Energie

Analysten zum Potash-Vorstoß
Die Chancen stehen bei 50 zu 50

K+S plant eine Großinvestition in Kanada. Bisher galt die als Risikofaktor für den Dax-Konzern, doch nun gerät das „Legacy“-Projekt durch den Potash-Vorstoß in den Fokus. Analysten sagen: Die Übernahmeofferte macht Sinn.
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FrankfurtAnalysten bewerten die Übernahmeofferte von Potash Corporation für K+S als überwiegend als zwar überraschendend, aber strategisch auch durchaus logischen Schritt aus Sicht der Kanadier. „Für Potash macht das in mehrfacher Hinsicht Sinn“, so der Agro-Experte der DZ-Bank, Heinz Müller. „Der Konzern könnte sich Zugang zum europäischen Markt verschaffen und erhält zugleich Zugriff auf eine von K+S erschlossene Mine in Kanada.“ Heinz hatte bereits vor dem Vorstoß von Potash für K+S ein Kursziel von 37 Euro gesetzt.

Ähnlich argumentiert Christian Faitz von Kepler Cheuvreaux. „Es macht für Potash viel Sinn, die kanadischen Assets von K+S in das Vertriebskartell Canpotex einzubeziehen. K+S könnte mit dem Legacy-Projekt zu einem ernsthaften Konkurrenten werden.“ Hinzu komme die Aussicht, sich eine Position in Europa sowie im Geschäft mit Spezialprodukten zu erschließen. Beide Bereiche sind im Portfolio von Potash bisher nicht vertreten. K+S dagegen ist mit etwa 56 Prozent Anteil Marktführer im europäischen Kaligeschäft.

Etwas skeptischer äußert sich Markus Mayer von der Baader Bank. Es sei nicht wirklich verständlich, warum Potash den Hersteller mit der ungünstigsten Kostenstruktur übernehmen wolle. Vor dem Hintergrund einer Konjunkturabkühlung im gesamten Agrosektor und einer voraussichtlich rückläufigen Kali-Nachfrage im laufenden Jahr hatte Mayer bisher nur ein Kursziel von 24 Euro für K+S gesetzt, dieses in Reaktion auf die Potash-Offerte nun aber auf 32 Euro erhöht.

Die Chancen, dass Potash eine Übernahme von K+S tatsächlich gelingen wird, sehen die meisten Analysten bei etwa 50 zu 50. Der geplante Angebotspreis von mehr als 40 Euro liegt deutlich über den meisten bisherigen Kurszielen und Analystenbewertungen.

Selbst wenn der Deal am Ende nicht zustande komme, werde das Bewertungsniveau von K+S auf ein neues Niveau gehoben, glaubt Lars Hettche vom Bankhaus Metzler.

Ähnlich wie die meisten anderen Analysten sieht er die Offerte vor allem als wichtige Bestätigung für die Großinvestition von K+S in Kanada, das sogenannte Legacy-Projekt. Es wurde bislang eher als großer Risikofaktor für den Kasseler Konzern gesehen. Viele fürchteten, dass sich K+S – ähnlich wie Thyssen-Krupp in Brasilien – mit dem Projekt verheben könnte. „Viele hatten Angst vor Legacy. Das Übernahmeangebot zeigt aber, dass das Projekt offenbar nicht so schlecht ist.“

Die kartellrechtlichen Hürden für eine K+S-Übernahme werden von den meisten Experten als gering eingestuft, da sich die Vertriebsgebiete beider Konzerne bisher regional kaum überschneiden. Potash ist bisher vor allem in Nordamerika und Asien aktiv, K+S in Europa und Südamerika. „Wir gehen daher nicht davon aus, dass es größere Bedenken der Kartellbehörden geben wird“, so DZ-Bank-Experte Heinz Müller.

Die Tatsache, dass Ende der 90er Jahre schon einmal eine Übernahme von K+S durch Potash untersagt wurde, sieht Müller nicht als Präzedenzfall. Denn damals sei die Ablehnung ausschließlich politisch motiviert gewesen.

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