Wirtschaftsprüfer
KPMG-Partner fliegt mit Insider-Tipps auf

KPMG hat einen ihrer Partner gefeuert. Er soll als Wirtschaftsprüfer für den US-Schuhhersteller Skechers jahrelang Insider-Informationen verkauft haben.
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New YorkDie Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG wird von einer Insider-Handelsaffäre erschüttert. Der KPMG-Partner Scott London in Los Angeles habe offenbar Informationen an eine dritte Person weitergegeben, die diese dann zu Aktiengeschäften genutzt habe, teilte KPMG mit. Von dem Partner habe man sich inzwischen getrennt und die Mandate der zwei betroffenen Firmen zurückgegeben. Es handelt sich um den Schuhhersteller Skechers und den Diätmittel-Anbieter Herbalife.

„Wir haben keinen Grund zur Annahme, dass es in den Finanzberichten dieser Firmen wesentliche Fehler gibt“, hieß es in der Mitteilung von KPMG. Darüber hinaus wollte sich die Gesellschaft nicht weiter zu dem Vorfall äußern. Inzwischen schaltete sich nach Auskunft einer mit der Angelegenheit vertrauten Person die Bundespolizei FBI ein. Auch die Börsenaufsicht SEC untersucht den Fall.

In einer E-Mail-Erklärung gab London zu, er habe über mehrere Jahre per Telefon Informationen an jemanden weitergegeben, der mit Hilfe dieses Wissens an der Börse spekulierte. Er habe damit jemandem helfen wollen, dessen Firma in Schwierigkeiten steckte.

„Ich bereue es, nicht-öffentliche Daten weitergegeben zu haben“, hieß es in der Erklärung, die vom „Wall Street Journal“ dokumentiert wurde. „KPMG hatte damit nichts zu tun. Die Firma trägt für diesen Fall keinerlei Verantwortung.“

Nach Angaben von Skechers-Finanzchef David Weinberg leitete London die Wirtschaftsprüfung in dem Unternehmen. Spitzenmanager von KPMG hatten ihn am Montag aufgesucht und über Londons Fehlverhalten aufgeklärt. „Es kam ganz überraschend“, sagte Weinberg. „Ich mochte ihn sehr, und ich vertraute ihm natürlich.“

Skechers sucht inzwischen händeringend nach einem neuen externen Wirtschaftsprüfer. Denn KMPG hat sich aus der Wirtschaftsprüfung bei Skechers und Herbalife zurückgezogen. London war bei beiden Unternehmen der leitende Wirtschaftsprüfer.

Annika Reinert
Petrina Engelke
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

Kommentare zu " Wirtschaftsprüfer: KPMG-Partner fliegt mit Insider-Tipps auf"

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  • Das FBI hat zulange auf seinen Händen gesessen und ist nun dabei, Versäumnisse der Vergangenheit im Hinblick auf zweifelhafte Informationsquellen aufzuarbeiten. Der Galleon Fall war ein guter high profile Beginn und involvierte einen anderen (ehemaligen) Vertreter eines hochkarätigen beratenden Berufs.

    Wirtschaftsprüfer sind in der Vergangenheit eher durch low profile Fälle aufgefallen. Allerdings hat ihr Ruf durch die Vergabe von Card Blanche an Unternehmen, die kurze Zeit später in Schieflage gerieten, zu einem erheblichen Vertrauensverlust geführt.

    Man kann nur hoffen, daß WP's und andere Gatekeeper (insb. Ratingagenturen) , deren Aufgabe es ist, Unabhängig von Eigeninteressen, Vertrauen am Kapitalmarkt herzustellen, die Warnschüsse ernst nehmen.

    Vermutlich wird langfristig allerdings nur eine Reform der Gatekeeper Incentives zu einer Lösung beitragen. Die Gefahr des Moral Hazard getreu dem Motto 'Wes Brot ich ess, des Lied ich sing' ist einfach zu gross.

  • Die CPA Dichte in den Staaten ist sicher ausgeprägter als in Good Ol' Germany, allerdings sind eine Vielzahl davon aufgrund des sinnvolleren 'Standesrechts' in der Industrie und nicht wie in Dtld. in beratenden Berufen tätig.

    Für Sketchers wird bei einer Umsatzgröße von mehr als einer Mrd USD sowie international verzweigten Produktions- und Vertriebsstandorten sowie aufgrund der NYSE Berichtspflichten allerdings nur eine überschaubare Gruppe größerer Prüfungsgesellschaften in Frage kommen. Aufgrund der 'busy season' dürfte es schwer werden, KPMG ohne weiteres rechtzeitig zu ersetzen und gleichzeitig die zeitlichen Anforderungen des Kapitalmarktreportings für 2012 (10K) und das erste Quartal 2013 (10Q) zu erfüllen.

    Daher liegt das Handelsblatt mit seiner Einschätzung nicht allzu falsch.

  • Sieht so aus, als ob die Hakelmacher inzwischen zu Daten-Dealern werden. Das FBI führt gerade eine Kampagne gegen Insider-Trading. Mal sehen, ob Mr. London nur die Spitze des Eisbergs war.

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