Die digitale Revolution der Wirtschaft

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Big Data: Wer hebt das Datengold?

Motorenhersteller, Supermärkte, Gebrauchtwagenhändler: Wie es Unternehmen inzwischen gelingt, aus der Informationsflut im Netz großen Profit zu schlagen. Es ähnelt einem neuen Goldrausch – nur geht es heute um Daten.

Goldnugget: Ein neuer Goldrausch ist ausgebrochen – aber gebaggert wird in Datenbergen. Quelle: ap
Goldnugget: Ein neuer Goldrausch ist ausgebrochen – aber gebaggert wird in Datenbergen. Quelle: ap

George Yu hat vor kurzem den Funktionsumfang seines iPhones erweitert. Der 30- jährige Ingenieur aus Chattanooga in Tennessee (USA) war schon immer ein leidenschaftlicher Tüftler, und vor ein paar Monaten hat er ein neues Gerät namens Node erfunden. Node ist etwa so groß und so rund wie eine Batterie, steckt in einer Hülle aus weißem Plastik und ist gespickt mit LED-Lämpchen, kleinen Schaltern und Sensoren. Per Funk steht es stets mit einem iPhone in Kontakt.

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Die High-Tech-Themen 2013

  • 20 Prozent

    Ein Fünftel der IT- und Telekom-Unternehmen halten Business Process Management für ein wichtiges Thema in diesem Jahr.

  • 22 Prozent

    IT-Outsorcing ist aus Sicht von 22 Prozent der befragten Unternehmen mit am wichtigsten.

  • 22 Prozent

    Social Media bzw. Social Business ist für die Firmen ebenso wichtig wie das Thema IT-Outsourcing.

  • 27 Prozent

    Mehr als ein Viertel aller befragten IT- und Telekom-Unternehmen halten das Thema "Bring Your Own Device" für einen der wichtigsten Technologie- und Markttrends in diesem Jahr.

  • 33 Prozent

    In Zeiten von immer häufiger auftauchenden und groß angelegten Hacker-Angriffen wird auch das Thema IT-Sicherheit immer wichtiger.

  • 37 Prozent

    Das drittwichtigste Thema ist der Umfrage von Bitkom zufolge Big Data/Business Intelligence.

  • 48 Prozent

    Knapp die Hälfte der IT- und Telekom-Firmen sieht Mobile Anwendungen im Mittelpunkt.

  • 59 Prozent

    Das mit Abstand wichtigste Thema ist für die Branche alles rund um Cloud Computing.

Wer ein Node-Gerät besitzt, kann fortan eine Menge über seine Umwelt erfahren. Das Ding kann zum Beispiel aus einem halben Meter Abstand das Fieber eines Kranken messen – und das Ergebnis erscheint auf dem Bildschirm des Telefons oder wahlweise gleich im Internet.

Wofür steht Big Data?

  • Der Hype um die Daten

    Unter Big Data versteht man Technologie zur Verknüpfung und Auswertung riesiger Datenmengen. Ziel ist es, neue Erkenntnisse zu gewinnen – etwa welche Produkte einem Kunden gefallen oder wo unentschlossene Wähler wohnen.

  • Riese Datenmengen

    Das Datenaufkommen verdoppelt sich ungefähr alle zwei Jahre. Viele der Informationen erzeugen nicht Menschen, sondern Maschinen – beispielsweise Smartphones, intelligente Stromzähler oder Autos. Gerade Bewegungsdaten sind fürs Marketing relevant.

  • Vielfältige Quellen

    Big Data bedeutet auch: Es werden Daten aus verschiedensten Quellen miteinander verknüpft und zu einem Profil verschmolzen. Marketing-Experten setzen beispielsweise auf klassische Kundendatenbanken, Bewegungsdaten von Smartphones sowie Informationen aus Sozialen Netzwerken. Auch die Wettervorhersage kann nützlich sein, um bestimmte Produkte zu verkaufen.

  • Ergebnisse in Echtzeit

    Besonderen Reiz gewinnt Big-Data-Technologie durch ihre Geschwindigkeit: In vielen Fällen spucken die Superrechner die Ergebnisse in Echtzeit aus, oder sie beschleunigen zumindest die Berechnungen im Vergleich zu herkömmlichen Technologien deutlich.

