Energie

Amprion
Netzbetreiber vermisst Rückhalt der Politik

Amprion plant in Bayern eine 450 Kilometer lange Stromtrasse. Dem Netzbetreiber schlägt viel Misstrauen entgegen. Amprion-Chef Brick beklagt sich über mangelnde Unterstützung – und wundert sich über Horst Seehofer.
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DüsseldorfDie Proteste gegen den Bau neuer Stromtrassen gefährden nach Einschätzung des zuständigen Netzbetreibers Amprion den Zeitplan für die Energiewende. „Finanziell bekommen wir das hin. Und auch technisch ist das machbar. Die größte Herausforderung ist aber der Zeitdruck und die Akzeptanz in der Bevölkerung“, sagte Geschäftsführer Hans-Jürgen Brick im Gespräch mit dem Handelsblatt (Dienstagausgabe).

„Das Werben um Akzeptanz für große Infrastrukturprojekte wird zu einer immer größeren Herausforderung. Ich gehe davon aus, dass es bei allen großen Netzausbauprojekten einen hohen Diskussionsbedarf vor Ort geben wird.“ Dabei sei die Situation im Stromnetz „schon jetzt kritisch“.

Amprion plant in Bayern eine neue Höchstspannungsleitung, die Gleichstrompassage Süd-Ost, mit einer Länge von 450 Kilometern. Die eine Milliarde Euro teure Leitung wurde gemeinsam mit der Bundesnetzagentur als eine der neuen Stromtrassen identifiziert, die zur Verteilung des Windstroms vom Norden und Osten in den verbrauchsstarken Süden benötigt wird.

Innerhalb eines Monats hat sich in der betroffenen Region in Nordbayern aber ein großer Widerstand organisiert. Unter Führung des oberfränkischen Pegnitz haben sich nun mehrere Kommunen und Kreise zusammengeschlossen, um die Trasse auf dem juristischen Weg aufzuhalten.

„Das hat uns selbst überrascht. Wir befinden uns noch in einem frühen Planungsstadium, noch vor einem Genehmigungsverfahren“, sagte Brick. Mehr als 3.000 Bürger seien zu Informationsveranstaltungen nach Kulmbach, Nürnberg und Donauwörth gekommen. „Die Situation war aber von Anfang an aufgeheizt. Unsere Mitarbeiter wurden heftig angegangen.“

Brick beklagt vor allem die mangelnde Unterstützung durch die Politik. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat den Sinn der kompletten Leitung in Frage gestellt und ein Moratorium ausgerufen. „Wir waren schon überrascht, wie stark sich die Landespolitik plötzlich distanziert hat“, sagte Brick, „natürlich macht es uns die Arbeit nicht leichter. Wie sollen wir mit den Bürgern konkret über unser Projekt diskutieren, wenn von der Politik selbst die Notwendigkeit der Leitungen in Frage gestellt wird?“ Es reiche nicht aus, dass Gesetze beschlossen werden, sie müssten den Bürgern auch vermittelt werden.

Das Dossier „Die Rückkehr des Wutbürgers“ inklusive des vollständigen Interviews mit Amprion-Chef Hans-Jürgen Brick finden Sie als Download in unserem Kaufhaus der Weltwirtschaft.

Sven Prange
Sven Prange
Handelsblatt / Ressortleiter Report und Namen

Kommentare zu " Amprion: Netzbetreiber vermisst Rückhalt der Politik"

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  • Wer keine Argumente hat, der schreibt immer gerne "Fakt ist".

    "Fakt ist, dass bereits heute in Deutschland soviel Strom produziert wird, dass z.B die noch verbliebenen AKW´s in Bayern bereits heute abgeschaltet werden könnten, ohne dass es jemand gleich merken würde!"

    Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass die DENA die mit Sicherheit zur Verfügung stehende Leistung der Windmühlen mit 1% beziffert (ein Prozent). Sie müssten also erst einmal zusätzliche ca. 333.000 Windmühlen a 3kW aufstellen, um zuverlässige ca. 10 GW Leistung aus Kernkraftwerken zu ersetzen.

    "Fakt ist, dass Deutschland mittlerweile auch Europameister im internationalen Stromhandel ist! D.h es wird bereits heute schon wesentlich mehr Strom produziert als selbst in Deutschland verbraucht wird!"

    Des Weiteren ist es nicht richtig, dass Deutschland Strom exportiert. Vielmehr wird die Dienstleistung der Vernichtung des Stroms eingekauft (zumindest dann, wenn die Preise negativ werden). Auch sollten Sie wissen, dass sich mittlerweile die Anrainer dagegen wehren den Zufallsstrom auf Auge gedrückt zu bekommen; Wegwergstrom, den niemand haben will.

    Man kann sich drehen und wenden wie man will: Eine moderne Gesellschaft kann mit Zufallsstrom nicht funktionieren. Die Kernreaktoren heissen übrigens richtigerweise Kernkraftwerke.

  • Die Informationsveranstaltung in Nürnberg war sicher kein Werben um Akzeptanz in der Bevölkerung. Eher ein Pflichttermin bei dem oberflächliche und falsche Informationen verkündet wurden. Die Trasse Süd-Ost wird nicht zum Transport von Windstrom aus dem Norden gebaut, sie wird Braunkohlestrom von Halle (Sachsen-Anhalt) nach Augsburg (Bayern) transportieren.

  • Fakt ist, dass es bei dieser Süd-Ost-Trasse nicht wirklich um die Stromversorgung der Bürger dieses Landes geht, sondern eben um eine Stromautobahn ohne Abfahrten, von der niemand in den betreffenden Regionen, wo die Monstermasten bis zu 75m gebaut werden, auch nur den geringsten Nutzen hat! Fakt ist, unsere Immobilien- u. Grundstückswerte werden gewaltig sinken! Dies wäre wohl die größte Immobilienwertvernichtung in Bayern seit dem 2. Weltkrieg in Milliardenhöhe! Die Kommunen werden in Ihrer Entwicklung gewaltig eingeschränkt, gerade wenn es um die Erweiterung von Baugebieten etc. geht. Fakt ist, die momentane Planung verläuft mitten durch stark besiedelte Gebiete. Unsere Stadt wird regelrecht mit dieser Trasse umzingelt. An vielen Häusern wird die Trasse direkt daneben vorbeiführen, sogar mehrere Kindergärten sind betroffen! Fakt ist, es gibt keinerlei gesetzliche Bestimmungen mit Mindestabständen, wo bleibt der Schutz des Menschen. Auch die gesundheitlichen Gefahren sind noch nicht wirklich bei einer HGÜ Trasse erforscht. Da in Europa die meisten HGÜ-Trassen bisher nur im Meer verlegt wurden und ansonsten nur in China und Indien ähnliche Trassen verlaufen!

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