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Alles auf Zucker

Bitterer Beigeschmack

In dieser Woche ist der Zuckerpreis auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren gestiegen. Das trifft vor allem die Süßwarenhersteller in Deutschland hart. Werden sie den Preisaufschlag auf die Verbraucher abwälzen?
Heute essen die Menschen drei Mal so viel Zucker wie noch vor 50 Jahren. Amerikaner essen durchschnittlich 58 Kilogramm pro Jahr, Deutsche immerhin 36 Kilogramm oder einen 132 Meter hohen Zuckerwürfelturm. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen nicht mehr als sechs Teelöffel Zucker pro Tag zu konsumieren, wenn sie gesundheitliche Probleme vermeiden wollen. Zucker gilt nach wie vor als Nahrungs- und Genussmittel, das Suchtpotential ist umstritten. Quelle: dpa

Heute essen die Menschen drei Mal so viel Zucker wie noch vor 50 Jahren. Amerikaner essen durchschnittlich 58 Kilogramm pro Jahr, Deutsche immerhin 36 Kilogramm oder einen 132 Meter hohen Zuckerwürfelturm. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen nicht mehr als sechs Teelöffel Zucker pro Tag zu konsumieren, wenn sie gesundheitliche Probleme vermeiden wollen. Zucker gilt nach wie vor als Nahrungs- und Genussmittel, das Suchtpotential ist umstritten.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/HamburgFür Süßwarenhersteller sind bittere Zeiten angebrochen. Allein im zurückliegenden Jahr hat sich der Rohstoff Zucker um rund 50 Prozent verteuert. In der vergangenen Woche haben ein knappes Angebot und die Aufwertung der brasilianischen Währung den Zuckerpreis auf den höchsten Stand seit etwa dreieinhalb Jahren getrieben. Der US-Kontrakt auf Rohzucker verteuerte sich um bis zu 3,4 Prozent auf 20,11 US-Cent je Pfund. In London legte der Future auf raffinierten Zucker zeitweise 0,9 Prozent auf 573,20 Dollar je Tonne zu.

Nach Jahren der Überproduktion gehen Börsianer davon aus, dass die Nachfrage das Angebot bald wieder übersteigen wird. Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt hätten, seien daher gezwungen, sich mit Zucker einzudecken, um ihre Verluste zu minimieren. Gleichzeitig ist der Real, die Währung des weltweit wichtigsten Zuckerproduzenten Brasilien, so teuer wie zuletzt vor etwa einem Jahr.

Noch ist am Markt keine Entspannung in Sicht. Sollten die Preise weiter ansteigen, könnten das auch die Verbraucher spüren. „Rohstoffpreiserhöhungen können tendenziell zu höheren Preisen führen“, räumt der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) ein.

Entscheidend sei dafür aber allein der Wettbewerb. Und selbst die höheren Preise schlagen nicht sofort bis zu den Abnehmern durch. Denn im Süßwarenbereich schließen die Unternehmen in der Regel längerfristige Lieferverträge ab, die meist über ein Jahr laufen. Viele Süßwarenhersteller betrachten daher die Entwicklung an den Rohstoffmärkten noch mit einer gewissen Ruhe.

Doch in Branchenkreisen heißt es auch, dass die relativ geringen Lagerbestände des Süßstoffs Zucker einigen der Gesellschaften bereits Sorgen bereiten. Sie sind nach Angaben des Analysehauses F.O. Licht im vergangenen Jahr gesunken. Wurden 2014/15 noch 78,4 Millionen Tonnen gehortet, wird für die Saison 2015/16 ein Rückgang auf rund 72 Millionen Tonnen erwartet.

„Wir haben uns für dieses Jahr noch zu alten Preisen gedeckt“, sagt Hermann Bühlbecker, Chef der Lambertz-Gruppe. „Uns sind jetzt aber schon für weitere Zukäufe deutliche Preiserhöhungen avisiert worden, und wir müssen auch für das nächste Jahr von Preiserhöhungen ausgehen. Dies ist für uns als Süßwarenhersteller schon ein erheblicher Faktor, der auch zur Preiserhöhung der Produkte führen könnte.“

Die zehn größten Zuckerfallen im Essen
Schokolade
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Das Magazin Öko-Test hat 34 Lebensmittel auf ihren Zuckergehalt untersucht und sich die Tricks der Hersteller angeschaut. Gerne wird Süßes in Herzhaftem verstecken. Das Problem: Weniger ist nichts, daher rechnen Hersteller mit Miniportionen die Zuckergehalte gerne klein.