  • Korrelation statt Kausalität

    Big Data führt zu einer Veränderung im Denken: Wer große Datenmengen auswertet, kann statistische Zusammenhänge entdecken, ohne die Gründe dafür zu verstehen – Korrelation statt Kausalität. Das könnte langfristig verändern, wie wir Menschen Probleme lösen.

Es kann auch feststellen, ob die Luftfeuchtigkeit in einem Terrarium stimmt oder ob die Geschwindigkeit und die Flughöhe eines Heißluftballons in Ordnung sind, ob die Wärmeisolierung eines Hauses leckt, ob Gas in der Küche austritt, ob irgendwo in der Nähe nukleare Brennstäbe herumliegen und derlei Dinge mehr. „Ich wollte ein Gerät mit unendlich vielen Anwendungen schaffen“, sagt Yu, der immerhin schon ein paar Hundert Nodes verkauft hat und sich nun an große Industriekunden wenden will.

Facebook, Google und Co. Die lukrativen Schätze der Datenkraken

Daten sammeln als Geschäftsmodell: Nicht nur der Börsenkandidat Facebook macht gute Geschäfte mit dem Wissen über seine Nutzer. Werber und Händler wollen alles über die Kunden erfahren - und daraus Kapital schlagen.

Der Bastler Yu steht an der Spitze einer Entwicklung, die unser Leben zu verändern beginnt. Noch nie wurden pausenlos so viele Daten über die Menschen und die Welt gesammelt – auf so viele unterschiedliche Arten, aus so vielen unterschiedlichen Quellen. Und noch nie wurden sie derart eifrig archiviert, in riesenhaften Datenspeichern abgelegt und über Netzwerke verknüpfbar gemacht.

So funktioniert die Facebook-Werbeplattform

  • Spur im Netz

    Ein Facebook-Nutzer informiert sich auf einer Website über ein Produkt. Ein Werbenetzwerk, das mit Facebook kooperiert, installiert einen „Cookie“, eine winzige Datei, die den Besuch dokumentiert. Etwa so: Nutzer interessiert sich für ein bestimmtes Mobiltelefon.

  • Auktion

    Beim nächsten Facebook-Besuch informiert das Unternehmen das Werbenetzwerk. Der Nutzer bleibt dabei anonym. Der Werbedienstleister leitet binnen Sekunden eine Auktion ein. Hersteller bieten dafür, eine Anzeige zu präsentieren. Das beste Gebot bekommt den Zuschlag.

Alltagsgeräte wie Smartphones, Kameras, Stromzähler und Autos bekommen heutzutage schon recht genau mit, was um sie herum geschieht. Industriegeräte wie Fertigungsstraßen in Fabriken, voll automatisierte Warenlager, stadtweite Netzwerke aus Überwachungskameras und sogar Flugzeugmotoren helfen per Fühler, Chip und Datenleitung, die Welt zu vermessen – ohne menschliches Zutun, Daten-Puzzlestück für Daten-Puzzlestück.

Und dann ist da ohnehin jener anschwellende Strom von Daten, die Menschen selber erzeugen und ins Internet einspeisen: Stimmungsmeldungen auf Facebook oder Twitter, Gesuche auf Jobportalen im Internet, Laufzeiten beim Jogging, Zwangsvollstreckungen, Gebote bei Online-Auktionen, Eingaben in Suchmaschinen wie Google, Inserate zur Partnersuche.

  • 04.02.2013, 11:47 Uhrredaktion handelsblatt

    @Data: Absolut. Vielen Dank für Ihren spannenden Hinweis.

  • 04.02.2013, 11:46 Uhrredaktion handelsblatt

    @Data: Absolut. Vielen Dank für Ihre spannenden Hinweise.

  • 04.02.2013, 11:34 UhrDieWeltIstAnalogNichtDigital

    Völlig überbewertet diese Datensammelwut und die Aussagekraft dieser Daten (Hochrechnung à la Wahlprognose?). Auch überbewertet ist die Gewinnaussicht für Elektronik- und Computerprodukte überhaupt.

    Was hier allein die Gewinne bringt ist die Sucht, das Suchtpotential jedes Einzelnen. Das wird sich langfristig legen, genauso wie Radio-/Fernsehwerbung heute schon kaum noch zieht.

    Ich fotografiere übrigens wieder analog, weil die echten Bilder sind billiger, zum greifen und man kann sie so schön in eine Schachtel tun. Anschauen so ganz ohne Technik, Strom und Internet...

  • Umfrage
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