
San FranciscoDas nächste Samsung-Smartphone ist eine Visa-Kreditkarte. Die mobile Zahlungslösung des Kreditkartengiganten wird in allen künftigen Smartphones des Handy-Marktführers integriert sein. Das nächste Samsung Galaxy wird am 14. März in New York vorgestellt. Der Vorstoß ist eine echte Herausforderung für Google und besonders Apple. Dessen iPhone 5 hat den dafür erforderlichen NFC-Chip nicht integriert. Kommt er mit dem iPhone 5S? Oder geht Apple wieder einmal eigene Wege? Der Kampf ist entbrannt.
Mobiles Bezahlen gilt seit Jahren als Trend – und kommt seit Jahren nicht voran. Die am Montag im spanischen Barcelona unterzeichnete Vereinbarung zwischen einem der größten Kreditkartenanbieter der Welt und dem größten Hersteller von Smartphones mit dem Google-Betriebssystem Android könnte das ändern. Bereits in den aktuellen Samsung Galaxy-Modellen sind NFC-Chips verbaut.
Den Grundstein des Konzerns legte der Südkoreaner Lee Byung Chul bereits 1938 mit gerade einmal 25 US-Dollar in der Tasche. Er verkaufte Trockennahrung nach China. Nur ein Jahrzehnt später hatte sein anfangs kleines Unternehmen bereits eigene Getreidemühlen und Maschinen zur Herstellung von Konfekt.
1963 kauft das Unternehmen die Dongbang Lebensversicherungen auf und macht sie zur heutigen Samsung Lebensversicherung. Die Tochtergesellschaft und größter Versicherer in Südkorea ist führend bei den Aktien von Samsung Electronics.
1970 beginnt das Unternehmen Schwarz-weiß-Fernseher zu produzieren. Nur vier Jahre später erweitert es seine Palette um Waschmaschinen und Kühlschränke.
Nach dem Tod von Firmengründer Lee Byung Chul 1987 übernimmt dessen Sohn Lee Kun Hee die Geschäfte.
1999 entwickelt das Unternehmen das erste Smartphone mit Internetverbindung. Bis 2004 verkaufen sie allein in den USA 20 Millionen Handys.
2006 wird Samsung der weltgrößte Hersteller von Fernsehgeräten. 2008 übernimmt der Konzern auch die Führung auf dem US-amerikanischen Handy-Markt.
Samsung Electronics verkauft monatlich mehrere Millionen LCD Bedienungsfelder, Chips und Displays für Notebooks. Fast acht Prozent davon gehen an Apple.
Visas Kartentechnik wird serienmäßig nun in den sogenannten „sicheren“ Teil des Chips eingebaut, „sicher“, weil er nicht mehr veränder- oder überschreibbar ist. Die Software der Smartphones, die „Apps“, kommunizieren mit diesem sicheren Teil des Chips und veranlassen Zahlungen. Der Vorteil für Handel und Verbraucher: Die Smartphones sollen mit einem großen Teil der bereits weltweit existierenden Karten-Infrastruktur funktionieren.
Visa hat bereits Lesegeräte für NFC-bestückte Kreditkarten eingeführt und verrechnet damit laut dem Researchunternehmen Ovum für rund 13 Millionen Dollar Transaktionen pro Monat. Mit einem Schlag hätten Samsung-Käufer also tausende Akzeptanzstellen weltweit. Visa soll auch mit dem Zahlungssystem ISIS der großen Telekomanbieter AT&T, Verizon und T-Mobile funktionieren. Die Telekom-Giganten wollen verhindern, dass sich Web-Größen wie Google oder Apple zwischen sie und ihre Kunden drängen und den Rahm, sprich die Gebühren, abschöpfen. Eden Zoller, Analyst beim Researchunternehmen Ovum: „Das Abkommen könnte dem NFC-Markt den dringend benötigten Schub geben. Visa ist eine vertrauenswürdige Marke im Zahlungsverkehr und Samsung der größte Volumenanbieter für Android-Smartphones.“
Schwer getroffen wird Internet-Gigant Google von der Vereinbarung. Mit Google Wallet will der Web-Riese seinerseits die Kontrolle über den „sicheren“ Teil der NFC-Chips in Android-Smartphones übernehmen. In einem ersten Schlagabtausch mit der Telekomindustrie unterlag Google: Verizon, die Nummer eins der US-Mobilfunkanbieter, sperrte die Google-Brieftasche einfach auf seinen Netzen. Jetzt hat der größte Anbieter von Android-Smartphones überhaupt, Samsung, Google auch noch die kalte Schulter gezeigt und Visa gewählt.