Energie

Bilanz des Energieversorgers MVV Energie investiert in Schottland

Deutschlands einziger börsennotierter Kommunalversorger MVV lässt sich vom Brexit nicht schrecken. Der Konzern baut ein Heizkraftwerk im schottischen Dundee. Ärger macht nur der Streit mit Nachbar EnBW.
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MVV Energie investiert in Schottland Quelle: PR
MVV-Zentrale

Der Mannheimer Energieversorger investiert 135 Millionen Euro in Schottland – trotz Brexit.

(Foto: PR)

FrankfurtDer Chef der MVV Energie Georg Müller lässt sich vom Brexit nicht beirren. Deutschlands einziger börsennotierter Kommunalversorger betreibt schon zwei Kraftwerke in Großbritannien – und hat Ende November ein neues Projekt in Angriff genommen. MVV Energie hat im schottischen Dundee eine bestehende thermische Abfallverwertungsanlage übernommen und baut direkt daneben ein neues Heizkraftwerk.

„Natürlich haben wir uns intensiv mit den möglichen Folgen eines Brexit beschäftigt – und wir bedauern ausdrücklich die Entscheidung“, sagte Müller: „Unsere Partnerschaften auf der Insel beruhen aber auf langfristigen Verträgen und einer auf Dauer und Vertrauen ausgelegten Zusammenarbeit.“

MVV Energie investiert in Dundee 135 Millionen Euro. Das neue Kraftwerk soll 2020 in Betrieb gehen und dann pro Jahr 110.000 Tonnen Abfall verbrennen. Den Strom speist das Unternehmen ins Netz. Den Dampf, der parallel produziert wird, liefert es an eine benachbarte Reifenfabrik von Michelin.

Für MVV-Chef Müller gehören solche Heizkraftwerke auch zur Energiewende, weil sie effizient mit Kraft-Wärme-Kopplung arbeiten. In Dundee werde ein hoher Wirkungsgrad von 55 Prozent erreicht. Das heißt 55 Prozent der eingesetzten Energie werden in Strom und Wärme umgewandelt. „Das ist ein absoluter Spitzenwert für Anlagen dieser Art“, sagte Müller stolz.

MVV Energie hatte 2016 im südenglischen Plymouth schon ein Heizkraftwerk in Betrieb genommen – es war mit 250 Millionen Euro die bis dahin größte Einzelinvestition des Unternehmen. Ebenfalls in Südengland, in Ridham Dock, betreibt das Unternehmen ein Biomassekraftwerk.

MVV Energie aus Mannheim ist zu einem der größten Regionalversorger in Deutschland aufgestiegen. Im Geschäftsjahr 2017 (zum 30.9) setzte das Unternehmen rund vier Milliarden Euro um – etwa so viel wie ein Jahr zuvor. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern legte um fünf Prozent auf 224 Millionen Euro zu. Der – um Sondereffekte bereinigte – Überschuss stieg um neun Prozent auf 107 Millionen Euro. Müller betonte, dass alle operativen Segmente, also Erzeugung und Infrastruktur, Handel und Portfoliomanagement sowie Vertrieb und Dienstleistungen, das Ergebnis deutlich gesteigert hätten.

Müller richtet den Kommunalversorger auf Energiewende und Dienstleistungen aus. Im Gegensatz zu anderen Energiekonzernen zählt er dazu aber auch die effiziente Müllverwertung. In den kommenden zehn Jahren will MVV Energie nach Müllers Worten erneuerbare Energien mit einer Leistung von 10.000 Megawatt ans Netz bringen – das entspricht der Kapazität von zehn großen Kohlekraftwerken. Dabei will die MVV Energie selbst ihre eigene Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien verdoppeln. Die dem Unternehmen zurechenbaren CO2-Emissionen sollen in den zehn Jahren von vier auf drei Millionen Tonnen pro Jahr sinken. Dafür will MVV Energie in den nächsten Jahren schon drei Milliarden Euro in die Energiewende investieren.

Müller lobte in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Stadt Mannheim, die mit 50,1 Prozent die Mehrheit hält und die Wachstumsstrategie unterstütze: „Dieser starker Rückhalt ist das Fundament unserer Wachstumsstrategie.“

Das darf ein anderer Aktionär als Seitenhieb verstehen: Nachbar EnBW. Der Konkurrent hält 22,5 Prozent – und will weitere 6,5 Prozent übernehmen, die der französische Energiekonzern Engie verkaufen will. MVV Energie lehnt das entschieden ab. Die EnBW wiederum betont, keine strategischen Interessen zu verfolgen – und will mit der Aufstockung wohl nur die Chancen erhöhen, das Paket besser verkaufen zu können.

Der Fall liegt derzeit beim Bundeskartellamt. Eine Entscheidung wird in den kommenden Tagen erwartet. Selbst in Branchenkreisen wird mit einer Genehmigung gerechnet, wenn auch mit Auflagen. Inzwischen hat der Streit sogar die Debatte in der Landespolitik von Baden-Württemberg erreicht.

Müller selbst lehnte aber bei der Bilanz-Pressekonferenz eine Stellungnahme ab.

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