risiko eines Imageschadens für den Werberiesen. Auch einer der Großinvestoren, Guy Jubb, Chef der Governance-Abteilung des Versicherers Standard Life, ist extra aus Edinburgh gekommen, um dem Verwaltungsrat ins Gewissen zu reden. „WPP ist mehr als eine einzelne Person“, ruft Jubb vor den rund 200 versammelten Aktionären aus und warnt vor einer „Sorrell-Zentrierung“ des Konzerns.

Für den studierten Betriebswirt Sorrell kommt die Debatte einem Déjà-vu gleich. Bereits 2012 sorgte sein Einkommen für Unmut und eine Rebellion der Investoren. Das umstrittene Aktienprogramm, aus dem der Geldregen kommt, wurde darum vor drei Jahren geschlossen – wirkt aber wegen der Optionen bis 2017 noch nach. 2010 hatte Sorrell, der nicht nur Topmanager, sondern Gründer von WPP ist, einen Teil seiner eigenen Aktien in das Programm eingebracht – mit der Chance, ihre Anzahl abhängig von der Wertentwicklung des Unternehmens zu verfünffachen.

Jetzt hat er die maximal zulässige Stückzahl aus dem Programm zugeteilt bekommen – was allerdings nicht jeden Investor stört. „Sorrell ist jeden Penny wert“, ruft ein Kleinaktionär auf der Hauptversammlung. „Ohne ihn würden wir alle nicht so viel Geld kassieren.“

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