Wintersportler im Skigebiet Schlick in Tirol

Noch immer sind die Deutschen die wichtigste Zielgruppe in Österreich.

(Foto: Imago)

Wintersport Kalter Winter lässt Alpen-Tourismus glänzen

Der kalte Winter beschert Sporthändlern und Skiorten eine exzellente Saison. In den Alpen bleibt der Investitionsbedarf aber hoch.
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Wien, MünchenDie Schlangen vor den Kassenhäuschen des steirischen Wintersportortes Stuhleck auf halben Weg zwischen Graz und Wien sind lang. Selbst an Wochentagen herrscht in dem kleinen Skigebiet am Lift Gedränge. Denn viele Gäste aus Ungarn, der Slowakei und Tschechien lockt es nach Ostösterreich.

Der kalte und schneereiche Winter beschert den Wintersportorten eine exzellente Saison. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Denn schließlich reicht das Skigebiet nur bis knapp 1800 Metern. Doch in diesem Winter ist alles anders.

„Es wird eine sehr gute Saison“, sagt Jack Falkner, Chef und Miteigentümer der Söldener Bergbahnen, dem Handelsblatt. Doch es liegt nicht nur am vielen Schnee selbst im März. Auch der diesjährige Kalender hilft mit. „Diese Saison ist ideal, weil Ostern sehr früh ist“, sagt Falkner, der auch Miteigentümer von Hotels im Tiroler Wintersportort Sölden.

„Wir erwarten beim Umsatz und den Nächtigungen ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr“, bestätigt auch Hermann Fercher, Tourismuschef des Nobelskiortes Lech am Arlberg. „Wir sind fünf bis zehn Prozent über dem Vorjahr“, bestätigt auch Erick Wolf, Tourismusexperte der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) in Wien. Österreich verfügt über eine Pistenfläche von knapp 2370 Quadratkilometern mit 2900 Liften.

„Es ist für uns wichtig, dass in den Großstädten Schnee fällt. Das ist ein starker Impuls für Winterferien“, sagte Falkner. Und an Schnee fehlt es nicht, von Hamburg bis München von Genf bis Budapest. In Sölden mit seinem Gletscher und Skigebieten von über 3000 Metern geht die Saison sogar bis Anfang Mai. In Lech laufen die Lifte noch bis 22. April. „Wir werden mit einer guten Auslastung bis Anfang April unterwegs sein“, prognostiziert Fercher.

Ob es viel Naturschnee in der Saison gibt, spielt für die Wintersportorte nur eine untergeordnete Rolle. Dann angesichts der vielen Skifahrer auf den Pisten der großen Skigebiete muss auch nach ausgiebigen Schneefällen künstlich beschneit werden.

Wie Brancheninsider berichten, könnten durch Naturschnee maximal ein Fünftel des Kunstschnees eingespart werden. Nach Angaben der WKO geben die österreichischen Wintersportorte pro Saison zwischen 100 und 120 Millionen Euro für künstliche Beschneiung aus.

Die Hotels der deutschen Milliardäre
Öschberghof in Donaueschingen
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Nach zweijähriger Bauzeit soll das Luxushotel „Öschberghof“ in Donaueschingen im Mai neueröffnen. Mehr als 55 Millionen Euro haben die Betreiber in den Umbau gesteckt – entstanden sind eine neue Halle, neue Zimmer in einem neu gebauten Gebäude (siehe Modellabbildung) sowie ein neues Spa und ein Golfplatz. Hinter dem „Öschberghof“ stehen vermögende Eigentümer: Der Gründer der Discount-Kette Aldi Süd, der 2014 verstorbene Karl Albrecht, ließ das Hotel 1976 bauen. Mehr zu diesem Thema lesen Sie hier.

Brenners Park-Hotel in Baden-Baden
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Albrecht ist nicht der einzige deutsche Milliardär, der sich neben seinem Hauptberuf in der Luxus-Hotellerie versucht hat. Auch der inzwischen verstorbene Lebensmittel-König Rudolf-August Oetker erwarb während des Zweiten Weltkriegs das „Brenners Park-Hotel“ in Baden-Baden. Mit sieben weiteren Luxusherberen, allesamt im Ausland, ist die „Oetker Collection“ heute Teil des Bielefelder Puddingkonzerns.

The Fontenay in Hamburg
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Der Ende der 60er-Jahre von Hamburg an den Zürichsee übergesiedelte Speditionsunternehmer Klaus-Michael Kühne („Kühne + Nagel“) startet soeben mit dem „The Fontenay“ in Hamburg. Der 80-jährige Milliardär will es zum „besten Hotel Deutschlands“ machen, glaubt aber selbst kaum noch an eine ordentliche Rendite. Kühne besitzt außerdem das kleine Luxus-Boutiquehotel „Castell Son Claret“ auf Mallorca.

Vila Vita in Portugal
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Reinfried Pohl, der Gründer des Versicherungsvertriebs DVAG, fügte vor seinem Tod im Jahr 2014 die Hotelkette „Vila Vita“ zusammen. Dazu gehört das „Vila Vita Parc“ an der Algarve, von der Zeitschrift „Geo Saison“ zum zweitbesten Strandresort Europas gewählt, aber auch das Fünf-Sterne-Haus „Vila Vita Rosenpark“ an Pohls langjährigem Wohnort Marburg.

Grand Elysée in Hamburg
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Mit dem Hamburger Luxus-Hotel „Grand Elysée“ hat sich der Gründer der Steakhauskette „Blockhouse“, Eugen Block, einen Lebenstraum erfüllt.

