Absatzerfolg: E10-Hersteller profitiert vom Biosprit-Boom

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E10-Hersteller profitiert vom Biosprit-Boom

Trotz sozialer und ökologischer Bedenken ist der Absatz des Biokraftstoffs E10 weiter gestiegen. In Deutschland verdient daran vor allem die Südzucker-Tochter Cropenergies.
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DüsseldorfTank oder Teller – unter diesem Motto wurde in den vergangenen Monaten die von der EU-Kommission forcierte Einführung des Biokraftstoffs E10 heftig debattiert. Dem Absatz des Treibstoffs, das vor allem aus Getreide und Rüben hergestellt wird, hat das offenbar keinen Abbruch getan.

Trotz der Bedenken findet Bioethanol in Deutschland guten Absatz. Der größte deutsche Hersteller Cropenergies produzierte im dritten Quartal per Ende November erstmals mehr als 200.000 Kubikmeter Bioethanol, wie das Mannheimer Unternehmen am Dienstag mitteilte. Die Südzucker-Tochter erzielte in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres einen Rekordgewinn von 94 Millionen Euro vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen.

Der Absatzerfolg des Biosprits überrascht – seit seiner Einführung im Jahr 2011 wurde der Kraftstoff stets scharf kritisiert. Immer wieder hatten unter anderem Nichtregierungsorganisationen wie Oxfam darauf hingewiesen, dass die Herstellung des von E10 zu einer weltweiten Verteuerung von Lebensmitteln führe und daher Hungersnöte verschärft würden. Bis 2020 wird die staatliche Förderung für Biosprit aus Nahrungsmitteln in der Europäischen Union nach einem Vorschlag der EU-Kommission deshalb auslaufen. Stattdessen wird auf alternative Kraftstoffe aus Abfall gesetzt.

Nach den Daten des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) wurden in Deutschland von Januar bis Ende September vergangenen Jahres 1,9 Millionen Tonnen Super E10 getankt. Damit hat der alternative Kraftstoff in den ersten drei Quartalen einen Anteil von knapp 14 Prozent im Benzinmarkt erreicht. Im gleichen Zeitraum betrug der Marktanteil 2011 noch 8,6 Prozent.

Eine Umfrage von TNS Infratest im Auftrag des Bundesverbandes der deutschen Bioethanolwirtschaft von Mai vergangenen Jahres hatte ergeben, dass bereits ein Drittel der Besitzer von Benzinern E10 getankt haben – im Juli 2011 waren es erst 24 Prozent. Der Grund für die Entscheidung für E10 hat jedoch nur wenig mit dem Umweltbewusstsein zu tun: Vier von fünf Befragten gaben an, dass der Sprit billiger war und sie daher aus Kostengründen zum E10-Hahn gegriffen hätten.

Zudem gaben gerade einmal fünf Prozent der befragten E10-Abstinenzler als Grund für Ihre Verweigerung Umwelt- oder ethische Bedenken an. 73 Prozent der konventionellen Tanker hatten dagegen die Befürchtung, dass E10 ihrem Auto schadet.

Mit Material von Reuters.

 

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

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