Energie

50Hertz legt Jahreszahlen vor Gespaltenes Land

In Deutschland gehen die Kosten für die Nutzung der Stromnetze weit auseinander. Warum Boris Schucht, Vorsitzender der Geschäftsführung des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, diesen Zustand nicht mehr hinnehmen will.
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Die Kosten für die Nutzung der Stromnetze gehen in Deutschland auseinander – zum Ärger der Betreiber. Quelle: dpa
50Hertz

Die Kosten für die Nutzung der Stromnetze gehen in Deutschland auseinander – zum Ärger der Betreiber.

(Foto: dpa)

BerlinBoris Schucht, Vorsitzender der Geschäftsführung beim Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, kann zufrieden sein. Das Geschäftsjahr 2016 ist aus seiner Sicht gut verlaufen. 50Hertz schloss das Jahr mit einem Ergebnis von 128 Millionen Euro ab. Doch eine Sache stört Schucht gewaltig: Stromkunden im Norden Deutschlands zahlen deutlich mehr für die Netznutzung als im Süden. „Das Auseinanderdriften bei den Netzentgelten muss gestoppt werden“, sagte er bei der Vorlage der Zahlen für 2016 am Montag.

Es sei zunehmend „schwer zu vermitteln“, dass es keine einheitlichen Netzentgelte gebe, sagte Schucht. Das Thema sorgt seit Monaten für Streit unter den Übertragungsnetzbetreibern, aber auch unter den Bundesländern.

Das Bundeswirtschaftsministerium hatte versucht, mit dem Netzentgeltmodernisierungsgesetz (NEMoG) Abhilfe zu schaffen. Im ursprünglichen Entwurf des Gesetzes war die bundesweite Vereinheitlichung der Übertragungsnetzentgelte geregelt. In der Ende Januar vom Bundeskabinett verabschiedeten Fassung des NEMoG fehlte die Vereinheitlichung jedoch, weil sich keine Ländermehrheit für die Regelung abzeichnete.

Eine der Hauptursachen für das Auseinanderdriften: Im Norden und Nordosten Deutschlands sind wegen des raschen Ausbaus der Windenergie massive Investitionen in den Ausbau der Netze erforderlich. Das treibt die Netzentgelte in diesen Regionen nach oben. So auch in den fünf neuen Ländern, die das Netzgebiet von 50Hertz bilden.

50Hertz kann in einer anderen Frage eine positive Entwicklung verzeichnen: Die Kosten für das Engpassmanagement der Netze, im Wesentlichen begründet durch die volatile Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom, gingen 2016 auf 180 Millionen Euro zurück. 2015 waren es noch 354 Millionen Euro. Schucht nannte zwei Gründe für die Entwicklung: 2016 war ein windschwaches Jahr, außerdem machte sich der fortschreitende Ausbau der Netze positiv bemerkbar.

Tatsächlich schreitet der Netzausbau schneller voran als von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Nach Angaben Schuchts sind im Netzgebiet von 50Hertz mittlerweile 55 Prozent der im Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) von 2009 definierten Projekte realisiert. Für die Projekte des Bundesbedarfsplans von 2013 trifft das auf acht Prozent zu.

Die größten Windkraft-Konzerne der Welt
Platz 14: XEMC (China)
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Nirgendwo auf der Welt werden jährlich mehr Windräder ans Stromnetz angeschlossen als in China. Zu den größten Profiteuren dieses fernöstlichen Grünstrom-Booms zählt XEMC. Der chinesische Elektrokonzern hat im Jahr 2009 die niederländische Energiefirma Darwind gekauft und sich so wertvolles Know-how für die Herstellung von Windturbinen und Rotorblättern gesichert, den wichtigsten Komponenten von Windenergieanlagen. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma FTI Intelligence brachte es XEMC 2016 auf einem Marktanteil von 2,2 Prozent.

Marktanteil 2,2 Prozent.  

Platz 13: Dongfang (China)
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Der chinesische Staatskonzern Dongfang stellt Schiffe, Lokomotiven und Gasturbinen her. Zu einem immer einträglicheren Geschäft werden aber auch die Windräder, die das Unternehmen aus der Provinz Sichuan fertigt.

