Energie

Australien
Gold und Kohle gefährden das Urlaubsparadies

Das Traumziel Australien hat jetzt Hochsaison, Touristen aus aller Welt sollen Milliarden in die Kassen bringen. Wäre da nicht der Rohstoff-Boom im Land. Denn der untergräbt das lukrative Geschäft mit den Ferien.
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Ayers RockDer Blick über die roten Sanddünen ist atemberaubend. In der Distanz glüht im orangen Licht der Abendsonne des Uluru, oder Ayers Rock, wie der Heilige Berg der zentralaustralischen Aborigines auch genannt wird. Hinter den „Öko-Zelten“ der Luxusunterkunft „Longitude 131“ prosten sich die Gäste mit Champagner gegenseitig zu. Mit französischem natürlich.

Bei 1000 Euro pro Nacht und Person kann man das erwarten, auch mitten in der Wüste, 400 Kilometer von der nächsten Stadt entfernt. Und Häppchen mit Wasabi-Kaviar gibt’s auch für John und Mary aus London, Peter und Camilla aus Cleveland. Danach geht’s zum Gourmetabendessen, mit zartem Rindersteak an Shiraz Sauce und halbrohem Thunfisch in einem Mantel aus frischen Kräutern. „Wir haben viele Besucher aus den europäischen Königshäusern. Und die Stars der globalen Modeindustrie kommen auch“, sagt der Manager. Namen nennt er keine. Auch zwischen Sanddünen ist Diskretion Ehrensache.

Ob die Luxusunterkunft, ob das Fünfsternhotel, die Mittelklassezimmer, oder ob Campingplatz: die Hotelanlage Ayers Rock Resort im Schatten des Uluru ist eine Ikone des australischen Tourismus‘ und bekannt rund um den Globus. Das Aboriginal Land Council, eine Art Selbstverwaltungsbehörde der Ureinwohner, hatte das Geschäft letztes Jahr einer in Finanznöte geratenen Holdinggesellschaft abgekauft. Seither investierten die neuen Besitzer 30 Millionen australische Dollar in eine Auffrischung und Expansion. Hier, so ist klar, glaubt man an die Zukunft des Tourismus.

Doch die australische Reisebranche hat erbitterte – und überraschende – Konkurrenz: Der Rohstoffboom im Land hat zu einem Verdrängungskampf zwischen den Bergbauunternehmen und der Tourismusindustrie geführt. Zeitarbeiter in den abgelegenen Minen im australischen Westen würden Touristen aus den ohnehin knappen Unterkünften verdrängen, berichtet das Forschungsinstitut Tourism Research Australia. Einige Tourismusanbieter und Reisedestinationen würden zwar vom enormen Bedarf an Unterkünften profitieren, so das Papier. In vielen Fällen seien die Konsequenzen der Expansion der Rohstoffindustrie aber negativ für die Reisewirtschaft.

Wegen der hohen Gehälter, die im Rohstoffgeschäft generell bezahlt würden, haben sich die Kosten für Flüge in abgelegener Gebiete des Landes in den letzten Jahren massiv verteuert. Die Fluglinie Qantas Airways nutze auf vielen Strecken ihr Monopol, um Wucherpreise zu verlangen, sagen Kritiker. Unterkünfte sind in Städten, die als Transferorte für Minenarbeiter dienen, kaum noch bezahlbar. So genannte Fly-in-Fly-out-Arbeiter, oder Fifos, die für drei Wochen in einer Mine arbeiten, dann für zwei Wochen in ihre Heimatstadt zurückfliegen, werden als Grund für die Situation genannt.

Dabei ist der Fremdenverkehr in Australien kein Nebengeschäft: als größte Exportindustrie des Dienstleistungssektors ist Tourismus eines der Standbeine der Wirtschaft. Über sechs Millionen Besucher begrüßt Australien pro Jahr, unter ihnen knapp 152 000 Deutsche. Fast jeder zehnte der 22 Millionen Bewohner ist direkt oder indirekt im Tourismus involviert – deutlich mehr Menschen, als der Rohstoffsektor beschäftigt.

Tourismus trug im letzten Finanzjahr mit 34,6 Milliarden australischen Dollar, oder 2,5 Prozent, zum BIP bei. In vielen Regionen, die über Jahrzehnte fast ausschließlich von Tourismus gelebt haben, leiden Anbieter aber unter Negativfaktoren, denen sie praktisch hilflos gegenüberstehen. Gerade für kleinere Betriebe sind sie existenzbedrohend geworden.

Kommentare zu " Australien: Gold und Kohle gefährden das Urlaubsparadies"

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  • Im "Urlaubsparadies" ist es jetzt schön warm. 55 Grad C+.

  • Mir scheint, Ihre Zeitung deren Zielgruppe interessiert sich für diesen Konfklikt nur wenn Rohstoffriesen vs. Tourismusbranche kollidieren. Sobald sich Rohstoffriesen gegen die einheimische Bevölkerung richten ist das außerhalb des Blickfelds. Da ökonomisch irrelevant.
    Schade.
    http://www.goodmovies.de/content_detail.php?cid=8687

    Györfi

  • Urs Wälterlin schreibt 'nen Sensationsmist weil sonst sein Artikel nicht veröffentlicht wird.
    Ich bin zur Zeit in Australien und habe weder überhöhte Preise für Flüge oder Hotels erlebt.
    Die Sonne scheint, sonst nichts...

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