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BASF-Tochter Wintershall nimmt Russland in Schutz und verteidigt Nord-Stream-Projekt

Das Öl- und Gasunternehmen Wintershall weist die Kritik an der geplanten Pipeline Nord Stream 2 zurück – und freut sich über steigende Ölpreise.
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Die BASF-Tochter steht zu ihrer Partnerschaft mit dem russischen Öl- und Gasriesen Gazprom. Quelle: dpa
Wintershall

Die BASF-Tochter steht zu ihrer Partnerschaft mit dem russischen Öl- und Gasriesen Gazprom.

(Foto: dpa)

KasselDer russische Gazprom-Konzern hat in Europa zweifellos nicht nur Freunde. In der Europäischen Union wird die Macht des weltgrößten Gaskonzerns zunehmend kritisch gesehen. Insbesondere die geplante zweite Pipeline durch die Ostsee, Nord Stream 2, steht in der Kritik. Sie erhöhe die Abhängigkeit Europas von russischem Gas, argumentieren die Kritiker.

Auf einen Freund kann sich Gazprom aber verlassen: Wintershall. „Gemeinsam stehen wir für Versorgungssicherheit“, betonte Vorstandschef Mario Mehren am Mittwoch bei der Jahres-Pressekonferenz der deutschen Öl- und Gasgesellschaft in Kassel: „Russland ist für Wintershall die wichtigste Region! Und Russland bleibt für Wintershall die wichtigste Region!“

Die BASF-Tochter arbeitet seit den 90er Jahren mit Gazprom zusammen. Die beiden haben zunächst gemeinsam mit Gas gehandelt und fördern jetzt in Sibirien gemeinsam Gas. Im vergangenen Jahr produzierten sie in den zwei Feldern gut 30 Milliarden Kubikmeter Gas.

Die zehn ölhungrigsten Länder der Welt
Platz 10: Kanada
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Auf dem letzten Platz der weltweit zehn größten Ölnachfrager liegt Kanada mit 2,4 Millionen Barrel Öl pro Tag in 2016. In den folgenden Jahren wird mit einer sinkenden Nachfrage gerechnet. Für 2022 liegt diese nur noch bei 2,3 Millionen Barrel Öl pro Tag.

Quelle: „Oil 2017“-Bericht der Internationalen Energie-Agentur.

Platz 9: Südkorea
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Südkorea fragte im Jahr 2016 2,6 Millionen Barrel Öl pro Tag nach. Damit landet das Land auf Platz 9 der weltweit größten Ölnachfrager. In den Folgejahren steigt die Nachfrage laut der Voraussage der Internationalen Energie-Agentur auf 2,7 Millionen Barrel Öl.

Platz 8: Saudi-Arabien
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Saudi-Arabien, das selbst große Mengen des Schwarzen Goldes fördert, liegt mit 3,2 Millionen Barrel Öl pro Tag auf dem achten Platz der weltweiten Ölnachfrager. Das könnte sich in Zukunft ändern, denn bis 2022 wird die Nachfrage auf 3,4 Millionen Barrel geschätzt.

Platz 7: Brasilien
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Brasilien liegt mit einer Erdölnachfrage von 3,1 Millionen Barrel pro Tag auf dem siebten Platz. Doch auch hier ist mit einer höheren Nachfrage in den Folgejahren zu rechnen: 2022 liegt die geschätzte Nachfrage schon bei 3,3 Millionen Barrel Öl.

Platz 6: Russland
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Russland liegt im Jahr 2016 noch auf Platz 6 der größten Erdölnachfrager mit durchschnittlich 3,6 Millionen Barrel Öl pro Tag. 2017 erhöht sich die Nachfrage, sodass Russland mit durchschnittlich 3,7 Millionen Barrel Erdöl pro Tag den sechsten Platz verteidigt.

Platz 5: Indien
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Indien fragt in den nächsten Jahren immer mehr Öl nach. 2016 liegt die Nachfrage noch bei 4,3 Millionen Barrel Öl pro Tag, 2017 werden schon 4,5 Millionen Barrel nachgefragt und 2022 noch mal mehr – 5,9 Millionen Barrel.

Platz 4: Japan
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Bei einer Nachfrage von 4,0 Millionen Barrel Öl pro Tag liegt Japan auf dem vierten Platz. Die Nachfrage sinkt im Jahr 2017 voraussichtlich auf 3,9 Millionen Barrel und bis 2022 auf 3,6 Millionen Barrrel Öl pro Tag.

Das entspricht mehr als einem Drittel des deutschen Gasverbrauchs. Wintershall ist zudem an der von Gazprom betriebenen Pipeline Nord Stream durch die Ostsee beteiligt – und will auch die zweite Pipeline Nord Stream 2 mitfinanzieren, die Gazprom parallel verlegen will, um ab 2019 zusätzliche Mengen Gas nach Westeuropa zu bringen.

