Musikindustrie
Das Comeback eines Internet-Opfers

Nach jahrelangem Absturz kann die Musikbranche erstmals Umsatzwachstum vermelden. Mitverantwortlich dafür ist ausgerechnet der einst verbittertste Feind der Branche: der Download. Kann die Verlagswelt davon lernen?
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Düsseldorf13 lange Jahre hat es gedauert, jetzt ist es soweit: Die weltweite Musikmarkt kann erstmals nach einer langen Durststrecke wieder ein Plus verzeichnen. Zwar hört sich das vom internationalen Musikverband IFPI diese Woche gemeldete Wachstum von 0,3 Prozent erst einmal nach einer kleinen Hausnummer an. Für die Musikbranche bedeutet es aber einen Lichtschimmer am Horizont – das letzte Mal hatte die Branche im Jahr 1999 zulegen können. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Musikindustrie weltweit 5,6 Milliarden Dollar (4,3 Milliarden Euro) alleine mit digitalen Angeboten. Das entspricht immerhin einem Drittel des Gesamtumsatzes.

„Zum Beginn der digitalen Revolution war es die Regel zu sagen, dass die Digitalisierung die Musikindustrie umbringt“, so Edgar Berger, Chef des internationalen Geschäfts von Sony Music Entertainment. Jetzt sei die Zeit gekommen, dass die Digitalisierung die Musikbranche rette. Allerdings hatte die Branche in Spitzenjahren über 38 Milliarden Dollar umgesetzt, im vergangenen Jahr waren es 16,5 Milliarden Dollar.

In deutschen Medien-Häusern macht seit Jahren auch die Angst vor dem Internet die Runde. Die Verlage greifen vor allem Suchmaschinenbetreiber wie Google an und pochen auf Lizenzgebühren, wenn ihre Beiträge verlinkt werden. Auch die Musikindustrie hat das Internet lange als Gefahr gesehen und musste harte Restrukturierungen durchlaufen. Bis die neue Liebe zum Netz bei den Plattenkonzernen erwachte, vergingen viele Jahre – und harte Kämpfe wurden ausgefochten.

Losgelöst von der CD und ohne ausreichende Sicherheitsvorkehrungen seitens der Branche, war es zum Volkssport geworden, Musik kostenlos im Netz zu tauschen. Zahlreiche Online-Dienste hatten dazu beigetragen, dass das Internet sich zum Feindbild der Musikbranche entwickelte. Die Musiktauschbörse Napster hatte zeitweise über 80 Millionen Nutzer weltweit. Bis ins Jahr 2001 konnten dort MP3-Dateien kostenlos untereinander getauscht und weiterverbreitet werden.

Ohne Einwilligung der Rechteinhaber wurden bei Napster die Musikdateien illegal zur Verfügung gestellt. Damit zog Napster auch den Zorn der Musiker auf sich. Die Heavy-Metal-Gruppe Metallica platze schlussendlich der Kragen und sie verklagte Napster aufgrund von Urheberrechtsverletzungen und Verletzung des Digital Millennium Copyright Act (DMCA). Schließlich musste auch die bis dato bekannteste Tauschbörse umrüsten.

Mittlerweile ist Online-Musik ein funktionierendes Geschäftsmodell: Laut IFPI ist gerade das anhaltende Wachstum in den digitalen Geschäftsfeldern für den Aufwind verantwortlich. Im vergangenen Jahr hat jeder vierte Internetnutzer in Deutschland Musik im Netz gekauft.

Bis dahin war es ein langer Weg, sagt Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie e.V.: „Zum einen wurde ein größeres legales Angebot für die Nutzer geschaffen. Zum anderen wurde durch eine konsequente Durchsetzung von Rechten ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass es unfair ist, illegal Musik herunterzuladen.“ Margot Wallscheid vom Deutschen Musikinformationszentrum stimmt zu: „Das Angebot an legalen Downloadmöglichkeiten hat in den vergangenen Jahren zugenommen.“

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Das Comeback eines Internet-Opfers

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Stößt der Download bald die CD vom Thron?

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TelekommunikationDie Telekommunikationsunternehmen spielen ihre Stärken im Mobilfunkbereich voll aus. Die Branche erreicht erreicht den höchsten Durchschnittswert bei mobilen Aktivitäten. So nutzt Vodafone zum Beispiel eine App zur direkten Kundenkommunikation. Die T-Mobile-App bietet den Kunden an, jederzeit auf ihre Datenzugreifen zu können. Auch O2 bemüht sich, den Kundenkontakt über soziale Netzwerke zu verbessern. Quelle: dapdTablet-Computer waren 2012 ein großes Thema – und sie werden auch 2013 eines sein. Doch welche weiteren Trends zeichnen sich in der Welt der Technik ab? Quelle: AFP

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  • Natürlich könnten die Verlage aus dem Siegeszug des Downloads bei Muski lernen:
    1. Der Kunde ist durchaus zahlungswillig.
    2. Der Kunde möchte aber nur für das bezahlen, was er auch tatsächlich haben will.
    3. Es bedarf durchdachter Plattformen und Bezahlungssysteme.

    Der Kunde ist zahlunswillig - das beweisen die Musik-Downloads millionenfach. Im Gegenteil, er freut sich womöglich, wenn er statt einer kompletten CD für einen Bruchteil des Geldes nur das Musikstück bekommt, welches er auch haben möchte. Trotz GEMA-Sperre in Youtube werden aber auch massenhaft Titel käuflich erworben, die kostenfrei heruntergeladen werden könnten, beispielsweise weil die Qualität besser ist.
    Für die Verlage bedeutet das: Ich möchte einen Artikel und keine ganze (Online-)Ausgabe kaufen. Dazu möchte ich in aller Regel auch wissen, was ich zu erwarten habe und dass die Qualität hochwertig ist. Es ist also sinnwidrig, wenn ich "Tagespässe" o.ä. für ganze Ausgaben erwerben muss, obwohl ich nur einen Artikel lesen möchte. Dieser Artikel darf dann eben - in Relation zur Gesamtausgabe - nur 5, 10 oder 20 Cant kosten, eben nicht 2,99 oder gar 4,99 € für einen solchen Tagespass. Außerdem möchte ich als Kunde für solche Dinge mich nicht noch irgendwo extra wieder registrieren (noch ein Kennwort und ein Datensumpf mehr), sondern möchte das mit den Zahlungsmitteln begleichen können, die auch sonst zur Verfügung stehen: Angefangen von der Kreditkarte über Lastschrift, Sofortüberweisung bis hin zu Paypal; die meisten Anbieter von Downloads im Musikbereich sehen solche Möglichkeiten vor.

    Ist es nicht besser einen Artikel für 10 Cent tausendfach zu verkaufen als wegen Überteuerung oder Komplexität nur wenige Leser dazu zu bringen, ihr Geld beim Verlag zu lassen?

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