Energie

Atom, Gas, Kohle sollen weg
Eon zerschlägt sich selbst

Eon trennt sich von Kohle, Gas und Atomstrom. Das Geschäft wird in eine Art „Bad Bank“ ausgelagert. Stattdessen will sich der Konzern auf andere Bereiche konzentrieren. An der Börse legt die Aktie deutlich zu.
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EssenDer hochverschuldete Energiekonzern Eon greift angesichts der tiefgreifenden Energiewende zu radikalen Maßnahmen: Der bislang größte deutsche Energiekonzern will sich auf das Geschäft mit Ökostrom konzentrieren. Die Atom- und Kohlekraftwerke sollen in eine neue Gesellschaft abgespalten werden. Analysten sprachen am Montag von einem mutigen Schritt, der auch Vorbild für andere Versorger in Europa sein könne. Die Aktie legte am Montagmorgen nach Börsenstart um 6,2 Prozent auf 15,12 Euro zu.

Die Mehrheit an der im Jahr 2016 geplanten Gesellschaft sollen die bisherigen Eon-Aktionäre halten. Den Rest will der Versorger schrittweise an die Börse bringen. Die Abspaltung soll auch die Rückstellungen für den Abriss der Kernkraftwerke übernehmen. Dies könnte die Idee einer Atomstiftung erneut anfachen, in der die AKW-Betreiber Eon, RWE, EnBW und Vattenfall ihre Risiken auslagern.

Mit der Abspaltung der Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke reagiert Eon auf den Preissturz bei den Großhandelspreisen für Strom. Diese sind wegen der Überkapazitäten an Kraftwerken und dem Ausbau des Ökostroms allein seit Anfang 2013 um mehr als ein Viertel gefallen. „Das bisherige breite Geschäftsmodell von Eon wird den neuen Herausforderungen nicht mehr gerecht“, sagte Vorstandschef Johannes Teyssen. Deshalb wolle sich der Konzern radikal neu aufstellen. 2015 wolle das Management die Voraussetzungen für die Abspaltung und den Börsengang der konventionellen Kraftwerke schaffen. Mit dem Spin-Off folgt Eon dem Beispiel der Bayer -Abspaltung Lanxess oder Osram bei Siemens. Mit der Neuaufstellung sei kein Stellenabbau verbunden.

Zu dem abgespalteten Teil würden auch der globale Energiehandel sowie die Bereiche Exploration und Produktion gehören. Das Unternehmen soll 20.000 Mitarbeiter beschäftigen. Die Analysten von Bernstein Research sprachen von einer Art „Bad Bank“. Das unter der Rubel-Schwäche leidende Geschäft in Russland gehört ebenso dazu wie die Verluste schreibende Beteiligung in Brasilien.

Offen ist, was aus der Gas- und Ölförderung in der Nordsee wird. Eon will dies noch vor der Neuaufstellung strategisch überprüfen. Analysten spekulierten umgehend, dass es wie die RWE-Tochter Dea verkauft werden könnte.

Denkbar ist auch, dass beide künftigen Gesellschaften auf Dauer zu klein sind und damit zu Übernahmekandidaten werden. Bernstein Research zufolge könnte die Anteile der neuen Gesellschaft rein rechnerisch 2014 auf einen Betriebsgewinn (Ebitda) von 4,4 Milliarden Euro kommen und der übrige Eon-Teil auf vier Milliarden. Damit wären beide kleiner als die bisherige deutsche Nummer Zwei RWE mit angepeilten 6,4 bis 6,8 Milliarden Euro.