Gerade in den vergangenen Tagen ist die Kritik an Gazprom und russischem Gas aber wieder gestiegen. Der Konflikt zwischen Russland und dem Transitland Ukraine eskalierte. Nachdem ein Schiedsgericht in Stockholm Gazprom zu einer milliardenschweren Strafzahlung verurteilte, kündigten die Russen Lieferverträge mit dem Nachbarland. Das liefert vor allem den Kritikern von Nord Stream 2 neue Argumente. Sie sehen in der neuen Pipeline unter anderem den Versuch Russlands, die Transitländer Ukraine und Polen zu umgehen.

Mehren ist sich der schwierigen Lage bewusst. Politisch herrsche „Eiszeit“, sagte er. Nord Stream 2 würden „politische Stolpersteine“ in den Weg gelegt. Insbesondere einige osteuropäische Länder versuchten das Projekt zu „torpedieren“ und setzten Brüssel unter Druck. „Dort werden derart kuriose Volten vollführt, dass der eigene juristische Dienst Kritik übt“, sagte Mehren: „Das mag politisches Kalkül sein. Im Interesse der europäischen Kunden ist es sicher nicht.“ Das Unternehmen stehe zu diesem Projekt.

Der Energiemanager appellierte aber auch an die Politik: „Die EU und Russland müssen dringend zu einem konstruktiven Dialog zurückfinden – und sich auf die Bedeutung ihrer Partnerschaft besinnen!“ Wintershall wolle durch die „erfolgreiche wirtschaftliche Zusammenarbeit“ helfen, Brücken zu bauen: „Wintershall ist ein Brückenbauer“, sagte Mehren.

Hier baut Gazprom Europas höchsten Wolkenkratzer
Höchster Büroturm Europas
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Das Lachta-Center soll das neue Wahrzeichen von St. Petersburg werden. Mit 462 Metern wird Europas höchster Wolkenkratzer das historische Zentrum von Russlands nördlicher Metropole überragen. Gazprom, der größte Gaskonzern der Welt, zeigt mit dieser neuen Firmenzentrale seine Macht. In der Heimatstadt von Präsident Wladimir Putin wächst ein Symbol für ein neues Russland, wie er es gerne sieht: cool und kühn.

Schlanke, fünfeckige Silbernadel
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Im Frühjahr 2015 wurde nördlich des Zentrums im Stadtteil Lachta am Finnischen Meerbusen das Fundament gegossen. Vor einem Monat im Oktober überholte der Bau mit 374 Meter Höhe den bisherigen europäischen Rekordhalter, den Federazija-Turm in Moskau. Zum Vergleich: Deutschlands höchstes Hochhaus, der Commerzbank-Turm in Frankfurt, misst einschließlich Spitze 300 Meter. Schon jetzt ist das Lachta-Center vom weitem zu sehen – von der Ostsee wie von der Stadt aus. Als schlanke, fünfeckige Silbernadel schraubt es sich in den Himmel. Der Entwurf stammt von dem britischen Stararchitekten Tony Kettle, geplant hat das Moskauer Büro Gorproekt.

Fensterteile aus Deutschland
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Wie ein Wolkenkratzer aussieht, hängt vor allem von der Fassade ab, und die wird bei diesem russischen Prestigeobjekt von der deutschen Spezialfirma Josef Gartner aus Gundelfingen in Bayern erstellt. „Das ist ein Auftrag, der uns sehr geprägt hat in den letzten drei Jahren“, sagt Geschäftsführer Jürgen Wax. Gartner gehört zum italienischen Baukonzern Permasteelisa, arbeitet weltweit und hat auch die neue Zentrale des Technikkonzerns Apple in Cupertino ) verglast. Außen- und Innenverglasung des Hochhauses messen 100.000 Quadratmeter, so groß wie 14 Fußballfelder. Dazu hat Gartner 16.600 Einzelelemente aus Aluminium, Stahl und kalt gebogenem Glas angefertigt.

Bau schreitet voran
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Am Turm arbeiten die Fassadenbauer auf vielen Etagen zugleich. Im zehnten Stock sind schon die Vorstandsbüros erkennbar, die Gazprom-Chef Alexej Miller und seine Kollegen einmal beziehen sollen. „Wir haben an zwei Stellen von unten und von der Mitte mit dem Verglasen begonnen“, sagt Projektleiter Ralph Damköhler. Derzeit müssen die Lücken geschlossen werden.

Blick durch die Wolken
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Der 77. Stock liegt an diesem Herbsttag im Nebel. Arbeiter in bunten Overalls, gesichert wie Bergsteiger, bugsieren über dem grauen Nichts die Fassadenteile an ihren Platz. Nur gelegentlich geben die Wolken den Blick in die Tiefe frei. Hochhäuser, Parks, das Fußballstadion Zenit-Arena sehen von oben wie winzige Modellbauten aus.

Widerstand in der Stadt
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Das himmelstürmende Hochhaus ist in St. Petersburg nicht unumstritten. Gazprom wollte den neuen Firmensitz erst mitten im Zentrum bauen, wo er die barocken Zarenpaläste und andere Architekturschätze in den Schatten gestellt hätte. Dagegen regte sich Widerstand in der Stadt, und auch die UN-Kulturorganisation Unesco meldete Bedenken an. 2010 entschloss sich Gazprom deshalb zu dem neuen Standort. Bauübergabe soll 2018 sein.