Rangliste mit Würfelzucker
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Als Orientierung und Vergleichsmaßstab rechneten die Tester den Gehalt des süßen Giftes in enthaltene Stück Würfelzucker à drei Gramm um. Die Gehalte an Glukose, Fruktose, Saccharose, Maltose, Laktose und Galaktose wurden analysiert und mit dem deklarierten Gesamtzuckergehalt verglichen.

Platz 10: Barbecue Sauce
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Nummer zehn der Liste ist die Premium Barbecue Sauce von Boydo. Sie enthält satte 23 Stück Würfelzucker – zusätzlich wird auch noch mit Karamellsirup gesüßt. Allerdings steht auf dem Etikett nicht einfach „Zucker“, denn das ist das Produkt „ist Bio also steckt Rohrzucker drin“ kommentiert „Öko-Test“. Das ist zwar herzlich egal, Rohrzucker ist in keiner Weise gesünder als herkömmlicher Kristallzucker, aber es klingt besser. Dafür stammt herkömmlicher Kristallzucker aus heimischen Zuckerrüben, Rohrzucker aus in den Tropen angebautem Zuckerrohr. Bio eben.

Platz 9: Beeren
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Ganze 60 Prozent Cranberries enthalten Seeberger Cranberries. Die hundert Prozent voll machen Zucker und Öl. „Das ist frech“, meint Ökotest, denn das Produkt heißt sicherlich sehr absichtlich nicht „gesüßte Cranberries“ oder „gesalzene Cranberries“ „wie vergleichbare Produkte direkt daneben im Regal.“ Zusammen mit dem natürlichen Zucker der Beeren, kommt das Produkt so auf stolze 57,3 Prozent Zucker – beziehungsweise 24 Stück Würfelzucker.

Platz 8: Müsli
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Von der Deklarierung „weniger Zucker“ sollten sich Verbraucher nicht täuschen lassen. „„Weniger Zucker“ heißt nicht „wenig““, bemerkt Öko-Test zu Kölln Cerealien Zauberfleks Honig, 30 % weniger Zucker. In der Tat: 29 Stück Würfelzucker stecken in den „Cerealien“.

Platz 7: Capuccino
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„Ohne Zuckerzusatz“ – und dennoch voller Zucker, zu 45,5 Prozent nämlich, das sind 30 Stück Würfelzucker. Laut Ökotest steht „hinten, klein“ auf der Verpackung auch noch, woher der Zucker kommt: Das Produkt "Rewe beste Wahl Typ Capuccino ohne Zuckerzusatz" enthalte ihn „von Natur aus“. „Natur“, das heißt in diesem Fall Süßmolken- und Magermilchpulver. „Dreist“ nennt Öko-Test das und zieht das Fazit: „Die Werbung mit „ohne Zuckerzusatz“ ist nichts anderes als Irreführung des Verbrauchers.

Platz 6: Essig
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Der Kühne Balsamissimo Cremig Mild ist ein gutes Beispiel für Zucker durch süßende Zutaten – in diesem Fall Traubenmostkonzentrat, im Gegensatz zu den ursprünglichen Trauben garantiert Vitamin und Calciumfrei. Das Ergebnis sind 33 Stück Würfelzucker im Essig.

Die Krux dabei: Nicht nur Zucker wird teurer. Die Unternehmensgruppe Lambertz hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres mitgeteilt, dass auch andere für sie wichtige Rohstoffe deutlich teurer geworden sind. Sowohl Schokolade, als auch Haselnüsse, Mandeln, Marzipan, Persipan und Honig hätten Höchststände markiert. Ganz ähnlich ergeht es dem Kekshersteller Bahlsen: „Für uns hat das einen doppelten Einfluss: Der direkt eingekaufte Zucker wird teurer, aber auch Zutaten wie Schokolade und Sirup“, sagte ein Sprecher. Das komme eben zusätzlich zu hohen Kakaopreisen.

Schuld an der Misere: Regen und Frost
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