Energie

Alles auf Zucker
Bitterer Beigeschmack

In dieser Woche ist der Zuckerpreis auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren gestiegen. Das trifft vor allem die Süßwarenhersteller in Deutschland hart. Werden sie den Preisaufschlag auf die Verbraucher abwälzen?

Düsseldorf/HamburgFür Süßwarenhersteller sind bittere Zeiten angebrochen. Allein im zurückliegenden Jahr hat sich der Rohstoff Zucker um rund 50 Prozent verteuert. In der vergangenen Woche haben ein knappes Angebot und die Aufwertung der brasilianischen Währung den Zuckerpreis auf den höchsten Stand seit etwa dreieinhalb Jahren getrieben. Der US-Kontrakt auf Rohzucker verteuerte sich um bis zu 3,4 Prozent auf 20,11 US-Cent je Pfund. In London legte der Future auf raffinierten Zucker zeitweise 0,9 Prozent auf 573,20 Dollar je Tonne zu.

Nach Jahren der Überproduktion gehen Börsianer davon aus, dass die Nachfrage das Angebot bald wieder übersteigen wird. Investoren, die auf fallende Kurse gesetzt hätten, seien daher gezwungen, sich mit Zucker einzudecken, um ihre Verluste zu minimieren. Gleichzeitig ist der Real, die Währung des weltweit wichtigsten Zuckerproduzenten Brasilien, so teuer wie zuletzt vor etwa einem Jahr.

Noch ist am Markt keine Entspannung in Sicht. Sollten die Preise weiter ansteigen, könnten das auch die Verbraucher spüren. „Rohstoffpreiserhöhungen können tendenziell zu höheren Preisen führen“, räumt der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) ein.

Entscheidend sei dafür aber allein der Wettbewerb. Und selbst die höheren Preise schlagen nicht sofort bis zu den Abnehmern durch. Denn im Süßwarenbereich schließen die Unternehmen in der Regel längerfristige Lieferverträge ab, die meist über ein Jahr laufen. Viele Süßwarenhersteller betrachten daher die Entwicklung an den Rohstoffmärkten noch mit einer gewissen Ruhe.

Doch in Branchenkreisen heißt es auch, dass die relativ geringen Lagerbestände des Süßstoffs Zucker einigen der Gesellschaften bereits Sorgen bereiten. Sie sind nach Angaben des Analysehauses F.O. Licht im vergangenen Jahr gesunken. Wurden 2014/15 noch 78,4 Millionen Tonnen gehortet, wird für die Saison 2015/16 ein Rückgang auf rund 72 Millionen Tonnen erwartet.

„Wir haben uns für dieses Jahr noch zu alten Preisen gedeckt“, sagt Hermann Bühlbecker, Chef der Lambertz-Gruppe. „Uns sind jetzt aber schon für weitere Zukäufe deutliche Preiserhöhungen avisiert worden, und wir müssen auch für das nächste Jahr von Preiserhöhungen ausgehen. Dies ist für uns als Süßwarenhersteller schon ein erheblicher Faktor, der auch zur Preiserhöhung der Produkte führen könnte.“

Die Krux dabei: Nicht nur Zucker wird teurer. Die Unternehmensgruppe Lambertz hatte bereits im Oktober vergangenen Jahres mitgeteilt, dass auch andere für sie wichtige Rohstoffe deutlich teurer geworden sind. Sowohl Schokolade, als auch Haselnüsse, Mandeln, Marzipan, Persipan und Honig hätten Höchststände markiert. Ganz ähnlich ergeht es dem Kekshersteller Bahlsen: „Für uns hat das einen doppelten Einfluss: Der direkt eingekaufte Zucker wird teurer, aber auch Zutaten wie Schokolade und Sirup“, sagte ein Sprecher. Das komme eben zusätzlich zu hohen Kakaopreisen.

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