Tschuggen in der Schweiz
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Karl-Heinz Klipp, der Gründer der einst börsennotierten „Massa“-Supermärkte, die später von Metro gekauft und zum Großteil unter der Marke „Real“ weitergeführt wurden, verstarb im Oktober 2017. Der öffentlichkeitsscheue Unternehmer hinterließ Luxushotels wie das „Tschuggen“ im Schweizer Arosa, das Sporthotel „Valsana“, ebenfalls in Arosa, oder das „The Carlton“ in St. Moritz.

Louis C. Jacob in Hamburg
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Der Erfinder der Aida-Kreuzfahrten betreibt über seine Deutsche Seereederei (DSR) die Nobelherberge „Louis C. Jacob“ in Hamburg. In Horst Rahes Reich befinden sich ebenso die „A-Rosa-Resort Hotels“ auf Sylt, in Travemünde, Kitzbühel und am Scharmützelsee.

Noch immer sind die Deutschen die wichtigste Zielgruppe in Österreich. 48 Prozent der Gäste in der Alpenrepublik kommen aus der Bundesrepublik. „Der Marktanteil ist stabil“, sagt WKO-Experte Wolf.

In den vergangenen Jahren ist vor allem die Zahl der Touristen aus Osteuropa gewachsen. Das starke Wirtschaftswachstum in Tschechien, Slowakei und Ungarn beschert den österreichischen Wintersportorten neue Gäste. Mittlerweile kommen nach einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts Manova bereits acht Prozent der Gäste aus Osteuropa.

Das Durchschnittsalter der Wintersporttouristen liegt derzeit bei 39 Jahren. Ein Skiurlaub ist kein preiswertes Vergnügen. In den großen Skigebieten wie Lech am Arlberg, Sölden, Saalbach-Hinterglemm, Serfaus-Fiss-Ladis oder Ischgl kostet der Tagespass über 50 Euro.

Gegen das Image des teuren Skiurlaubs wehren sich die Bergbahnbetriebe. Tourismusmanager verweisen darauf, dass die Ticketpreise seit 2005 unter den Steigerungen des verfügbaren Einkommens liegen. Hinzu kommt, dass der Investitionsbedarf weiterhin groß ist. Der Fachverband der Seilbahnen Österreich geht in der Saison 2017/18 von einem Investitionsaufwand von 582 Millionen Euro aus. Dem gegenüber stehen Kassenumsätze von 1,35 Milliarden Euro im Jahr 2017 gegenüber. Das ist ein Plus von 3,7 Prozent zum Vorjahr.

„Ganz Amerika hat weniger in seine Bergbahnen investiert als wir in Österreich“, berichtet Bergbahn-Manager Falkner, der das Geschäft seit Jahrzehnten kennt. „Wir haben auch in den nächsten Jahren hohen Investitionsbedarf im Bereich der Beschneiung und Seilbahnen“, sagt Lech-Tourismuschef Fercher. Wer nicht investiert, hat verloren, ist die Devise des Tirolers.

Nach den Investitionen in Komfort und Qualität der Seilbahnen stehen in dieser Saison die Pisten und Infrastruktur im Mittelpunkt. Es entstehen Fun- und Familyparks, Parallel-Rennstrecken mit Zeiterfassung und Crossparks. Gerne verweist Falkner auf die Schweiz, die sogar einheimische Skifahrer zunehmend an Österreich wegen der besseren Infrastruktur verliert. Für Österreich ist es wichtig, die im europäischen Wettbewerb die Nase vorn zu haben. Denn die Seilbahnbetriebe garantieren knapp 100.000 Arbeitsplätze im Land.

Von dem kalten und schneereichen Winter profitieren auch die Sporthändler in Österreich. „Auch wenn die Saison noch nicht zu Ende ist, sind wir mit dem Wintergeschäft bereits jetzt sehr zufrieden", sagte Mathias Boenke, Geschäftsführer der Sporthandelskette Intersport Austria, dem Handelsblatt. Die Schneefälle im November und Dezember seien besonders wichtig gewesen, in diesen Monaten erzielen die Ladenbesitzer die höchsten Preise.

Insgesamt sei das Geschäft mit Skiausrüstung für Pistenfans um fast ein Viertel in die Höhe geschossen. Bei Mützen, Handschuhen und Socken lagen die Umsätze bis zu 70 Prozent über Vorjahr - angesichts der arktischen Kälte kein Wunder. Auch die Einnahmen aus Skibrillen lagen um knapp 40 Prozent über 2016, sie sind ebenfalls ein wichtiger Schutz bei den Minustemperaturen.

Viele Skifahrer leihen sich inzwischen ihre Bretter in den Resorts, daher geht es auch den Händlern in den Berggemeinden dieses Jahr besser, es sind einfach mehr Kunden da. Die Ladenbesitzer von Intersport mit angeschlossenem Verleih in den Skigebieten hätten bis jetzt elf Prozent mehr Umsatz als im vorigen Winter.

Ganz besonders gut entwickelt sich darüber hinaus das Geschäft mit Skifahrern, die sich abseits der Pisten bewegen, den Tourengehern. Insgesamt wurden vor zehn Jahren in Österreich etwa 20.000 Paar Tourenskier verkauft, mittlerweile sind es Schätzungen zufolge 50.000 bis 55.000 Paar im Jahr.

Auch bei Intersport steige der Umsatz mit Tourenski und Ausrüstung jedes Jahr zweistellig, betonte Boenke. Für Tourenfans ist der Winter ein Traum, der noch lange nicht vorbei sein wird. Angesichts der Schneemengen werden im Hochgebirge bis weit ins Frühjahr hinein glänzende Bedingungen herrschen.

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  • Guter Artikel. Ganz nebenbei, Ski fahren bei Kälte fällt nur einem Minderbemittelten ein.

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