Energie

ABB Auftragsschwund hält bei Elektrokonzern an

Der Energie- und Automatisierungskonzern ABB hat derzeitig mit weniger Aufträgen zu kämpfen. Auch Umsatz und Gewinn schrumpfen. Vorstandschef Ulrich Spiesshofer tauscht nun den Finanzchef aus.
Update: 27.10.2016 - 11:20 Uhr
Sobald sich das aktuelle Weltgeschehen etwas stabilisiert hat, könnte es für den Konzern wieder bergauf gehen. Quelle: Reuters
Elektrokonzern ABB

Sobald sich das aktuelle Weltgeschehen etwas stabilisiert hat, könnte es für den Konzern wieder bergauf gehen.

(Foto: Reuters)

MünchenABB-Chef Ulrich Spiesshofer bekommt den Auftragsschwund des Elektrokonzerns nicht in den Griff. Im dritten Quartal sackte das Volumen der Neubestellungen binnen Jahresfrist abermals um 14 Prozent auf rund 7,5 Milliarden Dollar ab, wie die Schweizer am Donnerstag mitteilten. Der Umsatz schrumpfte um drei Prozent auf 8,26 Milliarden Dollar, der Konzerngewinn fast im gleichen Umfang auf 568 Millionen Dollar. Der zunehmend unter Druck stehende Manager bekräftigte, über die Zeit werde sein Unternehmen durch die neue Digitalisierungsstrategie auf den Wachstumspfad zurückkehren. An der Börse überwog die Skepsis: Die ABB-Aktien stürzten um gut sechs Prozent ab.

„Im dritten Quartal kam alles zusammen“, erklärte Spiesshofer. Ein schlechtes Marktumfeld, die Brexit-Entscheidung, der US-Wahlkampf und die Investitionsscheu der Kunden infolge der unsicheren Zukunft der ABB-Netzwerktechnik hätten die Bestellungen neuerlich zusammenschnurren lassen. Spiesshofer hatte fast ein Jahr darüber gebrütet, ob er das Geschäftsfeld verkauft und sich Anfang Oktober schließlich gegen den Willen des Großaktionärs Cevian für einen Verbleib entschieden.

„Ich kann nicht vorhersagen, in welchem Quartal wir wieder Wachstum haben werden, aber wir werden dahin zurückkehren“, sagte Spiesshofer. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Es wird aber eine Weile dauern.“ Auf kurze Sicht bleibe der Markt schwierig. ABB leidet vor allem unter der Investitionsscheu der Öl- und Gasförderbranche infolge des niedrigen Ölpreises. Auch bei Konkurrenten wie Siemens und GE hinterließ der Trend zuletzt Spuren, die Rivalen schnitten aber deutlich besser ab. Siemens will seine aktuellen Quartalszahlen in zwei Wochen vorlegen.

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Jahrzehntelang war die Schweiz eine Art Sehnsuchtsland für deutsche Topmanager. Tolles Klima, abwechslungsreiche Landschaften, zahlreiche internationale Großkonzerne und vor allem: hohe Gehälter und niedrige Steuern. Kein Wunder, dass sich viele Deutsche in den Teppichetagen der wichtigsten Schweizer Großkonzerne tummeln. Ein Überblick.

Ulrich Spiesshofer, Vorstandsvorsitzender ABB
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Der baden-württembergische Topmanager ist Volkswirt und arbeitete als Berater, bis er 2005 zu ABB wechselte. Seit 2013 führt er den Konzern. In einem Interview sagte Spiesshofer in Bezug auf die Zusammenarbeit zwischen Schweizer Unternehmen und der Politik: „Wir fühlen uns mit unseren Anliegen gehört.“
Jährliche Gesamtvergütung: 9,1 Millionen Franken.

Axel Weber, Verwaltungsratspräsident UBS
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Axel Weber gilt als eine der einflussreichsten Personen bei der Bankenrettung während der Euro- und der Staatsschuldenkrise vor rund sieben Jahren. Seit 2012 leitet er als Verwaltungsratspräsident der UBS die Geschicke der einst angeschlagenen Schweizer Großbank. Mit Erfolg: Die Bank hatte einst große Probleme, brauchte Geld vom Staat – heute steht sie wieder solide da.
Jährliche Gesamtvergütung: 6,0 Millionen Franken.

