Energie

Bilanz-PK Thyssen-Krupp
„Man wünscht sich Befreiungsschläge, aber kriegt sie nicht“

Es kommt erstens anders und zweitens als man denkt. Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger kommt beim Konzernumbau bei weitem nicht so schnell voran wie erhofft. Ein Gewinn scheint auf lange Sicht ausgeschlossen.

EssenEine Bilanzkonferenz am Samstagmittag, das hat schon etwas Einmaliges in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Thyssen-Krupp-Vorstandschef Heinrich Hiesinger hat die außergewöhnliche Einladung erst um Mitternacht ausgesprochen. Es zeigt: Der Stahl- und Industriekonzern steckt in einer der schwierigsten Phasen seiner Geschichte. Den ursprünglichen Termin hatte der Manager verschieben müssen, um zumindest einen Teilerfolg vermelden zu können: Den Verkauf eines Stahlwerks in Amerika. „Man muss manchmal kleinere Schritte gehen, als man sie sich wünschen würde“, so Hiesinger.

Was der 53-Jährige den Journalisten vorträgt, reicht für gleich mehrere Schlagzeilen: Die zweite amerikanische Fabrik in Brasilien bleibt ein Ladenhüter. Auch sie hatte eigentlich abgestoßen werden sollen. Dazu kommen eine Entflechtung mit dem finnischen Konkurrenten Outokumpu, eine Kapitalerhöhung, hohe Risiken aus Kartellverfahren (etwa in einem Streit mit der Deutschen Bahn), ein Verlust von 1,5 Milliarden Euro im Ende September geendeten Geschäftsjahr. Und selbst in den kommenden zwei Jahren erwartet Hiesinger nicht unbedingt die Rückkehr des Dax-Konzerns in die Gewinnzone. Eine Dividende können sich die Aktionäre erneut abschminken. Immerhin beruhigt Hiesinger: „All diese Risiken sind nicht bestandsgefährdend.“

Der Umbau bei Thyssen-Krupp ist tiefgreifend. Ursprünglich hatte Hiesinger beide problembehafteten Werke in Amerika verkaufen wollen. Doch unter anderem Probleme mit einem Hochofen in dem Werk in Südamerika machten die Anlage unattraktiv für Konkurrenten. Losgeworden ist Hiesinger das amerikanische Werk – viele Monate nach dem ursprünglich avisierten Termin. Arcelor-Mittal und Nippon Steel zahlen umgerechnet 1,1 Milliarden Euro für die Fabrik. Der Bau beider Anlagen hatte 13 Milliarden Euro verschlungen und Milliardenabschreibungen im vorvergangenen Geschäftsjahr nötig gemacht.

Eine neue Baustelle, die aufgerissen ist: Eine Transaktion mit dem finnischen Stahlunternehmen Outokumpu muss Thyssen-Krupp rückabwickeln. Auflagen der EU-Kommission konnten nicht erfüllt werden. Hohe Risiken drohen zudem noch wegen Kartellverfahren. Unter anderem steht eine endgültige Einigung mit der Deutschen Bahn noch aus. „Wir sind gebrannte Kinder und werden nicht sagen, dass es keine Risiken gibt, solange Verfahren noch laufen“, so Hiesinger.

Die Eigenkapitalausstattung des Unternehmens ist so deutlich geschrumpft, dass eine Kapitalerhöhung frisches Geld in die Kassen spülen soll. Diese soll bis zu zehn Prozent des bisherigen Kapitals betragen betragen. Wann es dazu kommt, ließ das Unternehmen offen. Dies hänge auch von den Bedingungen des Kapitalmarktes ab. Rein rechnerisch könnte Thyssen-Krupp bei dem derzeitigen Aktienkurs von 19,26 Euro rund eine Milliarde Euro einnehmen.

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Der Umsatz bricht weg

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