Energie

Billigstromanbieter
Wirtschaftsprüfer distanziert sich von Flexstrom

Der Billigstromanbieter Flexstrom gibt Rätsel auf. Tausende von Kunden beschweren sich, Verbraucherzentralen warnen. Jetzt verwirren Angaben aus einer Buchprüfung, die nie zu Ende geführt wurde.
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BerlinDie renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner wehrt sich gegen die Darstellung des Billigstromanbieters Flexstrom, es gebe eine positiv verlaufende Buchprüfung (Due Diligence) von Rödl & Partner zu Flexstrom. Auf Anfrage des Handelsblattes sagte ein Sprecher der großen deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft: „Rödl & Partner stand niemals in einem Auftragsverhältnis zu Flexstrom. Unsere im Auftrag von dritter Seite durchgeführte Due Diligence wurde nicht zu Ende geführt. Der Due Diligence-Bericht ist über ein Entwurfsstadium nicht hinaus gekommen. Die Veröffentlichung oder Verbreitung solcher Berichte oder Auszüge daraus ohne unsere Legitimation ist rechtswidrig.“

Flexstrom hatte zuvor behauptet, Rödl & Partner habe positive Aussagen zur Profitabilität des Stromdiscounters getroffen. Unternehmenssprecher Dirk Hempel sprach in einer E-Mail an das Handelsblatt von einer „ausführlichen Due Diligence“ von Rödl & Partner. Im Anhang mitgeschickte Auszüge trugen den Aufdruck „Entwurf“ – aber keinen Hinweis, dass es außer dem Entwurf nichts gibt.

Auf Nachfrage erklärte Hempel, eine „Finalisierung des Berichts“ sei „allein wegen der Verschiebung der Anleihe nicht mehr erforderlich gewesen.“ Tatsächlich zog Flexstrom die Anleihe wenige Tage nach Bekanntgabe wieder zurück. Allerdings: Flexstrom verbreitete die positiven Aussagen aus dem Entwurf noch Monate, nachdem die Anleihe schon gescheitert war. So händigte Hempel bei einem Treffen mit dem ZDF am 16. Januar ein Schreiben von Flexstrom aus. Darin stand unter anderem: „Im Zuge eines ausführlichen Stresstests stellten auch die Wirtschaftsprüfer von Rödl & Partner im Herbst 2012 fest, dass Flexstrom mit seinen Tarifen profitabel arbeitet und sehr gute Aussichten auf dem Markt hat.“

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Billigstromanbieter: Wirtschaftsprüfer distanziert sich von Flexstrom"

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  • "Habe aber einen Mahnbescheid verschickt und seit voriger Woche den Vollstreckungsbescheid beantragt, also noch vor Bekanntgabe der Insolvenz."
    Nützt nichts. Wo nichts ist wird auch nichts vollstreckt werden können. Das was da ist holen sich die, die im Ranking oben stehen: Finanzamt, Sozialvericherungsträger, Mitarbeiter.

  • Bei 500.000 Kunden sollte sich ein Käufer für die Firma finden. Um 500.000 Kunden zu gewinnen, müsste man erst mal viele Millionen in Marketing stecken, während man die Firma wohl für 1 € kaufen kann nachdem der Insolvenzverwalter sie entschuldet hat. Das meiste Geld werden die Stadtwerke als Netzbetreiber - und damit die Steuerzahler verlieren - weil Netzentgelte in zweistelliger Millionenhöhe uneinbringlich sind. Mal sehen, ob sich die Maffia der Stadtwerke ungerechtfertig vorrangig bedienen werden.

  • Warum die Aufregung? Es war doch schon seit Monaten hier das Thema, nicht wie sondern wann FlexStrom abstürzen wird. Billigheimer müssen natürlich Mengenwachstum generieren, geht's anders rum, Pech gehabt. Aber auch einige "provisionsgierige Vergleichsportale" können immer noch nicht von ihren Billigpreislisten lassen, denn ganz oben ist am besten. Die Nachteulen, die (nach Teldafax) noch daran glauben, gut so.

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