Thomas Klühr, Vorstandsvorsitzender Swiss Air
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Der besonnene Manager kam im Februar von der Konzernmutter Lufthansa zur Swiss. Er ersetzte dort Harry Hohmeister, der innerhalb des Konzerns in die Firmenzentrale nach Frankfurt wechselte – ebenfalls ein Deutscher. Klühr soll nicht den leichtesten Start beim neuen Arbeitgeber gehabt haben: Eine Schweizer Pilotengewerkschaft vermutete hinter der abermaligen Nominierung aus Deutschland einen faktischen Abbau der Eigenständigkeit der Schweizer Traditionsairline.
Amtsantritt am 1. Februar 2016.

Christoph Franz, Verwaltungsratspräsident Roche
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Der Ex-Lufthansa-Chef wechselte im Jahr 2014 auf den höchsten Posten des Basler Pharmariesen. Der promovierte Wirtschaftsingenieur bezeichnete den Posten als Airline-Chef einmal als „nicht vergnügungssteuerpflichtig“, fügte aber in Bezug auf seinen neuen Arbeitgeber hinzu: „Ich verdiene heute nicht mehr Geld.“
Jährliche Gesamtvergütung: 5,7 Millionen Franken.

Jörg Reinhardt, Verwaltungsratspräsident Novartis
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Beim Roche-Konkurrenten Novartis hält ebenfalls ein Deutscher die Fäden in der Hand. Er führte bis vor drei Jahren die Gesundheitssparte des Bayer-Konzerns, bevor er den wohl letztmöglichen Schritt auf der Karriereleiter wagte. Zum Amtsantritt Reinhardts war die Schweizer Presse voll des Lobes. Das Boulevardblatt Blick titelte, Reinhardt sei „bescheiden und tough“.
Jährliche Gesamtvergütung: 3,8 Millionen Franken.

Joachim Masur, Vorstand Zurich Versicherungsgruppe
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Seit 2012 leitet der deutsche Versicherungsfachmann das Schweiz-Geschäft des traditionsreichen Versicherers aus Zürich. Unter seiner Führung hat das Unternehmen eine schiere Aufholjagd im Heimatmarkt hingelegt. In seiner Position ist Masur für 5100 Mitarbeiter zuständig.
Vergütung wird nicht berichtet.

Spiesshofer verwies auf die jüngsten Sparanstrengungen: ABB habe das achte Quartal in Folge seine operative Marge nach oben getrieben. Bei dem Sparkurs werde es bleiben. „Wir führen das Unternehmen weiterhin diszipliniert und nutzen konsequent unsere Wachstumschancen, während wir gleichzeitig Erträge und den Cashflow steigern.“ Einen konkreten Ausblick für das verbleibende Geschäftsjahr gab der Schwabe nicht. An seinen mittelfristigen Zielen hielt er indes fest, wonach bis 2020 der Umsatz jährlich um drei bis sechs Prozent zulegen und die operative Rendite (op. Ebita) elf bis 16 Prozent betragen soll. Der Aktienkurs werde auf absehbare Zeit von zuletzt gut 20 Franken auf 35 Franken steigen, wie vom Investor Cevian verlangt.

Experten betrachten die Versprechen misstrauisch. „Der Gegenwind ist sogar noch stärker geworden“, urteilte Analyst Panagiotis Spiliopoulos von Vontobel. „Die Auftragslage verschlechterte sich von ohnehin niedrigen Vergleichswerten im Vorjahr. Wir fürchten, dass der Wendepunk weiter in die Ferne rückt und alle operativen Verbesserungen von den schwindenden Einnahmen für weitere Quartale aufgezehrt werden.“ Seine Kollegen von Barclays nannten die Quartalszahlen schlicht „eine Enttäuschung“.

Für Aufsehen sorgte Spiesshofer auch mit einer überraschenden Personalie. Im kommenden Früjahr ersetzt er seinen bisherigen Finanzvorstand Eric Elzvik durch den 50-jährigen Finnen Timo Ihamuotila, der von Nokia kommt. „Wenn man das Unternehmen verändert, muss man sich auch das Team anschauen“, sagte der ABB-Chef. „Wir haben diese Entscheidung gemeinsam getroffen", sagte Elzvik. „Für mich persönlich ist es die richtige Zeit, eine andere Richtung einzuschlagen.“ Der 56-jährige Schwede war 32 Jahre bei ABB, davon letztlich drei als Finanzchef.

  • rtr
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