Nördlichster Wolkenkratzer der Welt
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„Wir sind sehr stolz auf unser Projekt“, sagt Sergej Nikiforow, der Chefingenieur des Bauträgers. Das Gebäude sei eine Herausforderung, denn es werde nicht nur Europas höchster Wolkenkratzer sein, sondern der nördlichste weltweit. Die Konstruktion sei ausgelegt, um Wind, Regen, Schnee und Eis im rauen Petersburger Klima zu trotzen.

Wintershall ist zwar ein kleiner Spieler im weltweiten Öl- und Gasmarkt, aber für Gazprom einer der wichtigsten Partner. 2017 verdoppelte die BASF-Tochter das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf gut eine Milliarde Euro. Auch der Überschuss verdoppelte sich auf 719 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 17 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro.

Das lag unter anderem an den gestiegenen Öl- und Gaspreisen. Das Barrel Öl der Nordseesorte Brent, das 159 Liter beinhaltet, kostete 2017 im Durchschnitt 54 Dollar – zehn Dollar mehr als ein Jahr zuvor. Der Gaspreis hat sich an den europäischen Spotmärkten um 24 Prozent erhöht.

Bei Gas rechnet Mehren zwar im laufenden Jahr mit einer Stabilisierung der Preise, bei Öl erwartet er aber noch höhere Notierungen: „Wir rechnen für 2018 mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 65 US-Dollar pro Barrel Brent“, sagte der Wintershall-Chef. Das dürfte Umsatz und Ebit auch 2018 weiter beflügeln, der Ölpreis ist damit aber immer noch weit von den Rekordständen entfernt, als er 2014 deutlich über die 100-Dollar-Marke geklettert war.

Den größten Sprung will Mehren aber mit der geplanten Fusion mit dem deutschen Wettbewerb Dea machen, der sich ebenfalls in Exploration und Förderung (E&P) von Öl und Gas engagiert. BASF und Dea-Eigner Letter One haben Ende 2017 den Zusammenschluss vereinbart, verhandeln aber noch über Details. Mehren rechnet damit, dass die Transaktion in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen wird. „Dann entsteht eines der größten unabhängigen europäischen E&P-Unternehmen – ein deutscher und europäischer Key-Player“, sagte Mehren.

Gemeinsam kämen die beiden Unternehmen auf eine Jahresproduktion von 215 Millionen Barrel an Öl oder Öläquivalenten. Über drei Viertel davon werde Wintershall beisteuern. Die Portfolios würden sich auch gut ergänzen.

In der Branche zähle auch Größe, betonte Mehren: „Größe heißt mehr Sichtbarkeit im Wettbewerb um Ressourcen.“ 

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2 Kommentare zu "BASF-Tochter: Wintershall nimmt Russland in Schutz und verteidigt Nord-Stream-Projekt"

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  • Ok wenn tatsächlich Gasprom ab Jahr 2020 nichts über Ukraine liefern wird
    Dann Kommen wir zum folgendes
    In Jahr 2017 wurde nach EU ca 182 mlrd m³ geliefert
    NS 1 55 mlrd³ 30 mlrd³ über Weißrussland Rest über UA ca 92 mlrdm³
    Ab 2020 ohne Lieferung durch UA( teil soll doch geliefert werden wegen Verträgen ) und kein NS 2
    Blue Stream Turkei 15mlrd m³ +15mlrd m³ 2 Papline richtung Grichenland
    Weißrussland 30 mlrd m³
    Kraft der Sybirien China 30 mlrd m³
    NS1 55mlrd m³
    Gesammt 145 mlrd
    Also es werden dann ca 30-50 mlrd für UA vorgesehen
    Bein Nordstream 2 ist das alles bedeckt auch ohne UA
    Wo liegt das Problem wenn Gazprom Kündigt den Vertrag mit Naftogaz UA dann hatt EU ein Problem, weil die Russen werden den gas an RU-UA die Mengen Liefern um den Rest werden sich die Käufer kümmern müssen, aber das will doch keiner))))))))
    Und selber das Gerichtsurteil: weil die UA in eine schwierige Finanz Not ist! Ist schon Merkwürdig also wenn Partner in Schwirigkeit ist soll ich für in Zahlen!? Absurd

  • Hauptgegner von Nordstream sind...
    die osteuropäischen Staaten denen durch Nordstream die Durchleitungszölle (zu Lasten Deutschlands) verloren gehen.
    Die USA die gerne verflüssigtes Erdgas exportieren möchten.
    Daneben gibt es sicherlich Hardcore Ökogläubige die meinen dass diese "Treibhausgase" die Ungläubigen dem ökologischen Weltuntergang "Klimawandel" näher bringen.

    Sinnvoller wäre es sicherlich Kernenergie und Braunkohle intensiver zu nutzen.

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