Marktanteil: 2,2 Prozent.

Platz 12: Senvion (Deutschland)
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Deutschlands viertgrößter Windkraftkonzern Senvion rangiert global gesehen nur noch auf Platz 12. Die Hamburger kämpfen derzeit mit schwindenden Aufträgen, bröckelnden Marktanteilen und sinkenden Umsätzen. Nach einer Konsolidierungsphase soll der Erlös bis 2019 aber auf 2,6 Milliarden Euro in die Höhe schnellen. Damit die Konkurrenz Senvion in der Zwischenzeit nicht völlig enteilt, streicht der Konzern Hunderte Stellen und investiert in neue Produkte.

Marktanteil: 2,5 Prozent.

Platz 12: Sewind (China)
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Die Windkraftsparte des chinesischen Staatskonzerns Shanghai Electric produziert in zwei Fabriken jährlich mehr als 3.000 Windräder. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen mit seinen Anlagen auf hoher See. Im Segment Offshore-Wind zählt Sewind zu den drei größten Herstellern weltweit. In Deutschland sind die Chinesen zudem am Maschinenbauer Manz AG beteiligt.

Marktanteil: 3,0 Prozent.  

Platz 10: CSIC Haizhuang (China)
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Unter den 14 führenden Windkraftkonzern der Welt befinden sich gleich acht Unternehmen aus China. Der Grund ist simpel: Im Reich der Mitte wurden alleine 2016 mehr als 40 Prozent der weltweit neu installierten Windräder ans Stromnetz angeschlossen. Ausländische Firmen kommen in China kaum zum Zug, der Markt ist weitgehend abgeschottet. Dieser Heimatbonus beflügelt Konzerne wie CSIC Haizhuang – sie prägen verstärkt den Weltmarkt.

Marktanteil: 3,2 Prozent.

Platz 9: Mingyang (China)
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Chinas viertgrößter Windkraftkonzern will sich vom Maschinenbauer zum Service-Unternehmen wandeln. Zwar soll die Produktion von Turbinen, Gondeln und Rotorblättern weiterhin eine wesentliche Säule des Geschäfts bleiben, aber die Wartung und Instandhaltung von Windrädern verspricht höhere Renditen.

Marktanteil: 3,5 Prozent.

Platz 8: Envision (China)
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Lei Zhang ist das Enfant terrible der Windenergieindustrie. Der Chef von Envision bezeichnet sein Unternehmen gerne als das „Apple der Energiewelt“. Statt wie die Konkurrenz lediglich „dumme“ Windräder herzustellen, will Zhang künftig mit einer offenen Plattform Geld verdienen, die Angebot und Nachfrage im Energiemarkt synchronisiert. Schwankende Solar- und Windenergie will er im großen Stil mit Stromspeichern, Elektroautos oder Industrieanlagen koppeln und auf lange Sicht mit dem smarten Steuern von Energieflüssen Milliarden verdienen. Zumindest ein paar Jahre lang dürfte der Verkauf von Windmühlen aber noch das Kerngeschäft von Envision bleiben. Anders als die Wettbewerber lässt Envision aber die Anlagen von Subunternehmen fertigen. Damit braucht der Konzern fast zwanzig Mal weniger Fixangestellte als die Branchenführer. Nur das Design und die Patente gehören Envision. „Wie bei Apple“, meint Unternehmenschef Zhang.

Marktanteil: 3,5 Prozent.

Zur Beschleunigung trägt nach den Worten des 50Hertz-Chefs bei, dass die Politik zwischenzeitlich entschieden hat, den überwiegenden Teil der neuen Höchstspannungsleitungen unterirdisch zu verlegen. „Das hilft sehr bei der Akzeptanz“, sagt Schucht. Die Debatten verliefen ganz anders als bei Freileitungen.

50Hertz investierte im vergangenen Jahr 737 Millionen Euro in den Netzausbau, davon entfielen 318 Millionen Euro auf den Netzausbau an Land, 419 Millionen Euro auf den Bereich Offshore. 50Hertz ist verantwortlich für die Netzanbindung der Offshore-Windparks in der Ostsee.

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