Zukunftslabor „d.lab“
Wo die Bahn zum Start-up wird

Der Staatskonzern Deutsche Bahn will in Zukunft moderner werden. Um mehr Kreativität in den eigenen Reihen zu wecken, hat das Unternehmen kleine Einheiten nach Start-up-Vorbild gegründet. Kann das denn gut gehen?
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FrankfurtWenn Kerstin Hartmann mit der Bahn fährt, sucht sie nach „Begeisterungsfaktoren“ und „Schmerzpunkten“. Die 40-Jährige will schon aus beruflichen Gründen herausfinden, was Bahnkunden besonders gut finden und was ihnen am meisten Ärger bereitet. Seit drei Monaten leitet Hartmann in Frankfurt das Zukunftslabor „d.lab“ der Deutschen Bahn für den Personenverkehr – eine kleine ausgelagerte Kreativeinheit, in der die Produkte der Bahn aus Kundenperspektive neu gedacht und verbessert werden sollen.

Der Weg zur Zukunft der Bahn, auch „Mobility 4.0“ genannt, führt zunächst einmal vorbei an Bordellen, schmierigen Pinten und Fixerstuben im Frankfurter Bahnhofsviertel. In einem aufwendig sanierten Gründerzeitbau in der Elbestraße haben die Bahn-Kreativen zwei üppige Etagen mit zusammen fast 1.000 Quadratmetern Fläche möglichst Start-up-mäßig eingerichtet.

Kinositze in der einen, WG-Küche in der anderen Ecke, in den Regalen wartet Kreativ-Material vom Lego über bunte Pappen bis zum Bällchenbad auf gute Ideen. Der unvermeidliche Tischkicker und eine Tischtennisplatte fehlen ebenso wenig wie eine Vielzahl mobiler Computer.

In Frankfurt schlägt das operative Herz des Bahn-Konzerns, vor allem des Personenverkehrs. Die „Laufnähe zum Kerngeschäft“ habe dazu geführt, das Zukunftslabor am Main und nicht etwa beim Konzernvorstand in Berlin einzurichten, erklärt Hartmann, die selbst eigentlich an der Spree wohnt.

Schließlich sollen Praktiker aus allen Bereichen in dem Labor ihre Ideen einbringen, kurze Wege sind dafür durchaus praktisch. Auch für Veranstaltungen von außen sei man offen, versichert die Chefin.

Die Bahn will hip werden – dafür ist im vergangenen Jahr sogar eine Delegation ins kalifornische Silicon Valley aufgebrochen. Bei Apple, Google und Co. haben die Bahner drei Mega-Trends identifiziert, die Mobilität in Zukunft bestimmen werden: autonome Fahrsysteme, Niedrigpreis- und Sharingangebote auch für Fernreisen sowie die noch stärkere Rolle digitaler Geräte im gesamten Reiseprozess.

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