Energie

Atomkraftwerke bleiben bei Eon
Nicht schön, aber vernünftig

Schon wieder muss Eon-Chef Johannes Teyssen seine Strategie anpassen – dieses mal aber nicht freiwillig. Die Atomkraftwerke bleiben im Konzern. Die Politik lässt ihm keine andere Wahl. Ein Kommentar.

Eons neue Strategie ist noch nicht umgesetzt, der Konzern noch nicht aufgespalten, da wird sie schon verwässert. Der Energiekonzern wird sich nun doch selbst um die Abwicklung der Atomkraft kümmern – sie werden nicht wie die Kohle- und Gaskraftwerke in Uniper abgespalten. Das ist keine schöne, aber letztlich eine unumgängliche Entscheidung. Und sie zeigt, dass das Wohl und Wehe der deutschen Energiekonzerne in dieser kritischen Phase an der Politik hängt – und gemeinsam nach einer Lösung gesucht werden muss.

Natürlich war schon die Aufspaltung eine Reaktion auf die politischen Rahmenbedingungen. Eon-Chef Johannes Teyssen reagierte auf den Zerfall des bisherigen Geschäftsmodells, dem Betrieb der großen Kraftwerke, durch die Energiewende. Die Eon SE sollte sich auf das Geschäft mit der Energiewende konzentrieren, Uniper auf die alte Energiewelt, vor allem die konventionelle Stromerzeugung.

Jetzt wird Teyssen aber regelrecht zur Anpassung getrieben. Die Politik wollte verhindern, dass Eon die Verantwortung für den Atomausstieg abgibt und hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Haftung für die Folgeschäden faktisch unbegrenzt bei den Unternehmen lässt – auch wenn sie die Atomsparten abspalten.

Damit wäre die klare Fokussierung, die Teyssen geplant hatte, ohnehin nicht zu realisieren gewesen. Jetzt belässt er die Verantwortung und die Rückstellungen lieber direkt in der Eon SE. Das ist optisch nicht schön. Natürlich war ein klarer Schnitt leichter zu verkaufen – und sollte Aufbruchsstimmung erzeugen. Tatsächlich ändert sich aber nichts daran, dass die Eon SE nur noch das Zukunftsgeschäft voran treibt. Die Atomkraft hat keine strategische Bedeutung mehr. Sie wird schlicht abgewickelt. Die dafür vorgesehen Rückstellungen werden auch nicht verschoben.

Teyssen wird sich jetzt um so engagierter um eine endgültige Lösung der Atomfrage kümmern müssen. Er kämpft schon lange für die Idee einer Atomstiftung, die den Rückbau und die Entsorgung geregelt organisiert. Für Eon wäre das eine elegante Lösung, die die Kräfte endgültig freisetzen würde.

Aber auch die Bundesregierung sollte offen darüber nachdenken. Zum einen wäre so der Atomausstieg wirklich gegen eine Pleite der Energiekonzerne gesichert. Zum anderen muss auch sie ein Interesse an einer neuen Zukunft der angeschlagenen Energieriesen haben.

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