Energie

Außerordentliche Hauptversammlung
Die Aktie des Sonnenkönigs stürzt ins Bodenlose

Schock für alle Aktionäre der schlingernden Solarworld: Für das vergangene Jahr erwartet das Unternehmen einen Verlust von rund einer halben Milliarde Euro. Eine außerordentliche Aktionärsversammlung wird einberufen.
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BonnFrank Asbeck ist in den vergangenen Jahren gerne großspurig aufgetragen. Jüngst kaufte er dem Fernsehmoderator Thomas Gottschalk ein Schloss bei Remagen am Rhein ab: 800 Quadratmeter Wohnfläche, 14 Zimmer, drei Terrassen. Dem damaligen Papst Benedikt XVI. schenkte er eine Solaranlage. Einmal hatte Asbeck tatsächlich erwägt, den Autohersteller Opel vor der Pleite zu retten und zu übernehmen. Damals glänzte sein Unternehmen Solarworld noch.

Doch jetzt ist endgültig die Zeit der Bescheidenheit eingeläutet, der Absturz des Solarzellenherstellers ist unübersehbar. Am Donnerstagmorgen stürzte die Aktie des Bonner Unternehmen in den ersten Handelsminuten um mehr als ein Drittel auf zeitweise 56 Cent ab. Grund: Am Abend zuvor hatte der einstige Vorzeigekonzern der Branche mitgeteilt, dass das Kapital seiner Aktionäre komplett verloren sei.

Auch die Gläubiger müssen den größten Teil ihrer Forderungen abschreiben. Die Solarworld-Anleihe mit Laufzeit bis 2016 fiel am Donnerstag um ein Drittel, sie notiert nur noch bei 15 Prozent des Nennwerts. Die Anleihe bis 2017 gab 25 Prozent nach und notiert nun bei 18.

Statt der ursprünglich geplanten turnusmäßigen Hauptversammlung wird aufgrund des Verlusts des Grundkapitals zunächst eine außerordentliche Zusammenkunft der Aktionäre stattfinden, wie aus einer Unternehmensmitteilung vom Mittwochabend hervorgeht. Im Geschäftsjahr 2012 dürfte ein Verlust nach Steuern von 520 bis 550 Millionen entstanden sein. Das Eigenkapital dürfte sich auf minus 20 bis minus 50 Millionen Euro belaufen. Mit dem negativen Eigenkapital ist das Unternehmen damit noch mehr als bisher von seinen Gläubigern abhängig. Die Krise in der Branche und der harte Wettbewerb mit China hatten den Konzern in Bedrängnis gebracht.

Der Verlust ist den Angaben zufolge zu 20 Prozent dem Geschäftsverlauf geschuldet und zu 80 Prozent auf Abschreibungen auf Anteile an verbundenen Unternehmen, Beteiligungen und Ausleihungen zurückzuführen. Etwaige Bilanzkorrekturen im Rahmen der Jahresabschlussprüfung könnten die geschätzten Werte noch wesentlich verändern, hieß es weiter.

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Auch Anleihegläubiger fürchten um ihr Geld

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  • Bei niedrigeren Strompreisen und niedrigeren Steuern würde
    der Stromverbrauch steigen und alle würden dabei Gewinnen auch der Staat

  • Ich habe nichts gegen Solarstrom.Aber die ihn produzieren sollen ihn auch selbst verbrauchen und nicht in´s Netz speisen,denn dort ist er eneregetisch schlecht plaziert.
    Zweitens,die Solarbranche krankt an ihrer "Einfachheit".Es ist nicht schwer Module herzustellen,bzw.Mitarbeiter anzulernen.Das dann China im Vorteil ist, liegt auf der Hand.Da nützen auch Megaeinspeisvergütungen nichts,wenn 70% der neumontierten Solaranlagen aus Asien kommen.

  • Sehen Sie, jetzt kommen wir der Sache schon naeher: Solarworld und QCells zB sind/waren Unternehmen, die nicht gesund gewachsen sind, nicht auf Gewinnmaximierung aus waren, sondern mit voelliger Ueberheblichkeit gegenueber Kunden und Geldgebern eine Scheinwelt aufgebaut haben, die sie mit Falschinformationen bis zum Schluss aufrecht erhalten wollten. Und das ist eben nicht OK und sollte bestraft werden, was es ja wurde, nur dass die Aktionaere die Zeche zahlen und nicht die verantwortlichen Manager. P.S. warum gehen Sie davon aus, dass alle Kleinaktionaere ihr gesamtes Geld in 1 Unternehmen gesteckt haben?

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