Energie

Bergbau
Rohstoffhunger im Land der Elche

Auf mehr europäische Rohstoffe pocht die EU und Firmen erhören den Ruf. Gegen eine geplante Nickelmine im Nirgendwo Schwedens wehren sich aber die Anwohner. Wenn Reichsinteressen auf Rentierhirten treffen.
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StorumanZweimal haben sie die Kirche schon gebucht und zweimal haben sie die Hochzeit abgesagt. „Dieses Jahr haben wir es gar nicht erst probiert.“ Marie Persson lacht als das Boot an der kleinen Kirche am Ufer des Gardiken vorbeituckert. Zum Heiraten fehlt ihr schlicht die Zeit. Auch heute passt ihr Verlobter auf die beiden Kinder zu Hause auf. Marie Persson ist zusammen mit ihrem Vater Knud Persson unterwegs zur Insel Rönnbäcksnäset. Sie liegt inmitten des Stausees und ist nur zeitweilig bewohnt von Elchen, Bären und Rentieren.

Die Firma Nickel Mountain, eine Tochter der norwegischen Aktiengesellschaft IGE Resources, will hier künftig jährlich rund 26.000 Tonnen Nickel fördern. Drei Tagebaue sollen dafür entstehen - bis zu 70 Hektar große und 350 Meter tiefe Löcher. Die Insel soll halb abgetragen und in den Stausee verklappt werden.

Marie Persson und einige andere Einwohner der Gemeinde Storuman im Nordwesten Schwedens wollen das verhindern. „Das zerstört die gesamte Gegend hier“, sagt sie und deutet die Insel und die Wälder an den Ufern. „Und es geschieht gegen den Willen aller hier lebenden Sami.“

Die Sami gegen die Bergbauindustrie und den schwedischen Staat – dieser Kampf ist derzeit in zwei Regionen Lapplands entbrannt. Auch in Kallak nahe der Stadt Jokkmokk im Norden protestieren Sami zusammen mit Umweltaktivisten. Der Streit hat jetzt auch die Vereinten Nationen erreicht. Das Samiparlament hat Schweden im September vor einem UN-Ausschuss verklagt.

Die Sami in Kallak und Rönnbäcken sehen ihre Kultur und ihre Lebensweise – das Jagen, Fischen und die Rentierwirtschaft – durch die Bergbauindustrie bedroht. Die Bergbaunation Schweden hingegen will mehr Erze aus den heimischen Böden holen und die Wirtschaft mit dem Export und der Verarbeitung der Metalle in Schwung halten. Im weltweiten Wettbewerb um Rohstoffe hat die EU-Kommission 2008 eine eigene Initiative gestartet und visiert eine dauerhafte Versorgung mit Rohstoffen aus europäischen Quellen an.

In der nationalen Berbaustrategie, die Schwedens konservativ-moderate Regierung zu Jahresbeginn präsentierte, peilt sie an, die Anzahl der heimischen Minen bis 2020 zu verdoppeln. Die meisten neuen Minen, heißt es, sollen im nördlichen Schweden eröffnet werden, wo es viele Orte von kulturellem und ökologischem Wert gebe und wo traditionellerweise auch die Rentierhaltung erfolge. „Die Ausweitung der Bergbauaktivitäten muss deshalb im Konsens mit anderen Interessen erfolgen.“ Heißt es.

Kommentare zu " Bergbau: Rohstoffhunger im Land der Elche"

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  • *lach* Dazu braucht's ET nicht. Technisch machbar wäre das jetzt schon, nur wirtschaftlich völlig uninteressant.

    Aber egal, darum geht's ja nicht, das ist Zukunftsmusik (wenn auch plausible). Worauf ich halt hinaus wollte, ist, daß Bergbau in ökologisch hochsensiblen Landschaften wie der Subarktis sehr kritisch betrachtet werden sollte, weil die Schäden einfach kaum ausheilen und "verbrannte" Erde hinterlassen. Selbst ein Trampelpfad bleibt dort oben oft jahrelang erhalten, auch wenn ihn niemand mehr begeht. Die Einwirkungen durch einen riesigen Tagebau gekoppelt mit einem ökologisch höchst bedenklichen Verfahren zur Konzentratgewinnung können verheerend sein. Ich bin kein Fortschrittsfeind, benutze Computer (wie Sie sehen :-) ) und Digitalkameras statt Gänsekiel und Erdfarben auf einer Höhlenwand, aber die letzten Refugien der Natur sollten wir in Ruhe lassen. Etwas weniger Streben nach Luxus und Statussymbolen kann im kleinen Maßstab schon dazu beitragen, ein Stopp des Bevölkerungswachstums oder gar eine Reduzierung der Menschheit schon sehr viel mehr.

  • Dann sollten Sie auf die Metallverwendung verzichten bis ET uns das Erz in Form von Asteroiden bringt.

    Vandale

  • Das hinkt ein bißchen. Es kommt auf die Umgebung an. Eine Mine in einem Wüstengebiet richtet nicht viel Schaden an, die ökologische Schäden in subarktischem Gebiet sind dagegen enorm, ebenso in beispielsweise einem tropischen Regenwaldgebiet mit hoher Artenvielfalt auf kleinem Raum. Das wird i.a. zu wenig berücksichtigt.
    Langfristig wird die Erzförderung wohl interplanetar erfolgen. Das Einfangen und Abtransportieren von NiFe-Asteroiden bietet sich geradezu an. Das hat weniger mit Science Fiction zu tun, als mit der Kostenfrage. Sobald die Kosten je Tonne niedriger sind als erdgebundene Förderung werden garantiert private Firmen diesen Weg gehen.

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