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  • "mittlerweile stehen Bundesweit 24.000!"
    Richtig.
    Setzen Sie dohc bitte die 60 Windräder bei Ihnen vor der Haustür ins Verhältnis zu den 24 Tausend bundesweit.
    Wie bereits gesagt, sind der Großteil der bestehenden Anlagen alt.
    Das heißt durch Ersetzen dieser alten durch neue, wird bereits ein Fortschritt erzielt.
    Windräder dürfen nicht einfach irgendwo hin gebaut werden, Standortprüfungen und Windgutachten müssen verbesert werden.
    Ebenso habe weder ich noch jemand anderes geschriben, man solle sich ausschließlich auf Wind und Sonne verlassen, bestimmte Speichermöglichkeiten werden benötigt und können nur durch Forschung verbesesert werden.
    Wenn mehr Strom produziert wird als abgenommen wird werden die Speicher gefüllt.
    Bei der Planung der Zukunft ständig auf den status quo zu verweisen oder auf die Vergangenheit und zu der Aussage zu gelangen, weiterer Ausbau und Fortschritt sind sinnlos, bringt uns nicht weiter. Ziel des Fortschritts ist schließlich die Veränderung des status quo.
    Betrachten Sie also nicht stationäre Zustände, sondern betrachten Sie die bereits erfolgten Fortschritte.
    Wenn wir diesen Weg weiter gehen, kann der Strompreis auch irgendwann wieder sinken, aber natürlich wird es uns heute einiges an Kraft und Anstrengungen kosten ein belastbares Stromnetz aus EE auf- und auszubauen.

  • Die Umwandlung von elektrischer Energie in chemische Energie hat, wenn Methan das Ziel ist, einen Wirkungsgrad von weniger als 40%. Wenn das Methan dann wieder zur Stromerzeugung genutzt wird, ist realistischerweise höchstens ein Wirkungsgrad von durchschnittlich 50% zu erreichen.

    Der Gesamtwirkungsgrad liegt also unter 20%.

    Der Strom, der am Ende bei Windstille geliefert werden kann, ist daher mindestens 5 Mal so teuer wie der ursprüngliche Windstrom. In dieser Kalkulation sind die Kosten für die Anlagen selbst, das Bedienungspersonal und die Rendite des eingesetzten Kapitals noch gar nicht enthalten.

    Es ist völlig klar, daß niemand diesen teuren Strom bezahlen kann und will. Wirtschaftsbetriebe, die sich am Markt behaupten müssen, können die Wahnsinnskosten für diesen Strom mit Sicherheit nicht durch den Verkauf ihrer Produkte am Weltmarkt refinanzieren. Das gilt jedenfalls für die Betriebe, in denen die Stromrechnung ein nennenswerter Kostenfaktor ist. Im Zeitalter der Automatisierung werden das immer mehr.

    Es bleibt dabei: Es gibt keine technisch realisierbare Möglichkeit, Strom oder die im Strom gelieferte Energie in den erforderlichen Mengen zu bezahlbaren Kosten zu speichern.

    Das sollte eigentlich für jeden rational denkenden Menschen das Todesurteil für den Strom aus Zufallskraftwerken sein für die Versorgung eines Industrielandes sein.

    Daher ist die deutsche Energiewende durch und durch irrational.

  • Hallo Herr Pankrath,
    wenn ich aus dem Fenster sehe, sehe ich ungefähr 60 Windräder. Davon sind die meisten neuerer Bauart, die auf dem Hochsteinchen im Hunsrück sind über 200 Meter hoch. Höher als der Kölner DOM. Und seien Sie versichert: wenn der Wind nicht weht, stehen auch diese übergroßen Dinger.

    Das geht aber auch aus dem Link über agora hervor: denn obwohl in den letzten Jahren ja Tausende solcher Monster errichtet wurden,(mittlerweile stehen Bundesweit 24.000!) fällt die Erzeugungsleistung bei fehlendem Wind eben DOCH regelmässig gegen Null! Das dürfte es nach Ihrer "Theorie" doch gar nicht geben. :-)Schauen Sie doch mal in dem Link nach. Und die tatsächlich erzeugten KWh bei Wind entsprechen rd. 15% der Nennleistung (können Sie bei Fraunhofer nachschauen). Ob diese KWh dann erzeugt werden, wenn sie gerbaucht werden ..... Und so ein "zuverlässiger Erzeuger" versorgt den Idustriestaat Deutschland. LOL.

    Erst informieren und nachdenken, dann kommentieren.

    http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/report-mainz/videosextern/warum-oeko-energie-fuer-stadtwerke-oft-ein-verlustgeschaeft-ist-102.html

    Danke!

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