Energie

Außerordentliche Aufsichtsratssitzung
RWE plant Konzernumbau

Der Chef des Energiekonzerns RWE, Peter Terium, hat die Aufsichtsräte zu einer außerordentlichen Sitzung im August eingeladen. Der Anlass ist brisant: Terium will den Konzern deutlich verschlanken.
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EssenEigentlich hatten sich die Aufsichtsräte von RWE auf eine lange Sommerpause eingestellt. Erst im Herbst wollten sie sich wieder mit der Krise des Energiekonzerns beschäftigen. Doch manch einer der Aufseher wird seinen Urlaub unterbrechen müssen - Vorstandschef Peter Terium hat um eine Sondersitzung gebeten. Am 10. August, kurz vor der Vorlage des Zwischenberichts, sollen sie zusammen kommen - und auf der Tagesordnung steht ein brisantes Thema: Um den angeschlagenen Energieriesen wieder auf Kurs zu bringen, will Terium die aufgeblähte Konzernstruktur deutlich verschlanken und dazu Tochtergesellschaften im großen Stil zusammenlegen oder sogar schließen. Das geht aus einer internen E-Mail des RWE-Chefs an die Führungskräfte der obersten Leitungsebenen hervor, die dem „Handelsblatt“ und der in Mainz erscheinenden "Allgemeinen Zeitung" vorliegt.

Seit März arbeitet eine Projektgruppe am geplanten Konzernumbau. „Zurzeit befinden wir uns auf der Zielgeraden und werden in Kürze in der Lage sein, dem Aufsichtsrat einen konkreten Vorschlag zu machen", heißt es in der Mail. Dabei soll es vor allem um die „Verschlankung der Legalstrukturen durch Zusammenlegung und Abschaffung von Konzerngesellschaften“ gehen – und zwar ausschließlich in Deutschland, wie es in der Mail heißt. Legalstrukturen sind die gesellschaftsrechtlichen Strukturen des Konzerns.
Ziel sei die „Reduzierung der internen Bürokratie“. RWE verfügt in Deutschland insbesondere im Vertrieb über ein gewachsenes, kompliziertes Geflecht an Gesellschaften. Manager klagen immer wieder, dass die Entscheidungswege viel zu lang und langsam seien. Die genauen Details des Sparprogramms stehen noch nicht endgültig fest; das Unternehmen machte auf Anfrage keine Angaben dazu.

„Auslands-, Regional- und regulierte Netzgesellschaften sowie Minderheitsbeteiligungen“ sollen im Rahmen des Projektes jedoch nicht betrachtet werden; „eventuelle Implikationen werden jedoch untersucht“, heißt es weiter.
Das Aus für die Kohleabgabe hat Terium zwar ein wenig Luft verschafft. Die Anleger freuten sich über das Geschenk von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und bescherten der RWE-Aktie in den zurückliegenden Tagen ein Plus. Doch im Vergleich zu dem, was das Papier in vielen Monaten zuvor an Wert verloren hat, ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Energieriese taumelt bislang durch die Energiewende, weil wegen der großen Mengen an Wind- und Solarstrom die großen Kohle- und Gaskraftwerke immer unrentabler werden – und RWE nach Ansicht von Experten viel zu spät darauf reagierte.

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